Formel 1 2012

— 17.11.2012

Eine Hand am WM-Pokal: Vettel in Austin auf Pole

Sebastian Vettel auf Pole, Fernando Alonso nur in Reihe vier: In Austin könnte bereits die WM-Entscheidung fallen - Lewis Hamilton allerdings nur knapp geschlagen





Fünf Jahre ist es her, dass Sebastian Vettel beim Grand Prix der USA in Indianapolis sein Debüt in der Formel 1 gefeiert hat. Morgen könnte der Red-Bull-Pilot im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seinen dritten WM-Titel fixieren. Im heutigen Qualifying auf dem brandneuen Circuit of The Americas in Austin, Texas, legte er dafür mit einer makellosen Leistung den Grundstein.

Vettel fuhr nach drei Bestzeiten in drei Freien Trainings auch in allen drei Qualifying-Abschnitten Bestzeit (ein Novum 2012) und sicherte sich damit die Pole-Position für den 100. Grand Prix seiner Karriere. Gleichzeitig wurde WM-Rivale Fernando Alonso (Ferrari) nur Neunter. Sollten die beiden morgen so ins Ziel einlaufen, würde Vettel 31 Punkte Vorsprung zum Saisonfinale nach Sao Paulo in einer Woche mitnehmen - und wäre damit vorzeitig Formel-1-Weltmeister 2012.

"Mit dieser Ausgangslage" sei dies "auf jeden Fall" möglich, glaubt Experte Marc Surer: "Alonso kommt im Rennen eigentlich immer nach vorne, davon gehen wir aus. Aber wenn Vettel 25 Punkte holt, ist das ein Riesenschritt." Und dass er sich die 25 Punkte holen wird, davon muss man nach dem bisherigen Verlauf des Wochenendes fast ausgehen - es sei denn, es schlägt der Defektteufel zu, wie am Freitag, als am Red-Bull-Renault RB8 ein Wasserleck auftrat.

Vettel: Wäre noch schneller gegangen

"Ich bin zufrieden, wenngleich ich im letzten Teil noch etwas schneller hätte fahren können", analysiert der 25-Jährige, der eigenen Angaben nach nicht das Maximum herausgeholt hat: "Sowohl im ersten als auch im letzten Sektor ließ ich etwas Zeit liegen. Es war letztendlich knapper, als ich es mir gewünscht hätte. Insgesamt gesehen lief es aber fantastisch. Es ist sehr wichtig, hier von ganz vorne zu starten. Morgen sollte es ein gutes Rennen geben."

Zum deutlichen Vorsprung auf Alonso kann er "nicht viel" sagen, "denn wir konzentrieren uns ganz auf uns. Die beste Strategie ist, einfach Vollgas zu geben. Noch hat hier niemand irgendwelche Punkte gewonnen. Wir haben beim letzten Rennen gesehen, wie schnell sich die Dinge drehen können. Wir müssen abwarten, haben morgen die Chance, die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Darauf werden sich Mark und ich konzentrieren."

Alonso gibt sich indes kämpferisch: "Wir stehen im Qualifying meist irgendwo im Bereich von Platz sechs, sieben, neun. Wir kämpfen aber um die Weltmeisterschaft. Das Rennen ist unsere Stärke", beteuert er. "Ich weiß noch nicht, wie weit es morgen nach vorne gehen wird - ich will einfach mehr Punkte als Sebastian mitnehmen. Ich glaube, dass wir das schaffen können, denn es wird ein langes Rennen. Wenn ich mehr Punkte als er einfahre, bin ich zufrieden."

Schützenhilfe von Schumacher und Hülkenberg

Doch das wird schwierig. Der Spanier konnte seinen Ferrari im Qualifying kaum bändigen, kämpfte sich zwar kurzzeitig auf Platz sieben nach vorne, fiel dann aber noch um zwei Positionen zurück - ausgerechnet die Landsleute Michael Schumacher (6./Mercedes/+1,137) und Nico Hülkenberg (8./Force India/+1,484) leisteten Vettel Schützenhilfe. Unterm Strich fehlten Alonso in Q3 1,643 Sekunden auf die Pole-Position-Zeit.

