Sebastian Vettel ist seinem Titelhattrick einen Schritt näher gekommen

Formel 1 2012

— 28.10.2012

Kampf um den Titel: Protagonisten bleiben zurückhaltend

Nach Vettels Indien-Sieg scheint die WM bereits so gut wie entschieden: Die Beteiligten wollen jedoch keine Prognosen wagen und konzentriert weiterarbeiten



Der Kampf um den WM-Titel 2012 spitzt sich weiter zu und nach Sebastian Vettels viertem Sieg in Folge in Indien scheint vieles für den Red-Bull-Piloten zu sprechen: In den letzten vier Rennen holte der Deutsche erst einen 39-Punkte-Rückstand auf Fernando Alonso auf um schließlich beim letzten Rennen in Südkorea am Ferrari-Fahrer mit einem Sieg vorbeizuziehen. Vor dem heutigen Rennen in Indien betrug Vettels Vorsprung sechs Zähler. Durch den Triumph vergrößerte der 25-Jährige seinen Vorsprung auf 13 Punkte, Alonso kam in Noida als Zweiter ins Ziel.

"Es war natürlich ein guter Schritt in Richtung WM, doch noch ist es ein langer Weg", sagt Vettel nach seinem Start-Ziel-Sieg. "Wir haben ja gesehen, wie rasch sich die Dinge verändern können. Und wie ich schon sagte: Es fühlt sich fantastisch an, hier oben zu stehen - nach einem Rennen, in dem alles so gelaufen ist, wie du es dir vorstellst. Ja, ich bin sehr stolz darauf und genieße es sehr. Das war dieser Sonntag. Jetzt konzentrieren wir uns auf Abu Dhabi in der nächsten Woche. Es liegt noch einiges vor uns. Und wir gehen all dies einfach Schritt für Schritt an."

Titelkonkurrent Alonso betrieb mit seinem zweiten Platz Schadensbegrenzung und zeigte vor allem in den Schlussrunden des Grand Prix, dass er sich nicht geschlagen gibt: Er holte auf Vettel auf und fuhr letztendlich auch eine schnellere Rennrunde als der Heppenheimer, der den Spanier deswegen auch nicht abschreibt: "Ich glaube, es war schon das gesamte Jahr über sehr hart", weist Vettel auf die Hartnäckigkeit Alonsos im Titelkampf hin.

Vettel weiß: "Wir müssen weiter am Gas bleiben. Mit Sicherheit tut es gut, das Rennen vor ihm zu beenden. Dafür muss man kein Genie sein. Diesen Tag dürfen wir genießen, bevor wir nach Abu Dhabi weiterreisen. Dort geht genau das Gleiche los. Man konzentriert sich auf jeden einzelnen Schritt. Es gilt, das Wochenende optimal vorzubereiten."

In den letzten drei Rennen in Abu Dhabi, den USA und Brasilien sind noch maximal 75 Punkte zu ergattern. Ein 13-Punkte-Vorsprung erscheint dabei nicht gerade groß, beunruhigt Vettel aber offenbar nicht: "Es ist gut. Es könnte besser sein, könnte aber auch schlechter sein. Ich glaube, im Moment sind wir sehr zufrieden."

Horner spürt große Entschlossenheit

Ähnlich sieht es Vettels Teamchef Christian Horner. Auch der Brite hat Widersacher Alonso nach wie vor auf der Rechnung und warnt davor, das Titelrennen nun auf die leichte Schulter zu nehmen: "Wir dürfen sicher nicht selbstgefällig werden. Fernando Alonso ist einfach immer da. Er hat auch in Indien wieder ein starkes Rennen hingelegt", findet Horner lobende Worte für den Konkurrenten.

Man habe sich zwar eine solide Führung in der Teamwertung erarbeitet, in der Fahrer-WM gehe es aber deutlich enger zu: "Da beträgt unser Polster nur 13 Punkte. Das ist nur etwa ein dritter Platz - bei noch 75 zu vergebenden Punkten. Immerhin haben wir uns aber einen Vorsprung erarbeitet." Man müsse bedenken, wo man vor drei Rennen noch gestanden habe, als McLaren das Feld zu dominieren schien: "Wir müssen diesen Schwung beibehalten. Sebastian hat zum ersten Mal vier Rennen in Folge gewonnen. Eine unglaubliche Leistung."

