Mark Webber schnappte Sebastian Vettel die Pole-Position weg

Formel 1 2012

— 13.10.2012

"Falscher" Red Bull auf Pole: Webber schlägt Vettel

Im letzten Moment entriss Mark Webber seinem Teamkollegen noch die Pole-Position in Südkorea - Hamilton, Alonso und Räikkönen die ersten Verfolger von Red Bull



Nicht Topfavorit Sebastian Vettel, der das Abschlusstraining dominiert hatte, sondern dessen Teamkollege Mark Webber, der aufgrund eines Motorenproblems nicht mit den besten Voraussetzungen ins Qualifying in Yeongam gegangen war, sicherte sich heute überraschend die Pole-Position für den Grand Prix von Südkorea. Somit steht im Hinblick auf die Fahrer-WM eigentlich der "falsche" Red Bull auf dem ersten Startplatz.

Vettel war mit nur sieben Runden durch Q1 und Q2 gekommen, während alle anderen zehn oder mehr Runden benötigten, um auf trockener Strecke das Top-10-Finale zu erreichen. Der Vorjahressieger legte dann auch eine starke Bestzeit von 1:37.316 Minuten vor und hatte vier Zehntelsekunden Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Fernando Alonso und Teamkollege Webber. Doch während seine direkten Gegner im finalen Run deutlich zulegten, meisterte er den zweiten Versuch nur in 1:37.348 Minuten.

"Du bist P2", funkte ihm Renningenieur Guillaume Roquelin ins Cockpit. "Deine Runde war nicht gut genug. Mark ist P1." Antwort Vettel, mit gereizter Stimme: "Warum habt ihr mich nicht vor Massa gewarnt?" Und Rocquelin entgegnete: "Was hätte ich sagen sollen?" Aber Vettel scheint einzusehen, dass der Zwischenfall mit dem Ferrari-Piloten nicht der einzige Grund für die versäumte Pole-Position war: "In Q1 und in Q2 waren wir ziemlich schnell, zunächst auch in Q3. Mit dem letzten Abschnitt bin ich nicht ganz zufrieden, doch es ist trotzdem ein super Ergebnis."

Vettel sucht nicht nach Ausreden

"Ich möchte es nicht auf Felipe schieben", revidiert Vettel seinen ursprünglichen Ärger. "Ich dachte, er würde an die Box fahren. Im letzten Sektor war er dann aber direkt vor mir. Ich musste vom Gas gehen. Das ist natürlich nicht ideal, wenn du gerade deine schnelle Runde angehen willst. Nichtsdestotrotz war meine zweite Runde nicht gut genug. Ich habe wohl etwas im Mittelsektor verloren. Der schien stets okay zu sein. Die Strecke verbesserte sich aber am Ende, was ich nicht nutzen konnte."

Webber tastete sich langsam ans Qualifying heran, war in Q1 Zweiter und in Q2 Vierter - und machte im entscheidenden Moment alles richtig. Die Freude über die erste "echte" Pole-Position der Saison ist groß: "Eigentlich war Monaco meine erste Pole-Position, aber das ist die erste, die ich mir auf der Strecke erkämpft habe", lächelt er. "Mit Fernando war es in Silverstone auch ziemlich eng. Die meisten Qualifyings waren in diesem Jahr sehr, sehr eng. Ich freue mich darüber, dass es heute gepasst hat."

"Es war eine ordentliche Runde. Wir fuhren sie, als es drauf ankam. Nur darum geht es im Qualifying", sagt Webber. "Es war in letzter Zeit nicht einfach für mich, doch ich freue mich, von der Pole-Position ins Rennen zu gehen. Der wichtigste Tag kommt erst noch, wir sind aber in einer guten Ausgangsposition, um ein starkes Ergebnis einzufahren. Nach Suzuka hatten wir das Gefühl, unser Auto verbessert zu haben, wirklich absetzen kannst du dich deshalb aber nicht. Wir machen maximal Druck - müssen wir auch, denn der Abstand zu Lewis ist nicht groß."

Wie am Freitag: Hamilton hinter Red Bull

0,227 Sekunden - also knapper als nach den Freien Trainings erwartet - hinter der Red-Bull-Spitze sicherte sich Lewis Hamilton nämlich den dritten Platz. Der McLaren-Pilot war nach dem ersten Q3-Run noch Fünfter, fand im Finish aber mehr als eine halbe Sekunde und schob sich noch an den beiden Ferraris vorbei. "Ich bin froh, eine freie Runde erwischt zu haben und so weit vorne wie realistisch betrachtet möglich zu stehen", sagt Hamilton und blickt auf morgen: "Unser Renntempo ist gut, das hat Jenson bewiesen."

Vierter wurde Fernando Alonso (Ferrari), mit weniger als drei Zehntelsekunden Rückstand, knapp vor Kimi Räikkönen (Lotus/+0,383). Alonso hatte sich als 16. durch Q1 gezittert, verwendete da aber trotzdem schon einen frischen Satz Supersoft-Reifen - auch wenn er die Runde abbrechen konnte, als er sah, dass es ohnehin reichen würde. Ähnliches Glück hatte übrigens Hamilton, der in Q1 17. wurde und davon profitierte, dass sich Bruno Senna (18./Williams) nicht mehr steigerte - nur drei Zehntelsekunden langsamer und Hamilton wäre in Q1 weg gewesen.

Räikkönen vor Grosjean: Vorteil Coanda?