Beinahe wäre ausgerechnet Lewis Hamilton (McLaren) dem früheren Erzfeind zu Hilfe gekommen, denn der Brite machte Vettel das Leben schwerer als erwartet. Hätte sich der WM-Leader nicht im allerletzten Versuch auf 1:35.657 Minuten gesteigert (und damit übrigens fast punktgenau die Polezeit-Prognose des Lotus-Teams getroffen), wäre Hamiltons Verbesserung auf 1:35.766 Minuten genug gewesen, um ganz vorne zu starten.

"Die erste Kurve macht mir weniger Sorgen als die schmutzige Seite der Startaufstellung", sagt er. "Ich hoffe einfach, morgen einen guten Start hinzulegen. Die Anfahrt auf Kurve eins ist sehr breit. Da sollte unter normalen Umständen nichts schiefgehen, aber vielleicht täusche ich mich ja. Ich will dem Rennen von Sebastian natürlich nicht im Weg stehen. Gleichzeitig will ich aber gewinnen. Dafür wird es zunächst drauf ankommen, dass ich gut von der Linie wegkomme."

Lotus im Qualifying vorne dabei

Das Lotus-Team machte die Ankündigung von Kimi Räikkönen wahr, dann zulegen zu können, wenn es drauf ankommt, und fuhr mit Romain Grosjean (+0,930) und dem "Iceman" (+1,051) auf die Plätze vier und fünf. Grosjean kassiert allerdings wegen eines Getriebewechsels am Vormittag eine Plus-Fünf-Strafe, wodurch nicht nur sein Teamkollege in die zweite Reihe aufrückt, sondern auch Alonso einen Platz gewinnt und als Achter statt Neunter losfahren darf.

"Ich wäre lieber Fünfter geblieben, aber hoffentlich gelingt mir ein guter Start und ich verliere nicht zu viele Plätze. Dann sehen wir, was passiert", grummelt Räikkönen, vor 13 Tagen in Abu Dhabi noch großer Sieger. "Ich habe erwartet, dass das Qualifying viel komplizierter verlaufen würde, aber glücklicherweise wurde es ein wenig wärmer und die Reifen funktionierten etwas besser. Es ist noch nicht so, wie wir uns das wünschen, aber es wird besser."

Unerwartet stark auch Schumacher, der sich vom fünften Startplatz aus aber keine Chancen auf das Podium ausrechnet: "Darüber brauchen wir nicht wirklich reden", winkt er ab. "Theoretisch wäre möglich, dass ich nach der ersten Kurve in Podiumsnähe bin, aber das zu halten, ist eine andere Geschichte." Dass er dank Grosjean Fünfter statt Sechster ist, findet er "nicht unwichtig, weil es beim Start einen großen Unterschied zwischen der linken und der rechten Seite gibt".

Rosberg ohne Coanda-Auspuff chancenlos

In Q2 hatte der siebenmalige Weltmeister den achten Platz belegt - sagenhafte 1,399 Sekunden vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg! Doch was auf den ersten Blick nach einer herben Ohrfeige für den jüngeren der beiden Mercedes-Piloten aussieht, war in Wahrheit das logische Ergebnis eines Experiments der Silberpfeile. Denn Schumacher fuhr heute mit der neuesten Spezifikation des F1 W03, Rosberg hingegen ohne den Coanda-Auspuff.

"Wir haben halt etwas probiert und haben den Auspuff eingesetzt, der auf dem Stand von vor ein paar Monaten war", seufzt Rosberg. "Das hat das Auto leider nicht schneller gemacht. Es war wahnsinnig schwierig zu fahren - unglaublich, wie viel ich dadurch verloren habe. Das Positive daran ist, dass man sieht, wie weit wir unser Auto weiterentwickelt haben. Die kalten Bedingungen haben die Situation natürlich noch dramatischer werden lassen."

