Formel 1 2012

— 15.11.2012

Vettel & Alonso: Keine Angst vor neuen Strecken

Sebastian Vettel und Fernando Alonso kämpfen um ihren jeweils dritten WM-Titel - Bei der Austin-Premiere am Sonntag kann nur Vettel den Sack zumachen



Der Kampf um den WM-Titel 2012 ist bei noch zwei zu fahrenden Rennen zum Duell geworden. Sebastian Vettel (Red Bull) führt die Gesamtwertung mit zehn Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso (Ferrari) an. Für beide geht es um den dritten Titel ihrer Karriere. Runde eins im finalen WM-Zweikampf steigt an diesem Wochenende in Form des Grand Prix der USA auf dem nagelneuen Circuit of The Americas (CoTA) in Austin.

Was Vettel betrifft, so könnte er seinen dritten WM-Titel nach 2010 und 2011 bereits an diesem Wochenende in trockene Tücher bringen. Für den Fall, dass Alonso das Blatt noch wendet, würde der Spanier angesichts seines gegenwärtigen Punkterückstands erst am 25. November in Sao Paulo über seinen dritten Titel nach 2005 und 2006 jubeln.

Vom Umstand, dass das möglicherweise entscheidende Aufeinandertreffen auf einer gänzlich neuen Strecke stattfindet, zeigen sich die beiden Titelkandidaten wenig beeindruckt. "Üblicherweise versucht man sich so gut vorzubereiten, wie es nur geht", sagt Vettel vor der Austin-Premiere und hält fest: "Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf einer komplett neuen Strecke antreten. Wir kennen diese Herausforderung aus den vergangenen Jahren und werden tun, was wir können. Das Wichtigste ist, morgen schnell einen Rhythmus zu finden und ausgehend davon ein gutes Wochenende hinzulegen."

Beide Titelkandidaten mit guten Erfahrungen auf neuen Strecken

Die Ergebnisse der jüngsten Vergangenheit auf erstmals befahrenen Strecken bekräftigen Vettels unbekümmerte Herangehensweise. Sowohl bei der Formel-1-Premiere auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi (2009) als auch beim ersten Auftritt der Königsklasse auf dem Buddh International Circuit im indischen Noida (2011) holte sich der Deutsche den Sieg.

Doch auch Herausforderer Alonso machte in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen auf gänzlich unbekannten Strecken. Der Spanier gewann sowohl den ersten Grand Prix von Singapur (2008) als auch den ersten Grand Prix von Südkorea in Yeongam (2010). Entsprechend unbeeindruckt zeigt sich auch der Ferrari-Pilot von der Tatsache, dass die 5,516 Kilometer lange Berg- und Talbahn in Austin für alle Fahrer Neuland ist: "Was die Vorbereitung und Herangehensweise an das Wochenende betrifft, so ist nichts anders als sonst."

"Es bedarf der maximalen Konzentration und der maximalen Anstrengung jedes Einzelnen im Team. Wir haben hier wieder ein paar neue Teile dabei, die wir hoffentlich morgen testen und positiv bewerten können", sagt Alonso. Angesichts der bisher nur aus dem Simulator bekannten Strecke räumt der Spanier räumt allerdings ein, dass speziell den beiden Freien Trainings am Freitag "wohl eine etwas größere Bedeutung zukommt als auf anderen Strecken".

So wird es am Freitag laut Alonso wichtig sein, "viele Runden zu drehen, die Linien - und wenn möglich ein paar Tricks - zu erlernen". Im Qualifying am Samstag gelte es dann, sich in die bestmögliche Ausgangsposition für die 56 Runden am Sonntag zu bringen. In dieser Disziplin hatte der Ferrari-Pilot gegenüber seinem Kontrahenten in Diensten von Red Bull in der Saison 2012 meist das Nachsehen. Fünf Pole-Positions von Vettel stehen deren zwei (jeweils auf regennasser Strecke) von Alonso gegenüber.

Bedeutung des dritten Titels für beide noch nicht abschätzbar

Tabellenführer Vettel vermag die Bedeutung eines dritten WM-Titels derzeit noch nicht so recht in Worte zu fassen. "Das wäre unglaublich. Für alle war es eine schwierige Saison mit Höhen und Tiefen. Der Wettbewerb war extrem hart. Die Saison verlief in vielerlei Hinsicht ganz anders als die Jahre zuvor. Was uns betrifft, so haben wir in diesem Jahr viel gelernt und deutlich weniger Fehler gemacht. Wir hatten von Saisonbeginn an ein wettbewerbsfähiges Auto, das vielleicht nicht immer gut genug war, um zu gewinnen. Es war aber immer gut genug, um viele Punkte einzufahren."

"Dieser Umstand brachte uns in eine starke Position, von der wir um den Titel kämpfen können", stellt der Red-Bull-Pilot heraus und fügt hinzu: "Bevor an diesem Wochenende überhaupt irgend etwas passiert, müssen wir sicherstellen, dass wir am Freitag und Samstag das Maximale herausholen. Die Punkte werden aber erst am Sonntag vergeben. Sollte es klappen, würde mir das sehr viel bedeuten. Im Moment fällt es mir aber schwer, die richtigen Worte dafür zu finden", spricht Vettel die mögliche vorzeitige Entscheidung zu seinen Gunsten im Titelkampf an. Sollte er seinen dritten Titel in Austin oder aber am darauffolgenden Sonntag in Sao Paulo tatsächlich einfahren, wäre Vettel in der über 60-jährigen Formel-1-Geschichte nach Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher erst der dritte Fahrer, dem der Titel-Hattrick gelingt.

