Mercedes-Sportchef Norbert Haug und Superstar Michael Schumacher

Formel 1 2012

— 05.10.2012

Schumacher-Bekanntgabe sogar für Team überraschend

Erst fünf Minuten vor der Pressekonferenz informierte Michael Schumacher sein Team vom Rücktritt - Experte Marc Surer sieht ihn nicht als Bürohengst



Tagelang war spekuliert worden, wie es mit Michael Schumacher weitergehen könnte - Sauber, Lotus und sogar Williams brachten die Medien als mögliche Alternativen ins Spiel. Aber am Donnerstagnachmittag beendete der siebenmalige Weltmeister in Suzuka alle Spekulationen, als er im Rahmen der Donnerstags-Talkshow in der Mercedes-Hospitality seinen endgültigen Rücktritt erklärte. Das kam für die meisten Journalisten überraschend.

Und nicht nur für die schreibende Zunft, sondern auch für alle anderen: Nachdem Mercedes am Freitag bekannt gegeben hatte, 2013 mit Rosberg/Hamilton an den Start zu gehen, fällte Schumacher am Dienstag die Entscheidung, seine Karriere zu beenden. Der 43-Jährige vertraute sich zunächst nur seiner Managerin Sabine Kehm (und vermutlich auch seiner Ehefrau Corinna) an, ließ aber bis fünf Minuten vor der Rücktritts-Pressekonferenz sogar seinen Arbeitgeber Mercedes im Dunkeln tappen.

"Michael hat es uns erst wenige Minuten vorher gesagt, bei uns hinten im Büro", bestätigt Sportchef Norbert Haug dem 'ORF'. Und gegenüber 'auto motor und sport' verrät er weitere Details: "Eigentlich war die Pressekonferenz anders geplant. Michael, Ross (Brawn, Teamchef; Anm. d. Red.) und ich wollten in Kombination auf die Fragen antworten, die sich nach dem Transfer von Lewis Hamilton ergaben." Stattdessen verlas Schumacher, flankiert von seinen Chefs, eine vorformulierte Erklärung.

Sauber-Mercedes offenbar keine Option

Hätte der siebenmalige Weltmeister das Angebot des Sauber-Teams angenommen, wäre man ihm bei Mercedes nicht böse gewesen: "Ich habe mit allem gerechnet", sagt Haug. "Was wäre daran falsch gewesen, bei einem anderen Team noch eine Saison dranzuhängen? Wir hätten es verstanden, wussten aber auch, dass es für ihn keine leichte Entscheidung gewesen wäre, weiterzumachen. Er war sich ja auch uns gegenüber nicht schlüssig."

Hinter vorgehaltener Hand wurde sogar gemunkelt, Mercedes könnte einen Zweijahresvertrag bei Sauber in irgendeiner Form unterstützen - etwa durch subventionierte Motoren -, um Schumacher nach der unglücklich vollzogenen Trennung zu versöhnen. Denn als Markenbotschafter ist das Aushängeschild trotz seines nicht von Erfolg gekrönten Comebacks für jeden Automobilhersteller Gold wert. Doch Stuttgart dementiert solche Gedankenspiele vehement.

Haug: Dank an Schumacher

Schumacher in irgendeiner Form in den Konzern zu integrieren, sei "eine Möglichkeit, die wir diskutieren", sagt Haug im 'ORF' und ergänzt: "Ist noch nicht diskutiert. Dazu nehmen wir uns alle Zeit." Ferner bewertet er das Comeback als "durchaus positiv, auch wenn es Michael in seiner zweiten Karriere leider zu oft getroffen hat. Davor ist er von Erfolg zu Erfolg gefahren. Und er hat sehr viele Kenntnisse und einen sehr hohen Standard in unser Team eingebracht."

"Wir sind im Aufbau", gibt der Mercedes-Sportchef zu Protokoll. "Michael ist in diesem Jahr die Qualifikations-Bestzeit in Monaco gefahren. Das kann man nur, wenn man absolut konkurrenzfähig und fit ist. Er lag auf Platz zwei in China, als Nico gewann. Michael war da sicherlich mit Siegesmöglichkeiten unterwegs, aber der Boxenstopp hat es verhindert, weil eine Radmutter nicht richtig befestigt war. Leider kommen solche Dinge vor."

Marc Surer sieht Schumacher jedenfalls nicht in der Rolle eines Funktionärs: "Er soll sein Leben genießen, denn er hat genug Geld, er hat genug erreicht. Warum soll er sich jetzt die Mühe machen und im Büro sitzen? Ich an seiner Stelle würde es jedenfalls nicht tun", so der Formel-1-Experte. "Das Benzin hat er im Blut und irgendwas wird er im Motorsport wieder machen. Sein Sohn fährt Kart. Vielleicht muss er ja irgendwann Manager werden oder ein Team für ihn machen."

Fotoquelle: xpb.cc

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