Der Reifen kommt schnell auf Temperatur, baut aber auch schnell ab

Formel 1 2012

— 02.10.2012

Extrembelastung Suzuka: Pirelli warnt vor Blistering

Die Strecke in Japan stellt die Italiener vor eine Aufgabe, die so schwierig ist wie kaum eine andere im Kalender - 800 Kilogramm wirken in der R130



Der Japan-Grand-Prix wird auf dem harten P Zero Silver und dem soften P Zero Yellow ausgetragen. In der vergangenen Saison waren der softe Slick und die Mediums am Start. Da die gesamte Reifenkollektion 2012 weicher ist, bieten die Pneus mehr Leistung - wie schon während der gesamten Saison. Das wirkte sich nicht immer auf die Rundenzeiten aus. Der Grund: Die technischen Vorschriften für 2012 haben die Autos langsamer gemacht und das Starterfeld enger zusammen rücken lassen.

Die Reifen selbst aber profitieren von einem breiteren Temperaturfenster, in dem sie Höchstleistung abliefern können. Suzuka ist eine der anspruchsvollsten Strecken des Jahres. Neben Barcelona ist es der Kurs, auf dem die meiste Energie durch die P Zero geleitet wird. Hauptursache sind die vielen langen und schnellen Kurven wie die 130R und die Spoon. Tatsächlich ist die 130R die schnellste Kurve der gesamten Rennsaison. Die Piloten passieren sie im siebten Gang mit 310 Kilometern pro Stunde.

Lauffläche erwärmt sich auf 110 Grad

Die Reifen müssen zeitgleich drei Kräfte ausgleichen: den Abtrieb, die Fliehkräfte und die Beschleunigung. Alleine die lateralen Kräfte wirken hier mit 3,1 G. Noch höhere Seitenkräfte wirken in Kurve sieben, der Dunlop Curve, auf die Slicks: 3,4 G. Durch die mechanischen und thermalen Einflüsse ist es nicht ungewöhnlich, dass sich die Lauffläche auf 110 Grad Celsius erhitzt. Das Wetter kann in Japan recht wechselhaft ausfallen.

Es wurde sogar schon einmal ein Qualifying wegen heftigen Regens auf den Sonntag verschoben. Daher hat Pirelli wie immer auch den Intermediate Cinturato Green und den Regenreifen Cinturato Blue im Gepäck. Paul Hembery sagt: "Suzuka ist definitiv eines der Highlights im Formel 1-Kalender. Nicht nur wegen der technischen Anforderungen, sondern auch wegen der einzigartigen Atmosphäre. Die Fans sind sehr fachkundig und begeistert", so der Pirelli-Sportchef.

Er freut sich auf das Gastspiel im Land der aufgehenden Sonne: "Wir werden immer mit sehr großer Gastfreundschaft empfangen. Suzuka ist ein klassisches Fahrer-Rennen, ein wenig wie Spa oder Monza", vergleicht der Brite. "Die Strecke bietet einige der beeindruckendsten Kurven des Jahres. Außerdem verzeiht sie kaum einen Fehler. Obwohl den Namen nach darauf geschlossen werden könnte, dass wir dieses Jahr härtere Mischungen liefern, sind sie tatsächlich weicher als 2011."

Neue Strategieoptionen für das Rennen?

Hembery betont die Qualität der Pirelli-Produkte: "Diese Slicks können trotz der hohen Anforderungen an Mischung und Struktur gut die Kräfte absorbieren, die Runde für Runde auf sie einwirken. Wir hoffen, dass mit diesen beiden Reifen eine Extra-Portion Spannung in dieses schon klassische Rennen bringen", blickt er voraus. "Die beiden Slicks sollten den Teams auch neue Optionen für ihre Strategien bieten. Wir haben dieses Jahr schon gesehen, dass die richtige Taktik die Basis für einen Sieg sein kann."

Die Unberechenbarkeit der Rennen in der laufenden Saison ist auch den Italienern nicht verborgen geblieben. "Und einigen Piloten gelang es so, sich von einem hinteren Startplatz auf eine Top-10-Platzierung zu katapultieren. 2011 fiel in Japan die Entscheidung in der Fahrerwertung. Aber in diesem Jahr liegen die Piloten so eng zusammen, dass wir weit von einer Titelvergabe entfernt sind. Und das ist eine großartige Nachricht für alle Fans", so Hembery weiter.

