Sebastian Vettel: Vier Qualifikationen in Suzuka, vier Pole-Positionen

Formel 1 2012

— 06.10.2012

Red Bull in Reihe eins: Vettel in Suzuka vor Webber

Sebastian Vettel steht beim Grand Prix von Japan auf Pole-Position - Lokalmatador Kamui Kobayashi auf Platz drei - Schlappe für das McLaren-Team



Jenson Buttons Funkspruch brachte es auf den Punkt: "Ich finde keine Zeit mehr, Jungs. Die Red Bulls waren einfach zu schnell", seufzte der McLaren-Pilot am Ende des heutigen Qualifyings in Suzuka. Denn wie schon im dritten Freien Training war Sebastian Vettel auf der 5,807 Kilometer langen Strecke am schnellsten - und sicherte sich bereits zum vierten Mal in Folge die Pole-Position für den Grand Prix von Japan!

Vettel markierte schon im ersten Q3-Run 1:30.839 Minuten - vor allem dank eines überragenden Mittelsektors (40,5 Sekunden), in dem er seinem Teamkollegen Mark Webber 0,3 Sekunden abnahm. Beide Red-Bull-Piloten konnten sich im zweiten Versuch wegen gelber Flaggen nicht mehr steigern, weil sich Kimi Räikkönen (Lotus) in der Spoon-Kurve gedreht hatte ("Mir ist egal, was mit den anderen ist"), doch ihre Überlegenheit war so groß, dass auch die erste schnelle Runde reichte, um ganz vorne zu stehen.

"Es war ein perfektes Qualifying", strahlt der Weltmeister. "Eigentlich hätten wir nur dreimal rausfahren müssen. Beim letzten Run am Ende wollten wir nur noch einmal sehen, ob eine Steigerung möglich ist. Da die Strecke um einiges schneller wurde, wollten wir den Zug nicht verpassen, also sind wir rausgefahren. Wegen der gelben Flagge war es mir aber nicht möglich, mich zu steigern. Trotzdem bin ich heute sehr glücklich."

Kobayashi auf den Spuren von Aguri Suzuki?

Auf dem dritten Startplatz steht morgen nicht Button, der in 1:31.290 Minuten die drittbeste Zeit erzielt hatte, sondern - sehr zur Freude der heimischen Fans - Kamui Kobayashi. Der Sauber-Pilot könnte der erste Japaner seit Aguri Suzuki im Jahr 1990 werden, dem beim Heim-Grand-Prix ein Podestplatz gelingt - und das beim 50-jährigen Suzuka-Jubiläum! Kobayashi fuhr die viertbeste Qualifying-Zeit, auf Vettel fehlte ihm aber fast eine Sekunde.

Neben dem Lokalmatador in Reihe zwei: Romain Grosjean (+1,059), heute um drei Zehntelsekunden schneller als Teamkollege Räikkönen auf Rang acht. Allerdings gewinnt der "Iceman", der schon am Vormittag mit der Balance seines E20 unzufrieden war, eine Position wegen Buttons vorher bekannter Getriebewechsel-Strafe. Mitfavorit McLaren geht damit nur von den enttäuschenden Plätzen acht (Button) und neun (Lewis Hamilton) ins Rennen.

WM-Anwärter Hamilton ärgert sich aber "nicht wirklich" darüber, dass er am Ende ein Opfer der gelben Flaggen wurde, denn: "Ich war sowieso weit weg vom Schuss." Der designierte Mercedes-Pilot hatte in den Freien Trainings mit dem Setup eine falsche Richtung eingeschlagen. Button kann hingegen nicht klagen: "Sag niemals nie, es gibt immer Möglichkeiten! Unser Auto ist hier sicherlich ziemlich gut im Rennen."

Massa lässt große Chance aus

Die dritte Startreihe bilden in Suzuka - trotz Kiesbett-Ausritt in Q1 - Sergio Perez (Sauber/+1,183) und Fernando Alonso (Ferrari/+1,275). Letzterer wirkte den ganzen Tag langsamer als sein Teamkollege Felipe Massa, aber: "Wenn's drauf ankommt, ist Alonso der, der das Auto reinstellt, und Massa fliegt raus", kommentiert Experte Marc Surer das Aus von Massa in Q2 - wenn auch nur um 24 Tausendstelsekunden gegen Nico Hülkenberg (Force India).

