War anstrengend: Kimi Räikkönen nach dem Erfolg in Au Dhabi

Formel 1 2012

— 04.11.2012

Räikkönen: "Jetzt hat es mal geklappt"

In typischer Manier beantwortet Kimi Räikkönen die Fragen der Journalisten nach seinem Sieg in Abu Dhabi: Cooler Finne mit eiskalten Sprüchen



Beim Start wie eine Rakete, am Funk wie ein Soziopath, im Rennen ein Vollgastier und nach dem Sieg ein Punk mit No-Future-Einstellung: Kimi ist und bleibt Kimi. Der schnelle Finne bescherte Lotus im Grand Prix von Abu Dhabi den heiß ersehnten Sieg und blieb dennoch äußerst cool. Er freue sich mehr für das Team als für sich selbst, sagt er. Und Grinsen gibt es beim Weltmeister von 2007 eben nicht auf Bestellung. Dazu steht er.

Frage: "Kimi, herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Du hast nahezu die gesamte Saison auf einen solchen Erfolg gewartet. Welche Emotionen hast du jetzt?"
Kimi Räikkönen: "Keine großartigen."

Frage: "Aber die Menschen wollen doch wissen, wie es ist, wenn man nach Belgien 2009 jetzt endlich mal wieder gewinnt. Also sag mal..."
Räikkönen: "Beim letzten Mal haben mich alle angeschissen, weil ich nicht genügend gegrinst habe. Kann sein, dass es diesmal wieder so ist. Ich freue mich für das Team - für mich selbst auch, aber viel mehr für die Mannschaft. Es ist eine harte Saison für unser Team, es waren schwierige Zeiten. Jetzt glauben vielleicht alle wieder mehr an sich. Nicht nur die Jungs, die all die Arbeit machen, sondern auch die, die das Team betreiben."

"Ich hoffe, dies ist der Wendepunkt, und wir holen weitere Siege. Wenn nicht dieses Jahr, dann aber nächste Saison. Wenn ich gewinne, dann ist das toll. Wenn es nicht klappt, dann probiere ich es eben später noch einmal. Das ist kein Weltuntergang. Wir hatten in diesem Jahr mehrfach den Speed für Erfolge. Auch beim Grand Prix in Indien war das der Fall. Aber wenn man nicht vorne startet, dann kann man sehen, was passiert."

"Es war klar, dass der Start der Schlüssel sein wird. Der Start ist mir wirklich gut gelungen. Ich denke, wir hatten nicht den gleichen Speed wie McLaren, zumindest war es in der frühen Phase des Rennens nicht der Fall. Aber für einen Sieg muss man erst einmal ins Ziel kommen. Wir waren richtig gut unterwegs. Nur die Safety-Car-Phasen haben es uns heute etwas erschwert."

Frage: "Beim Start bist du gleich auf Platz zwei nach vorn gekommen. War der Start also exzellent?"
Räikkönen: "Ich habe gestern schon gesagt, dass es wichtig ist, dass du hinter schnellen Autos fährst und nicht hinter Autos, die das Tempo nicht gehen können. Ich bin der Überzeugung, dass wir im Rennen immer ein schnelles Auto haben, aber wenn man festhängt, dann gibt es kaum einen Weg vorbei. An diesem Wochenende hat es mal geklappt. Wir haben uns gestern in eine gute Ausgangslage gebracht, dann den Start gut hinbekommen. Darauf konnten wir aufbauen."

Frage: "Ihr habt intensiv am Auspuffsystem gearbeitet. Wie viel hat das in Sachen Speed gebracht?"
Räikkönen: "Es bringt schon ein bisschen, weil wir auf den Geraden schneller sind. Insgesamt haben wir dadurch einen gewissen Vorteil, aber im Grunde ist es das gleiche Auto wie in Südkorea. In diesem Jahr wird extrem deutlich, dass manche Autos zu manchen Strecken gut passen und zu anderen Kursen weniger."

"Schon in Indien waren wir stark, aber wir haben Fehler im Qualifying gemacht und den Preis dafür gezahlt. Jetzt haben wir mal alles richtig zusammenbekommen. Das hätte uns schon mehrfach in dieser Saison gelingen sollen, aber es hat aus diesen und jenen Gründen nicht geklappt. Immerhin haben wir jetzt einen Sieg. Wir machen weiterhin Druck und schauen mal, was wir in den kommenden Rennen ausrichten können."

