Viel Neues für Lotus: Grosjean kennt die Strecke nicht, das den Team Auspuff

Formel 1 2012

— 09.10.2012

Lotus: Naturtalent Raikkönen, Wunderwaffe Coanda

Nach einem enttäuschenden Abstecher nach Suzuka wollen die Schwarz-Goldenen in Yeongam die Formkurve umbiegen und mit einem Auspuff zu alter Stärke finden



Kimi Räikkönen und Romain Grosjean betreten in Yeongam Neuland. Die Strecke in Südkorea bedeutet für die beiden Lotus-Piloten unbekanntes Terrain, dem "zaghaften Optimismus" ihres Teamchefs tut das keinen Abbruch - dafür verantwortlich ist auch das Coanda-System, das Lotus als letztes der Spitzenteam einführen will. "Die Upgrades sind ein großer Schritt. Sie bedeuten eine neue Ära für uns und wir erwarten, dass sie funktionieren", wählt Eric Boullier große Worte, wenn es um den Auspuff geht.

Auf ein Wunder will sich der Franzose aber nicht verlassen: "Jedes Mal, wenn wir neue Teile an die Strecke bringen, hoffen wir, dass sie funktionieren wie geplant. Aber natürlich ist es immer schwierig, das richtige Setup für das Auto zu finden, wenn man unbekannte Dinge testet", erklärt er. "Was mit unserem Doppel-DRS geschehen ist, zeigt, dass man sich mit einem Update nie sicher sein kann, bis man es auf der Strecke ausprobiert hat", erinnert Boullier an das auf Eis gelegte System.

Setup nach individuellen Vorlieben

Die komplexe Lösung, die auch noch im Jahr 2013 regelkonform sein wird, kommt erst beim Young-Driver-Test in Abu Dhabi wieder zum Einsatz. Solange arbeitet Grosjean an anderen Details der Abstimmung, die durchaus extrem sein kann. "Die Strecke hat janusköpfigen Charakter - mit ihren drei langen Geraden und einigen engen, kurvigen Abschnitten. Ein Kompromiss ist da nicht immer die beste Lösung", glaubt der 26-Jährige. "Jeder im Starterfeld hat seine eigenen Vorlieben."

Grosjean erläutert, worauf es ankommt: "Zum Beispiel mögen einige ein sehr leichtes Auto bei hohen Geschwindigkeiten. Es gilt also, die beste Lösung für den persönlichen Geschmack zu finden." Hinzu kommen die Eigenheiten des eigenen Autos: "Es gibt Kurven, in denen wir gut zurechtkommen werden und es gibt Kurven, in denen wir uns schwertun werden. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen. Hoffentlich können wir uns in den abschließenden Rennen verbessern."

Simulator? Nichts für Rennfahrer Räikkönen

Dass er Yeongam nicht kennt, macht Räikkönen nicht nervös. Im Gegenteil: Der Finne ist sich sicher, ein Trumpf ausspielen zu können: "Ich war noch nie in Südkorea, aber das macht für mich keinen Unterschied. Schon als ich jung war, war ich dazu in der Lage, Strecken sehr schnell zu lernen - daran hat sich nichts geändert", gibt sich der "Iceman" gewohnt cool und kennt ein ganz spezielles Mittel, um die Piste in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. "Ich fahre den Kurs einfach."

"Ich weiß, dass einige Fahrer sehr hart im Simulator schuften, um sich neue Strecken einzuprägen, aber das ist nichts für mich. Ich habe nie Playstation gespielt oder zu viel Zeit im Simulator verbracht", berichtet Räikkönen und verweist auf die üppige Vorbereitungszeit: "Es scheint meinen Leistungen in der Vergangenheit keinen Abbruch getan zu haben. Am Freitag gibt es drei Stunden Freies Training, eine weitere am Samstag - alle Fahrer werden den Kurs also ziemlich gut kennen."

Kein Flair in Südkoreas Hinterland

Neben der Bekanntschaft mit dem Asphalt freut sich der Südkorea-Neuling auch darauf, Tourist zu sein. "Es ist immer interessant, in einem neuen Land zu fahren und ich genieße es, verschiedene Orte kennenzulernen. Das gibt mir ein gutes Gefühl", meint der Finne, der nach vielen Jahren im Formel-1-Zirkus nicht mehr oft in ihm fremde Länder kommt. "Es ist aufregend, zum ersten Mal dorthin zu reisen und die Arbeit damit zu beginnen, um den Kurs zu laufen und die Kurven zu überprüfen."

