Mark Webber fuhr am Freitagmittag in Suzuka zur Bestzeit

Formel 1 2012

— 05.10.2012

Freitag in Suzuka: Spitze eng beisammen

Mark Webber erzielt in Suzuka Bestzeit vor Hamilton und Vettel - Nico Hülkenberg überrascht positiv, Michael Schumacher nach Fahrfehler mit Unfall



Auf der technisch anspruchsvollen Strecke in Suzuka scheinen an diesem Wochenende jene Teams den Ton anzugeben, die schon vor zwei Wochen in Singapur überzeugt haben. Red Bull und McLaren, wegen ihrer guten Aerodynamik als Favoriten gehandelt, waren heute Nachmittag im zweiten Freien Training zum Grand Prix von Japan am schnellsten. Die Tagesbestzeit sicherte sich Mark Webber in 1:32.493 Minuten. Damit war er um zwei Sekunden schneller als Jenson Button (McLaren) am Morgen, aber um eine halbe Sekunde langsamer als Buttons Freitagsbestzeit aus dem Vorjahr.

Die entscheidende Zeit fand Webber im ersten und zweiten Sektor, denn im dritten Abschnitt fuhren nicht weniger als 14 Piloten eine Zeit zwischen 17,9 und 18,1 Sekunden. Letztendlich hatte der Australier im Red Bull 0,214 Sekunden Vorsprung auf McLaren-Verfolger Lewis Hamilton und war um 0,343 Sekunden schneller als Teamkollege Sebastian Vettel. Letzterer soll die schnellste seiner 37 Runden jedoch auf den härteren Pirelli-Reifen absolviert haben - zumindest laut offiziellem TV-Insert.

Vettel: Steigerung nach schlechtem Beginn

"Alles in allem war es ein ganz guter Tag für uns", bilanziert Vettel, der am Vormittag noch den 17. Platz belegt hatte, das aber nicht überbewerten will: "Heute Früh sind wir vielleicht ein bisschen auf dem falschen Fuß aufgestanden. Es hat nicht ganz so hingehauen. Wir hatten viel Übersteuern im Auto und sind viel gerutscht, doch am Nachmittag haben wir es ein bisschen besser hingebogen. Dann sah es recht solide aus. Wir können ganz zufrieden sein."

Vettel klagte während der Longruns in der Schlussphase schon nach drei Runden über Vibrationen, obwohl gerade die härteren Reifen mehrere schnelle Runden am Stück zuließen und selbst die zweite Runde mit der weicheren Soft-Mischung im Durchschnitt nur um knapp 0,2 Sekunden langsamer war als die erste. Deutlich schneller wurde im Verlauf der Session jedoch die Strecke, weil sich immer mehr Gummiabrieb ansammelte. Das wirkte sich auch auf das Klassement aus.

Denn Fernando Alonso (5./Ferrari/+0,600), Romain Grosjean (6./Lotus/+0,614) und Jenson Button (7./McLaren/+0,856) fuhren ihre Zeiten etwas früher als die absolute Spitze, sollten daher unter normalen Umständen ebenfalls voll konkurrenzfähig sein. Mittendrin in der Weltspitze aber ein bunter Farbtupfer, den niemand auf dem Zettel hatte: Nico Hülkenberg, schon am Vormittag guter Neunter, steigerte sich mit dem Force India auf Platz vier. Rückstand: 0,494 Sekunden.

Unfälle von di Resta und Schumacher

Nicht in die Wertung des zweiten Freien Trainings, in dem alle Fahrer ihre Zeit vom Vormittag verbessern konnten, kam Hülkenbergs Teamkollege Paul di Resta: Der Brite holte eingangs Spoon-Kurve etwas zu weit aus, kam mit den rechten Reifen aufs Gras und verlor beim Bremsen die Kontrolle. Der Force India schlug zwar nur leicht in die Streckenbegrenzung ein, doch das reichte, um Frontflügel und Vorderradaufhängung zu beschädigen.

