Formel 1 2012

— 16.11.2012

Premiere gelungen: Vettel dominiert in Austin

Nicht einmal ein technisches Problem konnte verhindern, dass Sebastian Vettel den ersten Trainingstag zum Grand Prix der USA nach Belieben dominiert





Sebastian Vettel ist auf dem Weg zu seinem dritten WM-Titel anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Nachdem er im ersten Freien Training zum Grand Prix der USA eineinhalb Sekunden Vorsprung hatte, fuhr er auch in der zweiten Session am Nachmittag in Austin überlegen Bestzeit. Diesmal brummte er seinem Teamkollegen Mark Webber 0,757 Sekunden auf.

"Heute stand im Vordergrund, die Strecke kennenzulernen", relativiert Vettel. "Leider sind wir nicht so viel gefahren wie gewollt, aber wir haben noch zwei gute Runs hinbekommen. Damit können wir ganz zufrieden sein. Jetzt schauen wir, dass wir über Nacht einen Schritt nach vorne machen. Den Freitag darf man aber nicht überbewerten. McLaren war heute Morgen recht stark, aber wir haben nochmal einen Extra-Satz Reifen ausgepackt, den wir heute zur Verfügung hatten. Das Auto passt ganz gut zur Strecke, denke ich."

Erster Verfolger des Red-Bull-Duos war WM-Rivale Fernando Alonso, der im Ferrari 0,765 Sekunden Rückstand hatte und besonders am Ende des zweiten Trainings mit viel Benzin und weichen Reifen zu kämpfen hatte. Die schnellsten Renntrimm-Zeiten, teilweise sogar unter 1:44 Minuten, fuhr Lewis Hamilton. Im Tagesklassement belegte der McLaren-Pilot mit 1,030 Sekunden Rückstand den vierten Platz, nachdem er heute Morgen noch Zweiter gewesen war.

Trotz Wasserleck überlegen Schnellster

Experte Marc Surer empfindet Vettels Vorstellung als "Dominanz", zumindest "wenn da ungefähr identisches Gewicht drin war wie bei der Konkurrenz, wie bei Mark Webber". Vor allem, weil der Deutsche wegen eines Wasserlecks lange Zeit tatenlos an der Box stand: "Wir haben ja beobachtet, wie viel Zeit er verloren hat, aber wenn er dann trotzdem die Zeit fahren kann, bedeutet das, dass er gar nichts am Auto verstellen musste, weil es sowieso geht."

Überhaupt lief bei Vettel einiges nicht nach Plan, aber das betraf vor allem Kleinigkeiten. So beschwerte er sich am Nachmittag verärgert darüber, dass beim Betanken an der Box Benzindämpfe in seinen Helm (übrigens im Texas-Ranch-Design) eindrangen, und gegen Ende der Session war der 25-Jährige auch schon mal neben der Strecke. "Ich glaube, der Reifen hat Graining", vermutete Surer abbauende Medium-Pirellis als Ursache dafür.

Aber für Ausrutscher musste man sich am ersten Tag auf dem Circuit of The Americas nicht schämen, denn praktisch jeder Fahrer war gleich mehrere Male neben der Strecke. Am Nachmittag waren die Bedingungen immerhin deutlich besser als am frühen Morgen, was einerseits an der einigermaßen sauberen Ideallinie lag, die immer mehr Grip aufbaute, andererseits auch an den von 15 auf über 30 Grad Celsius gestiegenen Asphalttemperaturen.

So viel trainiert wie selten zuvor

Das nutzten die Teams zu einer der intensivsten Trainingseinheiten des Jahres - inklusive Freitagstester Qing-Hua Ma (HRT) kamen die 25 Piloten heute auf 1.408 Runden. Mehr trainiert hat die Formel 1 an einem Freitag 2012 nur in Montreal (1.467) und Monza (1.410). Dabei standen die HRT-Fahrer Pedro de la Rosa und Narain Karthikeyan in der zweiten Session lange an der Box, möglicherweise wegen der finanziellen Schwierigkeiten des spanischen Rennstalls.

Jenson Button (McLaren/+1,068) wurde heute Fünfter, gefolgt von Felipe Massa (Ferrari/+1,311), der zwar laut Boxenfunk später bremste als Alonso, aber das Spiel mit den Fliehkräften weniger gut im Griff hatte und daher trotzdem deutlich langsamer war. Nico Rosberg (Mercedes/+1,730), Bruno Senna (Williams/+1,813), Kamui Kobayashi (Sauber/+1,935), der wegen eines gebrochenen Auspuffs Trainingszeit verlor, und Michael Schumacher (Mercedes/+2,397) rundeten die Top 10 ab.

Lotus nicht mehr in Abu-Dhabi-Form

Lotus konnte zwölf Tage nach dem Sieg in Abu Dhabi nicht wirklich in Erscheinung treten, musste sich mit den Positionen elf (Kimi Räikkönen) und 13 (Romain Grosjean) zufrieden geben. Dazwischen landete Pastor Maldonado (+2,448) auf Rang zwölf - allerdings nicht ohne Probleme: Genau mit Ablauf der 90 Minuten wurde der Williams-Pilot langsamer und rollte an die Box zurück. Sein Renault-Motor hatte das Ende der Laufzeit erreicht und zeigte dies mit einem Ölleck.

Schwierig auch der Auftakt für den halben Lokalmatador Sergio Perez (+2,608), im Sauber 14., und für das Force-India-Team, das sich an diesem Wochenende nur auf dem Niveau von Toro Rosso zu bewegen scheint. Auch ganz hinten ist wie immer alles klar: Caterham hat die Nase vor Marussia, abgeschlagen folgt dann HRT auf den letzten Plätzen. Timo Glock (Marussia/+ 4,934) wurde zum Auftakt 20., fast eine Sekunde vor seinem Teamkollegen.

Zur einzigen wirklich haarigen Situation des Tages kam es eine halbe Stunde vor Schluss, als Heikki Kovalainen (19./Caterham/+4,758) außen an Jean-Eric Vergne (16./Toro Rosso/+2,798) vorbeigehen wollte, dabei dessen Frontflügel rasierte und sich selbst den Hinterreifen aufschlitzte. "Ein Missverständnis", urteilt Experte Surer. "Der eine denkt, er lässt mich vorbei, und der andere sagt sich, es ist meine Kurve. Eigentlich unnötig im Freien Training."

Fotoquelle: xpbimages.com



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