Teamkollege Grosjean war zwar noch nicht in Yeongam aktiv, aber schon auf Sightseeing-Tour in Südkorea: "Seoul war wirklich schön, als ich es im vergangenen Jahr besucht habe. Es ist eine faszinierende Kombination aus asiatischer Kultur und europäischem Flair", berichtet der amtierende GP2-Champion von einem Kontrast zum Grand-Prix-Kurs. "Die Anlage ist ziemlich abgelegen und in einem ganz anderen Teil von Korea. Es ist ein anderer Grand Prix, als wir es gewohnt sind."

Regen würde Lotus gar nicht passen

"Die Strecke sieht so aus, als böte sie eine Herausforderung und es ist großartig, vor neuen Formel-1-Fans zu fahren", prognostiziert der bei einigen Fahrerkollegen in Ungnade gefallene Grosjean. "Mir gefällt es, zu reisen und neue Fans zu sehen. Wir haben gerade Japan verlassen, wo die Zuschauer sehr enthusiastisch sind. Sie haben mir sogar eine Flagge geschenkt, die eine Menge Menschen unterschrieben hatten. In Südkorea ist die Formel 1 noch neu. Den Sport wachsen zu sehen ist faszinierend."

Räikkönen ist gespannt, wie sich TV-Bilder in Wirklichkeit verwandeln werden: "Ich habe den Südkorea-Grand-Prix im Fernsehen verfolgt, aber wir müssen die ersten Runden im Freien Training am Freitag abwarten, um die Kniffe der Bahn herauszubekommen. Hoffentlich haben wir normales Wetter und verpassen keine Fahrtzeit wegen Regens oder technischer Probleme", hofft er. "Ich gehe Yeongam an wie jedes andere Rennen auch - mit der Intention, mein Bestes zu geben."

Enttäuscht aus Suzuka abgereist

Das galt natürlich auch für Suzuka, das gewünschte Ergebnis blieb aus. "Der sechste Platz war nicht das Resultat, das ich mir erhofft hatte. Wir haben bei den ganzen Zwischenfällen in der ersten Runde Zeit verloren und hatten ein Problem beim zweiten Boxenstopp", erinnert sich Räikkönen. "Es war also insgesamt ein schwieriges Rennen. Unglücklicherweise hatten wir auch nicht das nötige Tempo. Vielleicht hätte ich vor Lewis Hamilton bleiben können, aber es gab keine Chance auf Ergebnis besser als Rang fünf."

"In der ersten Kurve ging es eng zu. Ich hatte einen vernünftigen Start und befand mich links von Fernando Alonso. Er ist herübergezogen, bis es für mich keinen Platz mehr gab, da habe ich seinen Reifen mit meinem Frontflügel berührt", blickt der 32-Jährige zurück und beteuert, in dieser Situation eigentlich gar keine Handlungsoptionen gehabt zu haben. "Wir hatten einen Schaden, er aber einen Plattfuß - es war kein großartiger Start, aber ich hätte nicht viel anders machen können."

Er zieht das Positive aus einem eher mäßigen Rennen: "Die gute Nachricht ist, dass wir es geschafft haben, Punkte einzufahren und in der WM-Gesamtwertung dranzubleiben. Sicher gibt es einige Arbeit zu erledigen, wenn wir die Leute an der Spitze noch abfangen wollen, aber es stehen auch noch fünf Rennen aus und alles kann passieren." Die rosarote Brille will Boullier nicht aufsetzen: "Natürlich ist es nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten."

Boullier will noch an Ferrari vorbeiziehen

Schönreden ist für den Teamchef ein echter Fauxpas: "Ich könnte betonen, dass wir unseren Vorsprung auf Mercedes in der Konstrukteurs-WM ausgebaut hätten, dass Kimi noch immer Dritter in der Gesamtwertung wäre und dass unser Tempo im Qualifying sehr gut gewesen sei - aber letztendlich haben wir nur acht Punkte erzielt" hadert Boullier und bezeichnet das Resultat als "nicht ideal", nachdem es im dritten Freien Training noch nach "deutlich mehr" ausgesehen hätte.

Er trauert einer verpassten Chance hinterher: "Es wäre möglich gewesen, unseren Rückstand zu Ferrari zu verkürzen, so ist er angewachsen. "Die Leistung des Autos war nicht so gut, wie wir es uns erwartet hatten. Es wurde mit fortschreitender Renndauer sogar noch schlimmer. Als Siebter der Startaufstellung hatten wir uns mehr ausgerechnet, aber wenn dir das Tempo völlig abgeht, ist es schwierig", zieht Boullier rückblickend eine bittere Bilanz.

Fotoquelle: xpbimages.com

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