Monisha Kaltenborn beweist, dass ihr Herz für den Motorsport schlägt

Formel 1 2012

— 19.10.2012

Kaltenborn: Von der Himalaya-Rallye in die Formel 1

Der neuen Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn wird oft vorgeworfen, als Juristin kein "Benzin" im Blut zu haben, dabei war der Motorsport stets Teil ihres Lebens



Monisha Kaltenborn hat sich in der Formel 1 viel Respekt verdient. Von der Rechtsabteilung des Sauber-Teams arbeitete sie sich im vergangenen Jahrzehnt zunächst zur Geschäftsführerin nach oben, kürzlich übergab Rennstallgründer Peter Sauber auch das Amt des Teamchefs an sie. Vor allem in den harten Jahren nach dem Ausstieg von Hersteller BMW, aber auch davor gewann sie das Vertrauen des 69-Jährigen.

"Wir haben mit dem Team viel durchgemacht", blickt die 41-Jährige gegenüber 'Autosport' zurück. "Es war nicht nur der BMW-Ausstieg, auch davor sind viele Dinge passiert. In dieser Zeit sah er, wie sehr sich unsere Denkweise ähnelt und dass wir die gleichen Werte haben." Als dann der bayrische Automobilhersteller Ende 2009 den Stecker zog, war ein rasches Handeln gefragt. "Es gab eine Zeit, da waren wir nicht einmal in der Weltmeisterschaft", erinnert sich Kaltenborn. "Wir hatten ein Recht darauf, waren aber nicht auf der offiziellen Liste. Das waren die Augenblicke, wo er sah, dass ich für das Team da bin."

Wie lange sie diese Funktion nun ausüben will, weiß sie nicht, schließlich wisse sie nicht, "was morgen passieren wird." Dennoch könne sie sich nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen.

Der Traum vom Weltall

Als Kind hatte die Österreicherin mit indischen Wurzeln aber noch andere Träume. "Mein größtes Interesse war es, Astronautin zu werden", gibt sie zu. "Das ist kein Witz, das wollte ich wirklich werden." Den Traum hat sie immer noch: "Wenn ich das tun könnte - und ich weiß, dass das nicht mehr möglich ist -, dann würde ich das in meiner zweiten Karriere machen." Doch woher kommt diese Faszination? "Vielleicht hat es mit dem Motorsport gemeinsam, dass man etwas erreichen will, dass irgendwo ganz oben ist. Vielleicht hat das meine Denkweise beeinflusst."

Dabei begann Kaltenborn, die in Wien und London studierte, ihre Motorsport-Laufbahn als Juristin. Das ist auch der Grund, warum manche daran zweifeln, dass die Mutter zweier Kinder genug "Benzin" im Blut hat, um ein Formel-1-Team zu führen. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sie seit Kindheitstagen einen Bezug zum Motorsport hat.

Schon als Kind motorsportbegeistert

"Die Himalaya-Rallye führte durch den Ort, wo ich aufgewachsen bin", erinnert sie sich an die Kindheit in Nordindien. "Das war mein erster Bezug zum Motorsport." Später begeisterte sie sich für die legendäre Marathon-Rallye Paris-Dakar: "Das hat mich fasziniert, weil es so eine enorme Herausforderung ist. Da gehörte so viel Improvisation dazu. Man wusste nie, was passieren würde. Wenn dein Auto kaputt geht, dann muss man es selbst reparieren."

Als sie mit acht Jahren mit ihren Eltern nach Wien zog, hatte der Volksheld Niki Lauda gerade seinen Rücktritt bekannt gegeben. Sie war somit Zeugin seines Comebacks und des dritten WM-Titels 1984, als Kaltenborn 13 Jahre alt war. "Ich bin mit der Formel 1 aufgewachsen", bestätigt sie. "Als wir nach Österreich kamen, gab es wegen der Fahrer so viel Berichterstattung - das war eine große Sache", spielt sie auf die enorme österreichische Formel-1-Tradition an. "Man wusste, wann die Rennen stattfinden, wusste über Fahrer und Teams Bescheid - das war mir alles andere als fremd."

Neben Lauda und später Gerhard Berger erschien Anfang der 1990er-Jahre auch ihr aktuelles Team auf ihrem Radar. "Wegen Karl Wendlinger", verweist sie auf den Tiroler, der beim Formel-1-Debüt von Peter Saubers Rennstall einen der schwarzen Boliden lenkte. 1994 schockierte der Horrorcrash des talentierten Österreichers ausgangs des Tunnels von Monte Carlo dann die gesamte Formel 1 und brachte das Sauber-Team in den Mittelpunkt des Interesses.

Kaltenborn fordert mehr Fannähe

Auch in ihren Aussagen beweist Kaltenborn, dass ihr Herz für den Motorsport schlägt. "Natürlich haben sich die Teams inzwischen in wirtschaftliche Einheiten entwickelt, und wenn man da einen juristischen Hintergrund hat, dann ist das bei den sich stellenden Herausforderungen sicher ein Vorteil. Man sollte aber nicht vergessen, dass es hier um einen Sport geht und wir der Öffentlichkeit zeigen müssen, dass wir eine Leidenschaft für diesen Sport haben. Wir leben von Emotionen."

Sie fordert ein Umdenken: "Das Rennsport-Feeling, unsere Einstellung - das müssen wir näher zu den Leuten bringen. Die Leute rechnen damit, etwas emotionelles zu sehen, etwas womit sie sich emotionell identifizieren können. Da geht es nicht nur um Firmenstrukturen in einem Wettbewerb."

Fotoquelle: xpbimages.com

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