Knapp zwei Wochen Party möglich

Frage: "War es dein bisher bester Start? Und wer war am Ende dein härtester Gegner: Alonso oder das Safety-Car?"
Räikkönen: "Ich hatte schon mehrfach ordentliche Starts. Im Vergleich war das heute eigentlich ein ganz normaler Start. Ich konnte Mark und Maldonado überholen, bevor ich in den zweiten Gang schaltete. Schon mein Probestart war gelungen. Ich war sicher, dass es gut klappen würde. Das war auch unser Ziel, einen guten Start zu machen. Es hat geklappt. Es war der Schlüssel zum Sieg."

"Im Rennen hat uns das Safety-Car mehr geschadet als anderen Fahrern. Ich hatte einen guten Vorsprung herausgefahren und plötzlich nichts mehr. Das ist heute gleich zweimal passiert, beim ersten Einsatz des Safety-Cars war Lewis Hamilton noch vor mir. Geholfen hat uns das sicherlich heute nicht."

Frage: "Mit wem und wie lange wirst du diesen Sieg feiern?"
Räikkönen: "Ich habe jetzt fast zwei Wochen Zeit. Solange ich es irgendwie zum nächsten Rennen schaffe, ist das Team glücklich. Ich werde versuchen, zwischendurch auch mal nach Hause zu fahren."

Frage: "Deine Funksprüche waren ein Highlight im Rennen. Wie sehr lenkt es ab, wenn man kämpft und wird dabei ständig daran erinnert, dass man die Reifen warmhalten soll?"
Räikkönen: "Das ist ja normal, das ist bei allen Teams so. Die Jungs versuchen zu helfen, aber man muss ja nicht zweimal pro Minute das gleiche sagen. Ich bin nicht so doof, dass ich mir nicht merken kann, was ich gerade tue. Es ist aber wirklich normal, es ist als Hilfe gedacht. Ich weiß aber, was ich mache. Ich frage um Hilfe, wenn ich welche brauche. So etwas gab es nicht zum ersten Mal und auch nicht zum letzten Mal. Das passiert ständig bei anderen Teams. Es ist jeder bemüht, dich in die bestmögliche Position zu bringen. Verschiedene Menschen haben diesbezüglich aber verschiedene Bedürfnisse."

Auf den Spuren von Senna?

Frage: "Was bedeutet es dir, dass du der erste Rennsieger in einem Lotus bist seit Ayrton Senna 1987?"
Räikkönen: "Das ist lange her. Ich glaube kaum, dass Leute von damals jetzt in unserem Team sind. Es ist ja auch nur ein Name. Unser Team ist jenes, bei dem Fernando früher auch mal war, nur der Name hat sich geändert. Es ist ein großartiger Name für unser Team, Lotus hat eine interessante Vergangenheit. Aber ich fahre für ein Team, wo mir der Name eigentlich egal ist. Es kümmert mich herzlich wenig. Vielleicht sieht dieser Sieg jetzt in den Augen mancher gut aus, aber für mich macht das echt keinen Unterschied."

Frage: "Wer wird denn in diesem Jahr Weltmeister?"
Räikkönen: "Auf mich würde ich kein Geld mehr setzen! Die beiden anderen liegen eng beisammen. Der Abstand beträgt zehn Punkte, glaube ich jedenfalls. Wenn sie so weitermachen, dann könnte ein einziges schlechtes Rennen entscheidend sein. Für Fernando wird es hart, aber wir haben gestern und bei anderen Gelegenheiten gesehen, dass alles passieren kann. Bei normalem Verlauf werden die beiden eng beisammen bleiben, sodass ein kleiner Fehler entscheiden kann."

Frage: "Wird die Freude dadurch geschmälert, dass du ausgerechnet nach deinem heutigen Sieg keine WM-Chancen mehr hast?"
Räikkönen: "Nein. Es war uns seit einigen Rennen klar, dass wir nicht den Speed haben, um dort mitzumischen. Wir haben immer gesagt, dass wir kämpfen und das Beste geben. Wir haben einen Sieg. Kann sein, dass wir am gleichen Tag den Kampf um den Titel verloren haben, aber das ist mir egal. Wir hatten sowieso nicht erwartet, dass wir es mit denen aufnehmen können. Wir hatten immer etwas Rückstand. In normalen Rennen hatten wir keine Chance gegen sie. Jetzt passt alles zusammen und wir haben gewonnen. Nächstes Jahr versuche ich es wieder."

Fotoquelle: xpbimages.com

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