Norbert Haug kann mit der Performance seiner Boliden derzeit nicht zufrieden sein

Formel 1 2012

— 02.11.2012

Haug: Windkanal als Ursache für Mercedes-Krise

Norbert Haug analysiert die aktuelle Mercedes-Krise, macht die Windkanalumstellung für die schwachen Leistungen verantwortlich und erklärt Lotus als Vorbild für 2013



Mercedes ist eine der großen Enttäuschungen der zweiten Saisonhälfte - daran besteht kein Zweifel. Nach einem mäßigen Saisonstart in Melbourne war man in Schanghai plötzlich siegfähig - zu Saisonmitte kam aber der Einbruch: Zunächst machten die langgezogenen Kurven, wie sie in Ungarn häufig sind, große Probleme, nach einem kurzen Hoch auf den schnellen Kursen in Spa und Monza, wo man vom starken Motor profitierte, ist man nun seit drei Rennen punktelos. Und das, obwohl man sich vom seit Singapur eingesetzten Coanda-Auspuff zunächst so viel versprochen hatte.

Die Fakten belegen die derzeitige Mercedes-Krise: Nur die drei Hinterbänklerteams Marussia, Caterham und HRT blieben in den letzten drei Rennen ebenfalls ohne Punkte, seit der Sommerpause holte man bloß 30 WM-Zähler. Damit liegt man in diesem Zeitraum nicht nur klar hinter den vier Topteams Red Bull, Ferrari, McLaren und Lotus, sondern auch hinter Sauber und Force India auf dem siebten Platz. Die Truppe von Vijay Mallya hat seit Belgien 47 WM-Punkte geholt - 17 mehr als Mercedes. Damit ist man das mit Abstand schwächste Team mit Mercedes-Motor. Eine besorgniserregende Dynamik, will man doch 2013 einen großen Schritt nach vorne machen.

Problemzone Windkanal

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hält dies aber nach wie vor für möglich. Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass man jetzt die Basis für das kommende Jahr lege, antwortet er in seiner typischen Art: "Man sollte nie zuversichtlich sein, man sollte die Ärmel nach oben krempeln und härter arbeiten."

Er kennt aber die Ursachen für Abwärtsspirale, in der sich Mercedes seit dem Sommer befindet. "Es stimmt, dass wir seit der Sommerpause nicht dort sind, wo wir sein wollen", beginnt er seine Analyse. "Und es gibt Gründe dafür." Er verweist darauf, dass man den Windkanal von 50- auf 60-Prozentmodelle umrüsten musste, schließlich liefern nicht nur die größeren Modelle, sondern vor allem die größeren Windkanalreifen von Pirelli repräsentativere Daten. "Das soll keine Entschuldigung sein, aber wir haben bis vor zwei Monaten den Windkanal umgestellt, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein", bestätigt Haug.

Lotus als Vorbild

Der Schwabe vergleicht sein Team mit der Lotus-Truppe, die diese Saison regelmäßige Podestplätze einfuhr. Das gibt ihm Hoffnung für 2013, schließlich stellte man in Enstone den Windkanal bereits im Vorjahr um: "Sie können daraus jetzt Profit ziehen. Sie haben gute Arbeit geleistet - unser Plan ist es, nächstes Jahr zu profitieren. Wir müssen weiter lernen."

Noch in einem weiteren Punkt hinkt man Lotus hinterher: der Coanda-Auspuff. Erst seit dem letzten Rennen wurden beide E20-Boliden mit dem in der Formel 1 in Mode gekommenen Auspuffsystem ausgestattet, das den Diffusor anbläst und für eine bessere Traktion sorgt. Lotus kommt damit erheblich besser zurecht als Mercedes, obwohl die Truppe aus Brackley das System bereits seit vier Rennen bei beiden Autos einsetzt.

Coanda-Auspuff bringt (noch) keinen Vorteil

"Wir haben durch die Coanda-Technik derzeit sicher noch keinen Vorteil, das ist nach zwei, drei Rennen auch nicht möglich", meint Haug, relativiert dann aber: "Vielleicht hat es Lotus etwas besser hinbekommen. Man zahlt einen ziemlich hohen Preis, auch in Bezug auf die Leistung. Das muss man kompensieren, und das passiert derzeit noch nicht."

Er ist aber davon überzeugt, dass Mercedes in der kommenden Saison von den Lehrstunden profitieren wird, schließlich kann man das System im Windkanal nur bedingt weiterentwickeln - Kilometer auf der Rennstrecke sind unumgänglich: "Bei der Suche nach einer Lösung gibt es keinen anderen Weg als weiter zu forschen."

Haug will Form vor einem halben Jahr wieder erreichen

Dass Mercedes derzeit heftig kritisiert wird, versteht Haug, er bittet aber darum, die erste Saisonhälfte nicht zu vergessen: "Dieser Sieg in Schanghai wurde uns nicht geschenkt. Natürlich hat die Strecke zum Auto gepasst, aber das war mit 20 Sekunden Vorsprung einer der dominantesten Siege - nicht nur aufgrund der Umstände. Das wäre mit Sicherheit ein Doppelsieg geworden. Wir waren auf jeden Fall auch in Monaco sehr schnell, wir waren siegfähig. Wir waren definitiv in Montreal schnell. Nach fünf Runden waren wir 13 Sekunden hinter dem Leader, bei der Zieldurchfahrt war der Abstand gleich. Es gab wahrscheinlich eine Handvoll Rennen, wo wir ziemlich konkurrenzfähig aussahen."

Nun arbeite man hart, um in einem halben Jahr - beim Saisonstart 2013 - wieder dort zu sein, wo man vor einem halben Jahr war: "Das ist unser Programm, und das wollen wir erreichen." Zudem betont er, dass die derzeitige Mercedes-Krise auch durch die enorme Leistungsdichte krasser aussieht, als sie wirklich ist: "Es gibt inzwischen acht, neun Teams, die in der Lage sind, Punkte zu holen. Ein paar Zehntel mehr oder weniger können den Unterschied ausmachen. Red Bull oder Ferrari einzuholen, ist eine andere Geschichte, aber in Hinblick auf die anderen Teams würden fünf, sechs Zehntel schon helfen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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