Flugshow: Hebt ein Formel-1-Auto ab, wird es sehr gefährlich - doch was ist zu tun?

Formel 1 2012

— 07.11.2012

Kommt ein Formel-1-Auto geflogen ...

Der Unfall zwischen Narain Karthikeyan und Nico Rosberg aus Abu Dhabi wirft weiterhin Fragen auf: Herrscht nun unbedingt Handlungsbedarf?



"Das war furchteinflend", sagt Narain Karthikeyan. Und wer den Groen Preis von Abu Dhabi gesehen hat, wird der uerung des Inders zustimmen. HRT-Pilot Karthikeyan war im Rennen urpltzlich von technischen Problemen heimgesucht worden und ging vom Gas, um einen Abflug bei hoher Geschwindigkeit zu vermeiden. Doch so konnte Nico Rosberg (Mercedes) nicht mehr reagieren.

Der Deutsche rauschte seinem Fahrerkollegen ins Heck. Und was die Situation noch schlimmer machte: Rosberg und sein Silberpfeil stiegen auf und flogen ber die Airbox des HRT hinweg. Nur Zentimeter entfernt vom Helm Karthikeyans, der zu diesem Zeitpunkt lediglich noch Passagier war. Genau wie Rosberg, der nach seinem Flug glcklicherweise auf den Rdern zum Stehen kam.

"Glck gehabt" - das ist der Tenor im Fahrerlager der Formel 1. Denn ein solcher Unfall htte auch ganz anders ausgehen knnen. Ein Auto, das auf ein anderes Fahrzeug auffhrt und abhebt: "Das ist der Horror berhaupt", meint 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. Und deshalb macht man sich hinter den Kulissen einmal mehr Gedanken darber, wie dergleichen am besten zu verhindern ist.

Die Frage ist aber: Geht das berhaupt? Und wenn ja: Wie kann man die Sicherheit der Beteiligten verbessern, ohne die Formel 1 ihrer DNS zu berauben? Fr den ehemaligen Rennfahrer Hans-Joachim Stuck ein Ding der Unmglichkeit: "Fr mich ist Formel-1-Sport Formel-1-Sport", sagt er bei 'ServusTV' und merkt an: "Da kannst du keine Rder berdecken und kein Cockpitdach machen."

Aus seiner Sicht msse ein Formel-1-Auto "offen sein", auch wenn deshalb "ein gewisses Restrisiko" immer vorhanden wre. "Damit muss ich halt leben oder es sein lassen", meint Stuck, der noch einen Schritt weiter geht und fragt: "Wie stabil muss ich eine Glas- oder Kunststoff-Kanzel machen, dass ein heranfliegendes Formel-1-Auto diese mit seinem Gewicht nicht zerstrt?" Eine wirklich gute Frage.

Die FIA experimentiert bereits

Der Automobil-Weltverband (FIA) hat bereits erste Forschungstests durchgefhrt, um verschiedene Lsungen zu evaluieren. Dabei wurden Formel-1-Reifen mit hoher Geschwindigkeit auf Kuppeln und Metallgehuse geschleudert. Was bei einem Frontalaufprall mit einem Rennwagen geschehen wrde, hat selbst die FIA noch nicht ausprobiert. In Abu Dhabi wre es aber beinahe so weit gekommen.

Oder wie es Karthikeyan aus der Cockpitperspektive beschreibt: "Nico war ber mir. Ich konnte den Unterboden seines Autos ganz genau sehen. So eng war es." Im Zweifelsfall htte wohl auch eine Haube ber dem Fahrerhelm nur bedingt Schutz geboten. Und Stuck schliet aus, dass dieser Bereich je vollkommen sicher sein wird: "Dann kann ich doch gleich mit einem Panzer fahren."

Was Stuck etwas berspitzt formuliert, ist auch die Meinung von Mark Webber (Red Bull). Die Frage sei, was die Verantwortlichen tun knnten, um den Kopf des Piloten besser zu schtzen, meint der Australier bei 'ServusTV'. Eine Abdeckung ber dem Fahrer ergebe "keinen Sinn" und sowohl die Rder als auch das Cockpit zu verkleiden, wre laut Webber ein "zu extremer" Lsungsansatz.

Tradition gegen Moderne

Der Red-Bull-Pilot denkt nicht zuletzt auch an das sportliche Erbe der Formel 1, wenn er sagt: "Die 1940er-, 1950er- und 1960er-Jahre waren schon noch eine andere Zeit. Dieser Stil sollte nicht ganz verloren gehen." Wobei Ex-Formel-1-Fahrer Alexander Wurz beim 'ORF' einwirft: "Wenn wir immer so gedacht htten, dann wrden wir heute immer noch mit Lederhauben und Frontmotor fahren."

Johnny Herbert, ebenfalls ehemaliger Grand-Prix-Pilot, bringt die berlegungen auf den Punkt: "Es ist sehr schwierig, genau zu wissen, was getan werden muss. Denn geschlossene Cockpits knnten sehr ntzlich sein, aber es gibt auch Nachteile." Zum Beispiel: Wie schnell kann sich ein Fahrer im Fall der Flle aus einem geschlossenen Cockpit befreien? Und was, wenn pltzlich ein Feuer entsteht?

Antworten darauf gibt es noch nicht. Deshalb werden die FIA und das Fahrerlager wohl weiterhin darber nachdenken, was zu tun ist. "Unterm Strich haben wir einmal mehr gesehen, dass es sicher war", sagt der frhere Formel-1-Pilot Anthony Davidson, warnt aber vor einer bsen berraschung: "Ich befrchte nur, dass das eines Tages nicht mehr der Fall sein wird. Und dann ist es zu spt."

Fotoquelle: xpbimages.com

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