Doch dass so ein vermeintlich unnötiger Fehler selbst alten Haudegen passieren kann, stellte Michael Schumacher unter Beweis, als er eine Viertelstunde vor Schluss ein Abziehbild des Unfalls von di Resta produzierte. "Er war heute Morgen schon ein paar Mal neben der Strecke, er lässt es fliegen. Ich denke wirklich, dass er jetzt freien Herzens fährt", analysiert Experte Marc Surer. "Aber das war natürlich ein Fehler, den er nicht beabsichtigt hatte."

"Das war keine Gewalt, sondern er kam einfach ein bisschen zu weit raus - schon während der Volltank-Tests", fährt Surer fort. "Aber an der Stelle sind vor ihm schon zwei abgeflogen: di Resta und Kovalainen. Die Stelle ist ein bisschen kritisch - da müsste man vielleicht eine Schubkarre voll Zement hingießen. Wenn das den besten Fahrern der Formel 1 passiert, sollte man vielleicht an der Strecke eine kleine Änderung vornehmen."

Verspäteter Start der Silberpfeile

Beide Silberpfeile standen zu Beginn übrigens lange an der Box: Schumacher wegen eines Setup-Umbaus, Nico Rosberg wegen eines Motorwechsels. Rosberg war im ersten Training ausgerollt, weil ein Öldruck-Warnsignal den Motor abgestellt hatte. Am Nachmittag fuhr der Deutsche zunächst nur mit den härteren Reifen raus. Insgesamt kam er dann doch noch auf 19 Runden, aber er blieb um gut eine Zehntelsekunde hinter Schumacher zurück.

Einen wesentlich besseren Speed präsentierte Lotus, auch im Renntrimm am Ende der Session. Kimi Räikkönen konnte diesen jedoch wegen eines KERS-Problems nicht nutzen: "Warum funktioniert mein KERS nicht?", fragte er am Funk. Als Antwort hörte er: "Wir wissen es nicht. Komm zur Box! Wir müssen das Auto als unsicher behandeln." Also sprang der "Iceman" mit beiden Füßen gleichzeitig aus dem Cockpit, während sich seine Mechaniker mit Gummihandschuhen an die Reparatur machten.

Zehn Minuten vor Ende der Session konnte Räikkönen doch noch einmal auf die Strecke gehen, gleich auf seiner ersten Runde unterlief ihm aber ein Flüchtigkeitsfehler. Und weil die Longruns für den Rest des Wochenendes aufgrund der Kürze der Zeit wichtiger waren als eine schnelle Rundenzeit für die Galerie, landete er unterm Strich nur auf dem 14. Platz, 1,798 Sekunden hinter der Spitze - was sicher nicht repräsentativ ist.

Kobayashi: Glück bei Kiesbett-Ritt

Die beiden Brasilianer Bruno Senna (Williams) und Felipe Massa (Ferrari) komplettierten gemeinsam mit Schumacher die Top 10; das Sauber-Duo Sergio Perez und Kamui Kobayashi folgte mit knapp eineinhalb Sekunden Rückstand auf P12/13. Kobayashi sorgte nach 20 Minuten für Herzklopfen in der Sauber-Box, als er bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke abkam. Doch der Japaner konnte nach seinem wilden Kiesbett-Ritt weiterfahren und trug keine nennenswerten Schäden davon.

In den hinteren Regionen des Feldes normalisierte sich das Kräfteverhältnis zwischen Caterham und Marussia wieder - und das, obwohl Caterham eine schwierige Session erlebte: Heikki Kovalainen (18./+3,218) war gleich dreimal neben der Strecke, einmal genau wie di Resta und Schumacher im Spoon-Löffel, und Witali Petrow (19./+3,377) verlor nach Ablauf der 90 Minuten noch den Heckflügel. Immerhin konnte der Russe einen schweren Unfall vermeiden.

Für den Rest des Wochenendes scheinen vier Teams die Spitzenpositionen unter sich auszumachen. Hinter dieser breiten Front kämpfen Mercedes, Sauber und Williams um den Top-10-Einzug - und dahinter tummeln sich die üblichen Verdächtigen. Größte Hoffnung aus deutscher Sicht ist Vettel, aber ein heißer Geheimtipp sind nach dem heutigen Tag Hülkenberg und Force India. Jetzt schon so gut wie fix: Das Wetter wird sonnig bleiben.

Fotoquelle: xpbimages.com

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