Schafft Lauda den Spagat, als Mercedes-Aufsichtsrat objektiv zu berichten?

Formel 1 2012

— 31.10.2012

Lauda garantiert: 'RTL'-Job kein Interessenskonflikt

Niki Lauda erklärt, warum er trotz Mercedes-Funktion für ausgewogene Analysen garantiert - Norbert Haug sieht in der Doppelfunktion sogar einen Vorteil



Niki Lauda wird in der kommenden Saison nicht nur als Aufsichtsratschef für das Mercedes-Formel-1-Team mitverantwortlich sein, sondern auch für den Privatsender 'RTL' in gewohnter Manier mit seinen Analysen durch die Grand-Prix-Berichterstattung führen. Ein Widerspruch? Schließlich liegt der Gedanke nahe, dass der Österreicher als Mercedes-Mitarbeiter die silberne Brille aufgesetzt hat.

Doch davon will er nichts wissen. Lauda verspricht, sich auch weiterhin um Objektivität bemühen zu wollen. Und erklärt gegenüber 'auto motor und sport', wie es überhaupt zu seiner neuen Doppelfunktion kam: "Ich wurde vor einem halben Jahr von Herrn Zetsche gefragt, ob ich mithelfen kann, die Verhandlungen über den Beitritt zu einem neuen Concorde Abkommen zu begleiten. Daraufhin bin ich zusammen mit Finanzvorstand Bodo Uebber in die Verhandlungen gegangen. Als diese Aufgabe nach einigen Verhandlungsrunden erfolgreich abgeschlossen wurde, hat man mich gefragt, ob ich nicht noch mehr machen will."

'RTL' und Mercedes sehen kein Problem

Durch den Verkauf seiner Fluglinie im November 2011 hatte Lauda genug Zeit, um sich neuen Aufgaben zu widmen und sagte zu. Als TV-Experte arbeitet Lauda aber schon seit den 1990er-Jahren für 'RTL' - da beide Parteien mit der Doppelfunktion kein Problem hatten, wird er diese nun ausüben. "Als das Mercedes-Angebot kam, habe ich sie gefragt, ob sie darin einen Interessenskonflikt sehen", erklärt Lauda. "'RTL' hat nein gesagt. Daraufhin habe ich Mercedes gefragt, ob sie Probleme mit meinem 'RTL'-Job hätten. Auch auf diese Frage wurde mit nein geantwortet."

Er selbst sieht sich in der Lage, nicht tendenziös zu berichten: "Ich bin intelligent genug, meine beiden Funktionen nicht miteinander zu vermischen. Bis jetzt habe ich im Fernsehen zu allen Dingen immer brutal meine Meinung gesagt, so wie ich sie gesehen habe. Ich garantiere, dass dies so bleiben wird. Am Ende wird der Zuschauer entscheiden. Er soll sich das anschauen und dann beurteilen, ob ich auch weiter ein objektives Expertenurteil abgebe."

Haug sieht Vorteile in Doppelfunktion

Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug sieht die Sache entspannt. Er hat laut eigenen Angaben kein Problem damit, wenn der Österreicher Mercedes kritisiert. Ganz im Gegenteil: "Passende Kritik ist gerade im Sport immer gut, sie sollte idealerweise profund und konstruktiv sein." Der Schwabe sieht gegenüber der 'DPA' sogar Vorteile für Laudas TV-Job: "Er hat mehr Detailkenntnisse und mehr Hintergrund. Es kann nicht von Schaden sein, Teams, FIA, FOM und Sportpolitik von innen zu kennen, wenn man nach außen berichtet. Niki macht das schon richtig, keine Bange, und Hofberichterstattung wird es bei ihm ganz sicher nicht geben."

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Lauda neben einem Formel-1-Job fürs Fernsehen arbeitet: Das war bereits in seiner Zeit als "Piccolo Commendatore" bei Ferrari sowie vor rund einem Jahrzehnt als Jaguar-Teamchef der Fall. Der Aufsichtsratsposten ist aber laut Lauda nicht mit dem Teamchefjob beim Vorgängerteam von Red Bull zu vergleichen: "Das kann ich nicht, und es wäre unmöglich, das von mir zu verlangen. Heute brauchst du für jede Position im Team einen absoluten Spezialisten. Da haben wir mit Ross Brawn den richtigen Mann. Ich kann nur den Weg mitgestalten."

Lauda sieht sich nicht als "Schumis" Karrierekiller

Auf diesem Weg war Lauda auch einer der Drahtzieher hinter der Verpflichtung Lewis Hamiltons, die schließlich das Karriereende Michael Schumachers verursachte. Mit den Worten: "Schumacher hat es in drei Jahren nicht geschafft, Mercedes an die Spitze zu bringen. Wenn du im nächsten Jahr besser bist, wird das großen Eindruck auf die Leute machen, sie werden dich noch höher einschätzen", hat er laut eigenen Angaben den Briten nach Brackley gelockt.

Als Karrierekiller von "Schumi" sieht er sich allerdings nicht: "Das ist eine absolute Falschinterpretation und stimmt von vorne bis hinten nicht. Brawn hat die Gespräche mit Hamilton geführt. Über das Singapur-Wochenende hat uns Hamilton signalisiert, dass er in ernsthafte Verhandlungen einsteigen will. Es ging dann alles sehr schnell." In der Woche darauf wurde Hamilton als Fahrer bestätigt.

Lauda spricht von "bestmöglicher" Fahrerpaarung

Er verteidigt die Herangehensweise von Mercedes, zumal "Schumi" die Entscheidung über seine Zukunft immer weiter hinauszögerte: "Es ist logisch, dass sich das Team ab einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Plan B für den Fall absichern musste, dass Schumacher aufhört. Das ist kein Akt, der sich gegen Schumacher gerichtet hat. Nachdem klar war, dass Hamilton kommt, hat sich Michael ein paar Tage überlegt, was er tun soll. Auch das ist normal. Ich kann das nachvollziehen, denn ich bin ja selbst zwei Mal zurückgetreten. Es war allein seine Entscheidung."

Lauda ist davon überzeugt, dass die Verpflichtung von Hamilton für Mercedes die goldrichtige Entscheidung ist. "Ich traue mich zu sagen, dass Mercedes im nächsten Jahr die bestmögliche Fahrerpaarung hat", prescht er nach vorne. "Rosberg zählt zu den Top-Fahrern. Er wird sich mit Hamilton an der Seite zu absoluten Spitzenleistungen hochmotivierten. Da wir die Fahrerfrage hundertprozentig gelöst haben, liegt es jetzt an uns, das gleiche mit dem Auto zu machen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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