Für den WM-Kampf sieht Horner sein Team gut gerüstet. Vor allem die Einstellung und das Durchhaltevermögen stimmten: "Es ist eine große Entschlossenheit zu spüren", sagt Horner gegenüber 'Sky Sports F1'. "Das Team hat hier an der Strecke und zuhause in Milton Keynes wirklich unheimlich hart gearbeitet. Da werden einige Überstunden geschoben. Wir dürfen jetzt aber auch nicht nachlassen."

Alonso: "Haben acht Punkte gewonnen"

Durch Vettels Sieg verlor Alonso in der WM weiter an Boden: Sieben Punkte um genau zu sein. Insgesamt wertete Alonso den zweiten Platz aber als Gewinn, machte er doch im Vergleich zum Qualifying, wo er Rang fünf belegte, drei Plätze gut.

"Ich denke, wir haben also acht Punkte gewonnen und nicht sieben Punkte auf Sebastian verloren", so der Spanier gegenüber 'Sky Sports F1'. "Dieses Rennen werden wir in Erinnerung behalten. Und ich bin mir sicher: Beim nächsten Rennen machen wir eine bessere Figur und können mehr kämpfen."

Nun gelte es laut Alonso, sich vor allem im Qualifying zu verbessern. Dort hinkt man nach wie vor Red Bull hinterher: Am Samstag fehlte Alonso auf Vettels Pole-Zeit fast eine halbe Sekunde. "Wir sind nicht schnell genug, vor allem an den Samstagen", gibt Alonso zu. "Hoffentlich können wir die Situation in Abu Dhabi oder in den USA verbessern." Für den Kampf gibt sich Alonso nach wie vor optimistisch: "Es sind noch viele Punkte zu vergeben, also bin ich noch sehr zuversichtlich."

Wendlinger setzt im WM-Kampf auf Vettel

Manch einer hat sich im Titelduell schon auf einen Favoriten festgelegt. Darunter auch Karl Wendlinger, der zwischen 1991 und 1995 41 Formel-1-Rennen bestritt: "Nach der Siegesserie muss man sagen, Sebastian Vettel ist der Favorit, keine Frage", sagt der Österreicher. "Der Red Bull ist auch das beste Auto im Feld. Aber auf Alonso darf man nie vergessen. Er wird auch in Abu Dhabi wieder alles aus sich und dem Auto rausholen und wird eine ernsthafte Gefahr sein."

Wer in Abu Dhabi besser zurechtkommen wird, darauf möchte sich der 43-Jährige allerdings nicht festlegen. Er sieht sowohl für Red Bull als auch für Ferrari gewisse Vorteile: "Die engen Kurven, das Einlenken der Vorderachse, Grip und Traktion, sind eine Stärke von Red Bull", findet Wendlinger.

"Es gibt sehr viele enge und langsame Kurven dort, aber es gibt auch zwei sehr lange Geraden und eine relativ lange Gerade. Da ist der Ferrari sehr gut. Ich glaube, es ist ein bisschen ein Geben und Nehmen und es wird drauf ankommen, wer im Qualifying vorne ist und wer nach dem Start des Rennens in Führung gehen kann.

Red Bull und Ferrari rüsten sich zum entscheidenden Kampf

Die beiden Kontrahenten im Kampf um die Formel-1-Krone haben bereits in der kommenden Woche die Möglichkeit, sich einen erneuten Schlagabtausch zu liefern. Dann gastiert die Formel 1 wie erwähnt im Wüstenstaat Abu Dhabi. Ein Kurs, der völlig andere Charakteristiken aufweist als der "Buddh International Circuit" in Noida.

"Abu Dhabi ist wieder eine ganz neue Geschichte", weiß Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey. "Es ist eine andere Strecke mit anderen Eigenschaften. Es wird einmal mehr entscheidend sein, wie man die Reifen nutzt. Außerdem wissen wir nicht, wer welche Entwicklungen an den Start bringt. Entspannung ist da sicher nicht drin."

Ferrari muss sich steigern

Dass Ferrari Neuerungen bringen muss, um gegen Red Bull etwas unternehmen zu können, ist indes unbestritten. Bislang hielt sich die Scuderia in dieser Saison allerdings mit bahnbrechenden Updates zurück. Nicht zuletzt, weil man Probleme mit dem hauseigenen Windkanal hatte, der fehlerhafte Daten lieferte.

