Lewis Hamilton trägt ab der kommenden Saison nur noch Silber

Formel 1 2012

— 04.10.2012

Hamilton: "Eine meiner schwierigsten Entscheidungen"

Lewis Hamilton berichtet von seinen Gefühlen im Zuge des Wechsels zu Mercedes und sieht im Abschied von McLaren kein Risiko



Auf dem Papier ist Lewis Hamiltons Wechsel von McLaren zu Mercedes ein Abstieg und auch Martin Whitmarsh, Hamiltons Teamchef für noch sechs Rennen, bezeichnet den Absprung seines Piloten als "Fehler". Der Weltmeister von 2008 hingegen ist überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

"Es war ohne Zweifel eine der schwierigsten Entscheidungen in meinem bisherigen Leben", wird Hamilton von der Nachrichtenagentur 'Reuters' zitiert. "Da waren viele Emotionen im Spiel. Ich griff nicht einfach zum Telefon und informierte Martin, sondern nahm mir sehr viel Zeit. Ich wollte sicherstellen, dass ich die Unterstützung durch ihn über die all die Jahre zu schätzen weiß. Schließlich sagte ich zu ihm: 'Ich habe mich entschieden, diesen Weg zu gehen'", spricht Hamilton die Entscheidung an, die er am Mittwoch der vergangenen Woche und somit zwei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe traf.

Bis es soweit war, bewegte sich das Pendel laut Hamilton mehrere Male in beide Richtungen. "Einen Moment lang dachte ich über einen Abschied nach. Im nächsten Moment war mir eher zum Bleiben zumute. Als ich dann in Thailand war, war alles so friedlich. Ich saß am Pool und dachte ein paar Stunden lang nach", erzählt der 27-Jährige und stellt heraus: "Es war mir wichtig, diese Entscheidung nach meinen Vorstellungen zu treffen und nicht von anderen Menschen gedrängt zu werden."

Druck von außen bestand jedoch schon eine ganze Weile, wie der Brite inzwischen zugibt. "Martin kam seit China im vergangenen Jahr regelmäßig mit der Frage auf mich zu, wann ich unterschreiben würde", spricht er die im Raum gestandene Verlängerung seines McLaren-Kontrakts an und gesteht: "Es gab ein paar Fristen, die ich allesamt verstreichen ließ. Als die Entscheidung dann feststand, war das hart, aber ich war danach wesentlich entspannter."

Keine Lotterie

Als eine Lotterie will Hamilton den Wechsel vom achtfachen Konstrukteursweltmeister McLaren zu Mercedes, wo seit dem Comeback als Werksteam zu Beginn der Saison 2010 bis dato ein einziger Sieg zu Buche steht, nicht verstanden wissen. "Ich glaube nicht, dass es eine Lotterie ist. Unterm Strich hatte ich zwei Angebote auf dem Tisch, die sehr ähnlich waren."

"Eines davon war aber deutlich aufregender. Ich stand vor der Wahl, in einem großartigen Auto, das ich selbst mitentwickelt habe, zu bleiben oder aber in ein Auto zu wechseln, das noch nicht so weit ist und bei der Entwicklung zu helfen. Es ist eine Herausforderung", so Hamilton.

In diesem Zusammenhang betont der langjährige McLaren-Pilot, dass er beileibe nicht der erste Champion ist, der die Fronten wechselt. "Viele der großen Rennfahrer wie Prost und Senna fuhren für verschiedene Teams. Am selben Ort und im selben Team zu bleiben, ist einfach. Woanders hin zu gehen und eine neue Herausforderung anzunehmen ist manchmal aber noch viel aufregender."

Noch kein Gespräch mit Ron Dennis

Mit seinem "Ziehvater" Ron Dennis hat sich Hamilton eigener Aussage zufolge bisher noch nicht über seinen Abschied von McLaren unterhalten. "Er sprach mich in Singapur an. Das war's. Seitdem haben wir nicht miteinander gesprochen", sagt der 27-Jährige und stellt klar, dass Dennis inzwischen nicht mehr die alleinige Stimme ist, auf die er hört:

"Als ich Ron zum ersten Mal traf, war ich zehn Jahre alt. Im Alter von 13 Jahren nahm er mich unter Vertrag. Ich bin ihm unglaublich dankbar, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die vergangenen fünf Jahre McLaren und Mercedes waren. Ich gehöre schon eine Zeit lang zur Mercedes-Familie und nun werde ich komplett Teil dieser Familie."

Mercedes-Deal langfristig ausgelegt

Während sich Hamiltons zukünftiger Arbeitgeber Mercedes seit dem Formel-1-Comeback vor mehr als zweieinhalb Jahren schwertut und von den 52 Rennen seit der Übernahme des Brawn-Teams gerade mal ein einziges gewinnen konnte, glauben nicht wenige Beobachter an einen Aufschwung, wenn zur übernächsten Saison das neue technische Reglement greift. Im Zeitalter der neuen V6-Motoren will Mercedes von Beginn an ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Teamchef Ross Brawn traut Hamilton, der bei den "Silberpfeilen" einen Dreijahresvertrag bis einschließlich der Saison 2015 unterzeichnet hat, sogar zu, eine ähnliche Dominanz an den Tag zu legen wie sie einst Michael Schumacher bei Ferrari vorführte. Der zukünftige Mercedes-Pilot gibt sich da bedeckter. "Das ist natürlich der Plan, aber die Dinge laufen nicht immer nach Plan", sagt Hamilton und fügt hinzu: "Mir ist absolut bewusst, dass das aktuelle Auto nicht um die Weltmeisterschaft mitfahren kann. Wir werden alles daran setzen, dass es im kommenden Jahr besser läuft, aber es wird Zeit brauchen."

"Es ist nicht so, dass du einfach in ein neues Team kommst und sofort alles auf den Kopf stellst", ist sich Hamilton bewusst. So sieht der Weltmeister von 2008 den Fokus vielmehr auf langfristigem Erfolg. "Wenn es mir gelingt, dem Team beim Vorankommen zu helfen und ein paar Siege einzufahren, dann können wir irgendwann um die Weltmeisterschaft mitfahren. Wenn wir diese dann gewinnen, wäre das für uns alle ein unglaubliches Gefühl", so der Brite.

Fotoquelle: xpbimages.com

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