Fernando Alonso versucht, Sebastian Vettels Nervenkostüm zu treffen

Formel 1 2012

— 26.09.2012

Marko über Psychokrieg: "Werden massiv angegangen"

Der WM-Kampf wird härter, auch abseits der Strecke: Helmut Marko sieht Red Bull und Sebastian Vettel als Zielscheibe der einstigen Dauerrivalen Ferrari und McLaren



Wie sagte Sebastian Vettel vor dem Grand Prix von Italien so schön: "Jetzt wird sich an der Spitze viel im Kopf entscheiden." Damit dürfte er recht behalten. Denn Fernando Alonso versucht in letzter Zeit immer wieder, den Weltmeister psychologisch aus dem Konzept zu bringen. Auffällig oft betonte der WM-Leader, dass er nicht den Red-Bull-Piloten, sondern Lewis Hamilton als stärksten Titelrivalen auf der Rechnung habe.

Auch nach Monza konnte er sich gegenüber der 'AS' eine Spitze auf Vettel nicht verkneifen: "Hamilton ist der einzige Fahrer, der auch ohne das beste Auto die Fähigkeit hat, zu gewinnen. Die anderen gewinnen, wenn das Auto gut ist." An wen diese Nachricht adressiert war, ist klar, denn Vettel war der dominierende Pilot der vergangenen zwei Jahre - Hamilton holte hingegen seit 2008 keinen Titel mehr.

Marko wundert sich über Ferrari-McLaren-Freundschaft

Auch Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko fallen die Psychotricks des Spaniers gegen Vettel auf. "Wir werden massiv angegangen", klagt er gegenüber der 'FAZ'. Angesprochen auf Alonsos Hamilton-Schmeicheleien bestätigt er: "Das sind so Versuche." Der Österreicher glaubt, dass sich Ferrari und McLaren in den vergangenen Jahren durch die Red-Bull-Dominanz auf den neuen Rivalen aus Milton Keynes eingeschossen haben und gemeinsame Sache machen.

"Es ist schon interessant zu sehen, dass McLaren und Ferrari, die jahrzehntelang verfeindet waren, jetzt plötzlich Freunde sind", erkennt er einen Klimawandel im Formel-1-Fahrerlager. Das liegt seiner Meinung nach vor allem daran, dass die unter österreichischer Flagge startende Truppe inzwischen vom Party-Team zur Formel-1-Macht mutiert ist: "Uns ist bewusst, dass die Anfangseuphorie über unseren Einstieg 2005 inzwischen verflogen ist."

Der Background Red Bulls sorgt laut Marko ebenfalls für Reibung: "Die arrivierten Teams aus der Automobilbranche werden von einem Energiedrink-Hersteller vorgeführt. Das freut jetzt keinen mehr."

Vettel lässt sich nicht ablenken

Vettel selbst will sich von den Aussagen Alonsos nicht ablenken lassen. Meist kommentiert er sie mit einem Grinsen und stellt dann klar, dass man sich im Red-Bull-Lager nur auf sich selbst konzentriert. "Es wird unheimlich eng bis zum Ende. Wir müssen auf uns schauen, und was der Rest veranstaltet, haben wir leider nicht in unserer Hand", betont er gegenüber 'ServusTV'.

Natürlich ist dem 25-Jährigen bewusst, dass Alonso der Fahrer ist, "den es zu schlagen gilt", schließlich führt er mit einem Vorsprung von 29 Punkten die WM an. Dennoch sei nach wie vor alles möglich: "Ich glaube, man hat in allen Rennen bis jetzt gesehen, dass es schwer vorherzusehen ist, wer am Wochenende die Oberhand hat. Wenn es überhaupt jemanden gibt, dann macht McLaren einen sehr starken Eindruck, aber Ferrari ist auch immer da."

Horner sieht Druck bei Alonso

Red Bulls Teamchef Christian Horner stärkt währenddessen seinem Schützling im Psychokrieg den Rücken. Er sehe den Druck nun "eher bei Fernando, denn er muss weiter punkten", argumentierte er gegenüber Sky Sports F1' vor dem Singapur-Wochenende, dass sein Team nicht taktisch fahren muss und voll angreifen kann, was er als Vorteil sieht.

Zudem betonte er, dass es aufgrund der unberechenbaren Rennen dieses Jahr einfacher sei, mit einem guten Wochenende viele Punkte aufzuholen, weil Fehler aufgrund der enormen Leistungsdichte viel härter bestraft werden als in der Vergangenheit.

Doch die Rennen in Monza und Singapur sollten dem Briten eigentlich als Beweis dienen, dass man diese Theorie nur schwer auf Alonso anwenden kann, denn trotz eines verpatzten Qualifyings (Italien) und eines mäßig konkurrenzfähigen Autos im Rennen (Singapur) gelang es dem Spanier, zwei Mal auf das Podest zu fahren.

Fehlerloser Alonso nervt Red Bull

Nun gibt Horner zu, dass es "lästig ist, dass Fernando am Ende eines jeden Grand Prix auf dem Podest steht". Das müsse sich bei den kommenden Rennen ändern, fordert er gegenüber 'Autosport': "Wir müssen weiter pushen, aber wir müssen Fernando mehr Punkte wegnehmen - und das bedeutet, ein paar zusätzliche Autos zwischen uns und ihn zu bringen."

Ein bisschen Schützenhilfe von Teamkollegen Mark Webber, der in den vergangenen fünf Rennen nur 16 Punkte sammelte, würde da gut tun. Horner gibt aber nicht auf und verweist auf die Saison 2010, als Vettel die WM am Ende sensationell drehte. "Da war Seb zwei Rennen vor Schluss 25 Punkte hinten - das beweist, dass nach wie vor für alle Fahrer alles möglich ist." Dazu kommt, dass er Vettel "noch nie so fokussiert gesehen hat" wie am Rennsonntag in Singapur. "Er spielt jetzt seine Erfahrung aus", lobt er das heißeste Red-Bull-Eisen im WM-Endspurt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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