"Fernando hätte locker Vierter werden können, wenn man bedenkt, wie schnell er in der letzten Runde war", ärgert sich das Ferrari-Team. Die Hoffnung, dass Kobayashi wegen seiner Zeitenverbesserung unter Gelb noch zurückgereiht wird, scheint aber zu platzen: "Kamui hatte auf seiner letzten Runde gelbe Flaggen, wird aber als Dritter starten", twittert das Sauber-Team. Denn: Im entscheidenden zweiten Sektor fuhr Kobayashi keine persönliche Bestzeit.

"Ich denke, es war okay", glaubt auch der Viertplatzierte selbst. "Platz drei ist eine tolle Ausgangslage. Wir waren ziemlich schnell, doch im Rennen wird es vielleicht anders aussehen. Das Qualifying ist eine spezielle Nummer. Ich hatte zuletzt nicht die besten Starts, doch dieses Mal wird hoffentlich alles gut laufen. Für meine Fans ist wichtig, dass ich in Suzuka ein gutes Ergebnis erziele. Ich hoffe, am Sonntag läuft es ähnlich gut. Das ist mein Ziel."

Grid-Strafen für Hülkenberg und Schumacher

Schade für Hülkenberg, dass seine starke Leistung - immerhin schlug er Teamkollege Paul di Resta (12.) trotz des Unfalls am Vormittag - unbelohnt bleibt. Beim Deutschen musste über Mittag das Getriebe gewechselt werden, sodass er vom zehnten auf den 14. Platz zurückfällt. Davon profitieren Massa, di Resta, Pastor Maldonado (Williams) und Nico Rosberg (Mercedes), nicht aber Michael Schumacher, denn der rückt selbst von P13 auf P23 nach hinten.

Der scheidende Mercedes-Superstar auf Abschiedstournee zitterte sich als 16. in letzter Sekunde irgendwie durch Q1, nachdem er seine erste Runde mit einem Fahrfehler weggeschmissen hatte, und stand zu Beginn von Q2 lange an der Box. Angesichts der Plus-Zehn-Strafe wäre es wohl sinnvoll gewesen, Reifen für das Rennen zu sparen, aber Schumacher erkämpfte sich Platz 13 - was bedeutet: Der Q2-Reifensatz wurde dafür geopfert, vor Narain Karthikeyan (24./HRT) zu stehen.

"Das Auto war heute nicht schnell genug", seufzt der 43-Jährige. "Insgeheim hatte ich schon mit den Top 10 gerechnet. Dass es uns jetzt auf 13 und 15 verschlägt - mich natürlich noch weiter zurück -, das ist schade. Q3 hätte ich vielleicht gerade noch so und mit Müh und Not erreichen können. Leider hatte ich mit Hamilton in Kurve elf etwas Verkehr, wo ich nicht einschätzen konnte, was er machen wird. Laut unseren Daten habe ich dort zwei Zehntel verloren."

Senna stinksauer auf Vergne

Der große Pechvogel in Q1 war Bruno Senna (Williams), der auf seiner schnellsten Runde in der Schikane von Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) aufgehalten wurde. "Er hatte die Möglichkeit, mich ganz einfach vorbeizulassen, doch es war wie im dritten Freien Training: Er zerstörte meine Runde", ärgert sich Senna. Der Brasilianer wurde letztendlich 18., Vergne kam eine Runde weiter - musste aber in Q2 als 17. und Letzter die Segel streichen.

Eine starke Leistung lieferte Timo Glock (20.) ab, der zwar gegen Heikki Kovalainen (19./Caterham) keine Chance hatte, aber seinen Teamkollegen und den zweiten Caterham hinter sich lassen konnte. "Ich habe zum Schluss eine sehr, sehr gute Runde hingebracht", freut sich der deutsche Marussia-Pilot. "Wir hatten am Samstagmorgen wieder - wie in Singapur - ein Problem. Heute hatten wir ein Motorenproblem, bereits zum zweiten Mal." Scheint ein gutes Omen zu sein...

Topfavorit auf den Sieg morgen ist nun natürlich Vettel, denn Niki Lauda kann sich nicht vorstellen, dass ihm Webber in der ersten Runde das Leben schwer machen wird: "Die werden sich nicht wehtun", glaubt der Experte. Einen Grund zur Freude hat Vettel ohnehin schon: Durch seine 34. Pole-Position hat er sich in der ewigen Bestenliste hinter Schumacher (68) und Ayrton Senna (65) auf den dritten Platz geschoben - vor dem großen Jim Clark!

Fotoquelle: xpbimages.com

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