Felipe Massa (Ferrari/+0,642) verlor zwar im 16. Qualifying der Saison zum 15. Mal sein Stallduell gegen Alonso, demonstrierte aber als Sechster, dass seine Formkurve weiterhin ansteigt. Siebter wurde Romain Grosjean (+0,692) im zweiten Lotus, der übrigens im Gegensatz zu jenem von Räikkönen nicht mit dem neuen Coanda-Auspuff ausgestattet ist. "Das kann schon einen kleinen Unterschied machen", meint Experte Marc Surer - auch wenn Räikkönen gestern lamentiert hatte, die Updates würden fast nichts bringen.

Um Platz acht kam es zu einem deutsch-deutsch-deutschen Kampf zwischen Nico Hülkenberg (Force India) und den beiden Mercedes-Silberpfeilen. Zunächst gingen alle drei nur für eine nicht gezeitete Runde raus, als Hülkenberg dann aber noch einmal attackierte, ließen sich auch Nico Rosberg und Michael Schumacher nicht lumpen. Hülkenberg setzte sich am Ende durch - 0,095 Sekunden vor Rosberg, der seinerseits das Mercedes-Stallduell knapp um 0,152 für sich entscheiden konnte.

"Wenn du den Teamkollegen so einteilst, muss man loben, denn dann war es einfach fahrerisch", zollt Surer dem Force-India-Piloten Respekt. In Q2 hatte Hülkenberg Paul di Resta (14.) um mehr als zwei Zehntelsekunden geschlagen. Schumacher hatte indes eine haarige Situation mit Hamilton, als er aus der Garage fuhr: "Zum Glück sind die Boxen ja breit genug. Sorry, ich habe ihn nicht gesehen. Kann passieren, denke ich." Die FIA-Rennkommissare werden sich das sicher ebenso ansehen wie die Zeitenverbesserung von Räikkönen unter gelben Flaggen am Ende von Q2.

Button Opfer der gelben Flaggen

Ausgelöst wurden die gelben Flaggen durch einen Getriebeschaden bei Daniel Ricciardo (16./Toro Rosso) - und dessen prominentestes Opfer war Jenson Button, bis dahin als Dritter in Q1 eigentlich stark unterwegs: "Der Verbremser, den man im TV-Bild gesehen hat, war nicht das Problem", erklärt der McLaren-Pilot. "Bei meinem nächsten Versuch fuhr ich in die Kurve hinein, in der gelbe Flaggen gezeigt wurden. Ich musste vom Gas gehen." Eine Strafe für Räikkönen erwartet er, "wenn er kein Tempo herausgenommen hat".

Auch die beiden Sauber-Piloten Sergio Perez (12.) und Kamui Kobayashi (13.) erwischte es erwartungsgemäß in Q2, ebenso wie Pastor Maldonado (15.), der sich am Vormittag noch über ein verbessertes Fahrverhalten seines Williams gefreut hatte. Den Dreikampf der kleinen Teams gewann einmal mehr Caterham: Witali Petrow (19.) landete 0,126 Sekunden vor seinem sichtlich unzufriedenen Teamkollegen Heikki Kovalainen und über eine Sekunde vor Charles Pic (Marussia). Der war seinerseits um 54 Tausendstelsekunden schneller als Timo Glock.

"Wir hatten am gesamten Wochenende ein bisschen Probleme mit dem Auto", seufzt der deutsche Marussia-Routinier, der wegen Pics Plus-Zehn-Strafe auf P21 aufrückt. "Im Qualifying hatten wir es einigermaßen im Griff. Ich hatte ein ganz gutes Gefühl auf dem Prime. Auf dem Supersoft waren wir auch gut unterwegs - bis Kurve zehn. Dort habe ich mich dann verbremst und am Ausgang zweieinhalb oder drei Zehntel liegen gelassen. Somit war es diesmal keine optimale Runde von mir. Das war's dann eben. Somit sind wir weit hinter Caterham."

Schrecksekunde für Karthikeyan

Ohne Zeit blieb Narain Karthikeyan, der bereits im ersten Run eine Schrecksekunde erlebte, als sich sein HRT plötzlich bei hoher Geschwindigkeit drehte. "Das Bremspedal ging komplett zum Boden durch", lautete die erste Boxenfunk-Diagnose des Inders. Später stellte das spanische Team fest: Rechts vorne gab es tatsächlich ein Bremsproblem. Aufgrund der am Freitag und Samstagmorgen erzielten Zeiten sollte Karthikeyan aber trotz verpasster 107-Prozent-Hürde zum Rennen zugelassen werden.

Für das ist und bleibt Vettel Favorit: "Unser Auto ist im Rennen vielleicht sogar noch einen Tick schneller", zeigt er sich guter Dinge und prognostiziert: "Es wird aber nicht einfach, die Reifen im Griff zu haben." Und: "Nach dem Start folgt erst einmal eine lange Gerade. Das könnte interessant werden." Gerade, weil er auf der schmutzigen Seite der Startaufstellung steht. Aber sollte es ihm gelingen, den Grand Prix von Südkorea zum zweiten Mal zu gewinnen, würde er auf jeden Fall die WM-Führung übernehmen.

Dagegen wird sich Alonso freilich zur Wehr setzen: "Der Red Bull ist das Auto, dass es zu schlagen gilt", gibt der Spanier zwar zu, zeigt sich aber gleichzeitig kämpferisch: "Im Rennen sind wir normalerweise stärker. Um Red Bull anzugreifen, brauchen wir aber ein perfektes Rennen. Sie sind sehr stark, das Auto ist ihr Vorteil. Unserer ist das Team: Wir sind eine Einheit, stehen zusammen und glauben an unsere Fähigkeiten. Im Rennen sind Start, Strategie und viele andere Dinge wichtig. Da sind wir besser, denke ich."

Fotoquelle: xpbimages.com

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