Kamui Kobayashi freut sich auf seinen Aufritt vor den Landsleuten: "Die Strecke in Suzuka ist sehr speziell - nicht nur, weil es mein Heimrennen ist. Ich bin sicher, viele Fahrer würden mir zustimmen, dass es ein großartiges Rennen ist", findet der Sauber-Pilot. "Der Kurs ist technisch anspruchsvoll. Und es ist spannend, hier zu fahren. Auch ist es sehr schwierig, eine perfekte Runde zu absolvieren. Die meisten Strecken kennt man nach 20 oder 30 Runden."

Schnell auf Temperatur, aber nicht lange schnell

"Aber in Suzuka lernt man auch nach hunderten von Runden immer noch dazu. Ich denke, unser Auto sollte hier sehr schnell sein. Der Asphalt bietet eine Menge Grip", gibt sich Kobyashi optimistisch. "Folglich sollte es leicht sein, die Reifen auf Betriebstemperatur zu bekommen. Die Herausforderung des Reifenmanagements ist es, über längere Distanzen die Höchstleistung abzurufen. Die schnellen Kurven leiten darüber hinaus einiges an Energie durch die Slicks."

Kobayashi kann es kaum noch abwarten, endlich auf die Strecke zu gehen: "Natürlich ist das Heimrennen etwas Besonderes für mich. Die japanischen Fans sind großartig. Die Stimmung und die Atmosphäre motivieren mich zusätzlich", blickt er voraus. "Und die Zuschauer feuern nicht nur mich an. Sie sind wahre Formel 1-Fans. Und daher bin ich wirklich stolz auf sie", so das Kompliment auf die Tribünen.

Lucas di Grassi kommentiert: "Es macht wirklich Spaß, in Suzuka zu fahren. Auf die Reifen warten einige schwierige Aufgabe: Im ersten Abschnitt reiht sich Kurve an Kurve. Hier arbeiten die Slicks ohne eine echte Chance, sich abzukühlen", erklärt der Pirelli-Testfahrer. "Oft wirken mehrere Kräfte gleichzeitig auf sie, zum Beispiel beim Beschleunigen aus einer Kurve. Daher fließt immer viel Energie durch die Reifen. Allerdings haben die Fahrer in Suzuka auch nie Probleme, die Pneus auf Betriebstemperatur zu bringen."

Rechter Vorderreifen im Fokus

Dennoch ist ihr Können gefragt, wie der Brasilianer weiß: "Zeitgleich müssen die Piloten während längerer Stints gut auf ihre Reifen achten, besonders bei vollen Tanks. Es ist gut, dass in Japan der harte P Zero im Einsatz ist. Ich habe ihn viel getestet. Er ist wirklich vielseitig, bietet viel Performance und Haltbarkeit: eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zu seinem Vorgänger. Der weiche Reifen sollte die perfekte Wahl für das Qualifying sein. Aber ich denke, beim Rennen wird der harte Slick die Hauptrolle spielen", prognostiziert di Grassi.

Die schnelle Abfolge an Kurven leitet viel Energie durch die Reifen. Aber durch das fließende Layout der Strecke sind die Ansprüche an die Traktion die geringsten des gesamten Jahres. Nur in der Haarnadelkurve (und in der letzten abschüssigen Schikane müssen die Gummis volle Traktion liefern. Die Anforderungen an die Bremsen sind ebenfalls vergleichsweise gering.

Der rechte Vorderreifen steht in Japan vor einer besonderen Herausforderung. In der 130R belastet ihn der Abtrieb mit umgerechnet 800 Kilogramm - und das bei Höchstgeschwindigkeit. Wenn das Setup des Autos nicht stimmt, können die Belastungen bei den Reifen zu Blistering führen. Dieses Phänomen wird durch Hitzebläschen verursacht, die insbesondere an der Reifenschulter entstehen. Wenn dann nicht die Belastungen reduziert werden, können Teile der Lauffläche herausbrechen.

Fotoquelle: xpbimages.com

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