Die Startpositionen zehn und elf sicherten sich die Williams-Piloten Pastor Maldonado und Bruno Senna, wobei sich speziell Maldonado nach dem dritten Platz im Abschlusstraining mehr ausgerechnet hatte. Ebenfalls schon in Q2 out: Jenson Button, der zwei Minuten vor Schluss ohne Vortrieb an die McLaren-Box rollte und keine weitere Runde mehr fahren konnte. Offenbar gab es ein Problem mit der Gasannahme.

"Halber" Lokalmatador in Q2 out

Sergio Perez hätte den vielen mexikanischen Fans und vor allem seiner extra angereisten Großmutter sicher gerne ein besseres Ergebnis als Rang 15 beschert, aber immerhin gewann er das Sauber-Stallduell gegen Kamui Kobayashi um gut zwei Zehntelsekunden. In der Auslaufrunde winkte er versöhnlich ins Publikum - das heute übrigens noch zahlreicher anwesend war als gestern und für die vielleicht beste Qualifying-Stimmung der gesamten Saison sorgte.

Das prominenteste Q1-Opfer war diesmal Daniel Ricciardo (Toro Rosso), der den Cut gegen Rosberg um 0,252 Sekunden verpasste. Dahinter die große Überraschung: Timo Glock wurde aus eigener Kraft "Best of the Rest", 0,608 Sekunden vor Teamkollege Charles Pic und vor beiden Caterham-Piloten! "Ich habe stark darauf hingearbeitet, dass wir uns vor beide Caterham setzen. Zuletzt waren wir immer nahe dran", jubelt der Deutsche in Diensten von Marussia.

"Die Strecke hier liegt uns ganz gut. Wir haben uns einfach nur auf das Wesentliche konzentriert", berichtet er. "Gestern war mir nach der Installationsrunde klar, dass sich hier alles um den Reifen dreht und darum, ihn zum Arbeiten zu bringen. Das haben wir heute sehr gut hinbekommen und haben zwischen Freiem Training und Qualifying, wo der Temperaturunterschied doch sehr groß war, die richtigen Entscheidungen getroffen. Mir ist eine sehr gute Runde gelungen."

HRT innerhalb der 107 Prozent

Mit einem blauen Auge kam HRT davon, denn die Spanier brachten doch beide Autos in das 107-Prozent-Fenster - obwohl Narain Karthikeyan (24.) in Q1 mit Verdacht auf Motorschaden ausrollte. Pedro de la Rosa, sieben Zehntelsekunden vor Karthikeyan 23., erklärt das Hauptproblem: "Wenn Red Bull acht oder neun Runden braucht, bis die Reifen auf Temperatur sind, dann bedeutet das, dass wir komplett außerhalb des Betriebsfensters sind."

Vettel hat morgen die Chance auf das Meisterstück - sollte er gewinnen, muss Alonso mindestens Dritter werden, um das Titelrennen offen zu halten. Nervös sein sollte er deswegen aber nicht: "Wenn es das letzte Rennen wäre und er müsste es morgen nach Hause fahren, dann wäre er sicherlich mehr nervös. Aber so? Mein Gott, auch wenn er nicht gewinnt, wenn Hamilton es doch schafft, dann ist es nicht so tragisch", glaubt Experte Surer.

Wenn Vettel morgen irgendwo vor Alonso ins Ziel kommt, "muss er in Brasilien nur noch ein paar Punkte machen und kann es ganz locker angehen - wobei es manchmal gar nicht so einfach ist, ein paar Punkte zu machen. Aber andersrum müsste Alonso dann fast gewinnen, um ihn noch schlagen zu können, und danach sieht es nicht aus. Der Ferrari ist wirklich zu langsam", so Surer. Die Entscheidung gibt's zur Primetime: Start in Austin ist um 20:00 Uhr MEZ.

Fotoquelle: xpbimages.com



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