"In Abu Dhabi werden wir erneut ein paar Entwicklungsteile erhalten", kündigt Ferrari-Technikchef Pat Fry gegenüber 'Sky Sports F1' Updates an. "In den USA folgen dann weitere Elemente. Noch ist es schließlich nicht vorbei. Wir machen weiter so viel Druck wie möglich. Wir müssen zusehen, uns im Qualifying zu steigern. Wir machen es Sebastian im Augenblick vielleicht etwas zu einfach. Wir müssen ihn unter Druck setzen. Und hoffentlich gelingt uns das schon in Abu Dhabi."

Bei Ferrari ist man sich bewusst, momentan nicht das schnellste Auto zu haben: "Uns ist klar, dass Red Bull momentan das bessere Auto hat, aber wir wissen, dass jedes Rennen anders sein kann", zeigt sich Teamchef Stefano Domenicali für den Endspurt trotz Red Bulls Dominanz hoffnungsvoll. "Wir dürfen nicht heulen, sondern nonstop arbeiten, um das zu ändern."

Red-Bull-Dominanz dank zahlreicher Updates

Im Gegensatz zu Ferrari, die im Saisonverlauf nur wenige Neuerungen an ihren F2012-Boliden einführten und vor allem nach dem Saisonbeginn eine nötig gewordene, umfangreiche aerodynamische Überarbeitung an der Karosserie vornahmen, setzte Red Bull 2012 auf Updates in engen Abständen.

"Ich habe während des Jahres ungefähr sieben verschiedene Frontflügel gezählt", weist Formel-1-Experte Marc Surer auf die zahlreichen Neuerungen der Österreicher, die in der ersten Jahreshälfte nur drei Rennen gewannen, hin. Ein besonderer Vorteil sei dabei die Einführung des Coanda-Auspuffsystems gewesen: "Der Auspuff ist von innen nach außen gewandert, ein sogenannter Coanda-Auspuff. Der wurde sogar für Indien noch einmal verändert, damit er den Diffusor noch besser anbläst, was beim Beschleunigen aus der Kurve heraus eine bessere Traktion gibt."

Der entscheidende Schritt sei jedoch mit einem anderen System gelungen: "Ich glaube, den entscheidenden Schritt haben sie mit dem Doppel-DRS gemacht", glaubt der ehemalige Formel-1-Pilot. "Wenn der Flügel hinten offen ist, zerstört es den Anpressdruck beim unteren Flügel, beim Diffusor. Dadurch macht es das Auto schneller auf der Geraden."

In Indien habe Vettel dadurch vor allem im schnellen ersten Sektor einen klaren Vorteil gehabt, obwohl schnelle Passagen normalerweise nicht Red Bulls Stärke sind. Surer: "Das hat es davor noch nie gegeben. Dieses Doppel-DRS ist glaube ich der große Knüller."

Helfen Red Bull im Titelkampf die besseren Ressourcen?

Bei der Entwicklung der neuen Systeme zugute kommen Red Bull neben dem Chefdesigner Adrian Newey, der in seiner Karriere bereits Weltmeister-Autos für Williams und McLaren konzipierte, vor allem die finanziellen Mittel: Das geschätzte Jahresbudget von 300 Millionen Euro soll das von Ferrari um rund 20 Millionen übersteigen.

Finanzielle Mittel alleine bauen allerdings keine WM-Autos, wie auch der 82-fache Grand-Prix-Teilnehmer Surer weiß: "Newey muss natürlich auch das Geld haben, um seine Ideen zu verwirklichen, und wenn man zehn verschiedene Dinge testen kann, Teile bauen kann, ausprobieren kann im Windkanal, dann braucht man dafür Geld. Andere Teams haben das nicht, aber Red Bull hat offensichtlich ein nach oben offenes Budget."

Im letzten Jahr habe Red Bull laut Surers Informationen etliche Millionen in die Entwicklung seiner Boliden investiert: "Man hat ausgerechnet, dass Red Bull Racing und Red Bull Technology in Milton Keynes zusammen im letzten Jahr 311 Millionen Dollar verbraten haben", verrät der 61-Jährige. "Dieses Jahr wird es wahrscheinlich eher noch mehr werden, so wie die jetzt entwickeln."

Fotoquelle: Red Bull

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