Geradeaus den Berg hinab, dann links herum weiter hinunter: Austin

Formel 1 2012

— 14.11.2012

Austin: Im dritten Sektor leidet der Motor

Der neue "Circuit of the Americas" stellt die Motorentechniker von Renault vor einige knifflige Aufgaben: 13 Sekunden Vollgas auf der Geraden, hoher Benzinverbrauch



In früheren Formel-1-Jahren wurde so manches Rennen über die Haltbarkeit der Motoren entschieden. Oftmals gingen zum Ende eines Grand Prix einige Triebwerke in einer dichten Wolke hoch - Pech für die Piloten, Spektakel für die Zuschauer. Solche Zwischenfälle passieren heutzutage nur noch äußerst selten. Allerdings sind die Motorenkontigente für dieses Jahr vor dem vorletzten Lauf der Saison schon erheblich belastet, die Triebwerke nicht mehr ganz so frisch.

"Auf eine brandneue Strecke zu kommen ist immer eine besondere Herausforderung", schildert Renault-Motorenchef Remi Taffin vor dem Formel-1-Debüt in Austin. "Wir müssen uns auf dem Weg dorthin auf die Simulationen auf Prüfständen und im Computer verlassen. Diese Simulationen sind so genau, sodass wir bezüglich Übersetzung, Benzinverbrauch und Drehmomentverlauf vieles wissen. Details wie Beschaffenheit der Randsteine und Asphaltbeschaffenheit können wir erst vor Ort erkunden."

"Der erste Sektor beginnt mit einer engen Haarnadel, wo man gute Motorbremse haben muss", erklärt der Franzose. "Gleichzeitig muss die Traktion stimmen, denn nach der Ecke folgt ein schnelles und flüssiges Kurvengeschlängel, das jenen in Silverstone oder Suzuka ähnlich ist. Die erste Kurve ist außerdem blind, sodass der Fahrer sein Gespür braucht und sicher sein muss, dass das Auto sich verhält wie erwartet."

"Der folgende Abschnitt bietet nette Herausforderungen für die Piloten, aber auch für die Ingenieure, weil es in Sachen Motormapping nicht einfach wird", sagt Taffin. "Dieser Abschnitt wird mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 210 Km/h gefahren, man ist meist im fünften oder sechsten Gang, die Drehzahl kaum unter 15.000 U/min. Die Bauteile im Motor sind starken Fliehkräften ausgesetzt, wegen der ständigen Richtungswechsel."

"Der zweite Sektor besteht hauptsächlich aus der langen Gegengerade, die mit über einem Kilometer Länge zu den längsten Geraden im gesamten Kalender gehört. Obgleich so lang, gehört diese Gerade zu den einfacheren Passagen", meint der Renault-Fachmann. Auf der Gegengeraden gibt es 13 Sekunden lang Vollgas, der Topspeed wird wohl bei 314 Km/h liegen. "Die härtesten Prüfungen folgen im dritten Sektor. Dort sind Kurvenvarianten, die zu den schwierigsten gehören - ähnlich wie dem Motodrom in Hockenheim oder Kurve acht in Istanbul."

"An diesem Sektor werden wir am meisten arbeiten, wenn wir vor Ort sind", sagt Taffin, der von einem hohen Spritverbrauch in Austin ausgeht. "Was man auf der Streckenskizze nicht sieht: Die Strecke ist enorm wellig, ähnlich wie in Indien. Dies stellt den Motor vor Herausforderungen, denn die Schmierstoffe bewegen sich auf den Kuppen und in den Senken. Allzu große Probleme wird uns dies aber nicht bereiten, weil wir aus Spa und Indien viel Erfahrung damit haben."

"Das Layout verspricht viel Spaß, es gibt einige Überholstellen", freut sich Lotus-Testpilot Jerome d'Ambrosio. "Es gibt lange, schnelle und flüssige Passagen mit schnellen Richtungswechseln wie in Becketts in Silverstone. Die erste Kurve ist interessant. Ich bin gespannt, wie sich das Feld nach dem Start dort sortieren und einfädeln wird. Die Strecke wird nicht nur den Piloten, sondern auch den Fans viel Freude machen. Von vielen Plätzen hat man einen guten Überblick über weite Streckenbereiche."

Fotoquelle: CoTA

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