Alonso, der den Titelsack anders als Vettel in Austin noch nicht zumachen kann, sieht es ähnlich, gibt sich aber noch zurückhaltend. "Wir müssen abwarten. Wie Sebastian schon sagte, ist es im Moment schwer vorstellbar, was es bedeuten würde oder welche Emotionen es auslösen würde. Wir müssen uns einfach darauf konzentrieren, unseren Job zu erledigen, um dann in Brasilien um die Weltmeisterschaft kämpfen zu können. Ich kann hier nichts ausrichten außer so viel Punkte wie möglich mitzunehmen."

Während es sowohl für Vettel als auch für Alonso um den dritten Titel ihrer Karriere geht, so liegen die beiden Kontrahenten in puncto Erfahrung doch recht weit auseinander. Der Grand Prix der USA am Sonntag markiert Vettels 100. Grand-Prix-Start. Für Alonso ist es das 198. Rennen seiner Formel-1-Karriere. Auf dem Weg zum dritten WM-Triumph kann der Spanier somit fast auf die doppelte Anzahl an Grand-Prix-Einsätzen als Erfahrungswerte zurückgreifen. Umgekehrt formuliert: Vettel würde seinen dritten Titel im Erfolgsfall nach knapp der Hälfte der Rennen einfahren.

Alonso im WM-Kampf inzwischen entspannter als früher

"So ist der Motorsport", entgegnet Alonso, als er auf diesen statistischen Fakt angesprochen wird und erklärt bezugnehmend auf Vettel: "Als ich im Jahr 2006 meine zweite Weltmeisterschaft gewann, stand auch ich ungefähr bei dieser Anzahl Rennen. Im Jahr 2007 kämpfte ich dann bis zum letzten Rennen um meinen dritten Titel. Ich war also in einer ganz ähnlichen Position wie jetzt Sebastian. Ich bin auf jeden Fall stolz auf meine fast 200 Grands Prix und darauf, nahezu Jahr für Jahr ein paar Rennen gewonnen zu haben."

Im Vergleich zu seinen bisherigen WM-Kämpfen fühlt sich Alonso in diesem Jahr "deutlich entspannter und wesentlich konzentrierter", wie er sagt. "2006 kämpfte ich beim letzten Saisonrennen in Brasilien mit Michael (dem damaligen Ferrari-Piloten Schumacher; Anm. d. Red.) um den Titel. Das war sehr stressig und anstrengend. Das gesamte Wochenende war sehr emotional und ich fand damals kaum Zeit zum Schlafen", blickt Alonso, der seinerzeit für Renault an den Start ging, zurück.

Zur Saison 2007 wechselte der Spanier zu McLaren und kämpfte beim Saisonfinale in Brasilien erneut gegen einen Ferrari-Piloten: Kimi Räikkönen. Auch Alonsos eigener Teamkollege Lewis Hamilton hatte vor dem letzten Rennen des Jahres noch Titelchancen. "Auch damals ging es sehr stressig zu", erinnert sich Alonso. Die WM-Krone ging unterm Strich an keinen der beiden McLaren-Piloten. Der als Dritter der Gesamtwertung zum Finale angereiste Räikkönen konnte das Blatt mit einem Sieg in Interlagos noch wenden, während Alonso und Hamilton mit je einem Punkt Rückstand in die Röhre schauten.

Im Jahr 2010 kämpfte Alonso nach 2006 und 2007 zum dritten Mal beim letzten Saisonrennen um den Titel und erstmals hieß der Gegner Vettel. "Unterm Strich hat es für mich damals nicht gereicht, aber alles in allem fühlte ich mich 2010 deutlich besser vorbereitet als in den Jahren zuvor", blickt der Asturier auf das entscheidende Rennen im Titelkampf vor zwei Jahren zurück, bei dessen Start sich neben dem späteren Weltmeister Vettel und ihm selbst auch Mark Webber und Lewis Hamilton noch Titelhoffnungen machten.

"Inzwischen ist es das vierte Mal, dass ich - hoffentlich - beim letzten Rennen noch um den Titel kämpfe und der Unterschied ist ganz klar spürbar", findet Alonso und präzisiert: "Ich bin inzwischen deutlich konzentrierter und fokussierter. Ich weiß, dass alles perfekt laufen muss, um eine Chance zu haben. Ein Fehler - und die Chance ist dahin. Wir konzentrieren uns ganz auf uns. Ich bin sehr zuversichtlich und habe volles Vertrauen in mein Team und in mich selbst."

Wird das Qualifying für Alonso zum Sargnagel?

"Wir wissen, dass wir nicht über das schnellste Paket verfügen", setzt der Herausforderer im diesjährigen Titelkampf fort und kündigt an, dass er sich auch im Falle eines nicht optimalen Qualifyings am Samstag noch lange nicht geschlagen geben wird: "Sollten wir auch diesmal auf Startplatz sechs oder sieben stehen, werden einige Leute vielleicht sagen, ich würde den Titel abschreiben. Davon kann aber keine Rede sein, denn das ist unsere übliche Ausgangsposition in diesem Jahr."

Vor drei Rennen führte Alonso die Gesamtwertung noch an. Inzwischen liegt der Ferrari-Pilot zehn Punkte hinter dem neuen Tabellenführer Vettel zurück, lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. "Unsere Stärke ist es, am Sonntag mehr Punkte zu holen als andere. Ich bin überzeugt, dass wir das bei den zwei bevorstehenden Rennen schaffen werden", gibt sich Alonso kämpferisch.

Fotoquelle: xpbimages.com

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