Jackie Stewart fordert den Einsatz von Fahrertrainern in der Formel 1

Formel 1 2012

— 16.10.2012

Brauchen die Formel-1-Piloten einen Fahrertrainer?

Während der Verzicht auf Fahrertrainer für Jackie Stewart "Nonsens" ist, glaubt Michael Schumacher nicht, dass diese eine große Hilfe wären



Zwar arbeiten die meisten Formel-1-Piloten mit einem Trainer zusammen, doch beschränkt sich dessen Arbeit in aller Regel auf die allgemeine Fitness des Fahrers. Geht es um die Steigerung ihrer eigentlichen sportlichen Leistung, dem Fahren im Auto, verzichten die Fahrer jedoch auf die Unterstützung eines Trainers und sind auf sich alleine gestellt. Für Formel-1-Legende Jackie Stewart ist das ein Unding. "Das ist einer der wirklich wichtigen Bestandteile, die in der Formel 1 und generell im Motorsport fehlen. Wir sind die einzige große Sportart in der Welt, die glaubt, dass sie so clever ist, dass sie auf Trainer verzichten kann. Das ist absoluter Nonsens", so Stewart gegenüber 'F1 Racing'.

Die besten Skifahrer, Golfer oder Tennisspieler würden mit Trainern zusammenarbeiten, nur die Formel-1-Fahrer nicht. Das sei, so Stewart, "Unsinn." Zumindest bei einem Team fand jedoch in dieser Beziehung mittlerweile ein Umdenken statt. Bei Williams nimmt Alexander Wurz als Fahrermentor, so sein offizieller Titel, Pastor Maldonado und Bruno Senna unter seine Fittische und schult die Piloten. "Das ist absolut richtig, und Alex ist dafür auch der Richtige: Er ist intelligent, hat die nötige Erfahrung und eine Vision", ist Stewart überzeugt.

Doch nicht alle teilen diese Meinung. So glaubt Michael Schumacher nicht, dass ein Fahrertrainer bei einem Formel-1-Piloten noch viel bewegen kann: "Wenn du es in die Formel 1 geschafft hast, bewegst du dich auf einem sehr hohen Niveau", meint Schumacher. "Da ist es schwierig, einem Fahrer zu helfen, der schon vollkommen ausgebildet ist, wenn du gleichzeitig nicht fährst."

Was bringt Coaching?

Das sieht Stewart jedoch anders und belegt seine Meinung mit einem kleinen, aber feinen Detail: "Viele der aktuellen Formel-1-Fahrer lenken zu schnell ein, das kann man im TV sehen", findet der dreimalige Weltmeister. Es gebe jedoch Ausnahmen, und das seien die besten Fahrer des Feldes: "Vettel lenkt ein paar Millisekunden langsamer ein, Alonso ebenfalls. Es sind zwar nur Millisekunden, aber das reicht aus, um die Spannung aus dem Fahrzeug zu nehmen", so Stewart. "Es ist ganz einfach, aber es gibt keine Trainer, die ihnen so etwas sagen."

Nico Rosberg erklärt jedoch, dass so etwas durchaus vorkomme. "Ein bisschen Coaching findet schon statt. Mit unseren Ingenieuren besprechen wir zum Beispiel die Linie und dergleichen. Wir tun das also bereits", so der Mercedes-Pilot. Sein Teamkollege Schumacher unterstreicht, dass während des Rennens ein Trainer keinen Einfluss mehr auf den Fahrer nehmen kann: "Du musst halt im Auto sitzen, um einhundert Prozent daraus herauszuholen. Das ist der Knackpunkt", so Schumacher. "Schnell fahren kann jeder von ihnen."

Erfahrung macht nicht zwangsläufig schneller

Der 43-Jährige zweifelt auch daran, ob größere Erfahrung einen Rennfahrer zwangsläufig schneller mache. "Unterm Strich spielt es keine Rolle, denn jede Saison ist eine komplett neue Herausforderung. Es geht darum, die Meisterschaft zu gewinnen. Auf dem Weg dahin musst du gewisse Hürden nehmen. Der erste Titelgewinn ist wahrscheinlich der schwierigste. Danach kannst du immer sagen, dass du eben diese Hürde bereits genommen hast", so Schumacher. "Du hast dich bewiesen und willst das weiter tun. Du hast ein gewisses Selbstvertrauen. Es ist aber dennoch genauso schwieriger, die Konzentration zu wahren und die Energie aufzubringen."

Bleibt noch eine Frage: Würde sich ein Formel-1-Fahrer von einem Trainer, der möglicherweise keine großen Erfolge als Rennfahrer erzielt hat, überhaupt etwas sagen lassen? Diesen Einwand wischt Stewart mit dem Hinweis auf andere Sportarten beiseite. "David Leadbetter hat keine großen Turniere gewonnen, war aber der beste Golf-Trainer aller Zeiten. Das Gleiche gilt für Butch Harmon. Er hat nicht viel gewonnen, Tiger Woods aber zum besten Golfer der Welt gemacht", so Stewart. "Warum glauben die Fahrer, dass sie keine Hilfe brauchen?"

Fotoquelle: xpbimages.com

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