Formel 1 2012

— 19.11.2012

Vettel: "Natürlich wollte ich gewinnen"

Trotz der knappen Niederlage gegen Lewis Hamilton in den USA ist Sebastian Vettel mit Platz zwei zufrieden - Lediglich das Überrundungsproblem ärgert den Deutschen





Sebastian Vettel hat sich bei der Rückkehr in die USA noch nicht vorzeitig den dritten WM-Titel in Folge geholt. Dafür hat der Deutsche mit Platz zwei seinen Vorsprung auf Fernando Alonso (Ferrari) für das Saisonfinale auf 13 Punkte ausgebaut. Der zweite Platz sicherte Red Bull endgültig zum dritten Mal in Folge die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Auf dem neun Circuit of the Americas lag Vettel bis zur 42. Runde in Führung. Dann ging Lewis Hamilton (McLaren) auf der Geraden vorbei. Bis ins Ziel konnte Vettel kein entscheidendes Manöver mehr setzen. Trotzdem zeigte sich der Heppenheimer mit dem Rennergebnis zufrieden.

Frage: "Überwiegt die Freude über den zweiten Platz dem Ärger nicht gewonnen zu haben?"
Sebastian Vettel: "Ich denke, wir können schon zufrieden sein. Wir haben heute alles richtig gemacht. Der Boxenstopp war perfekt und das Rennen war aus unserer Sicht perfekt. Natürlich bleibt der Nachgeschmack, dass wir es Lewis bei dem Überholmanöver vielleicht ein bisschen leicht gemacht haben. Hätte mich Lewis normal überholt, dann wäre es vielleicht anders, aber so hängt es ein wenig nach."

"Der Überrundete ist genau zum falschen Zeitpunkt gekommen, denn zwei Kurven später kam die Aktivierungszone für DRS. Er konnte dann den Flügel aufmachen und entspannt mit Arm raus an uns vorbeifahren. Das war nicht so schön. Alles davor und alles danach haben wir richtig gemacht. Der Speed war da. Die Konstrukteurs-WM zu gewinnen ist keine schlechte Nachricht."

Frage: "Red Bull hat die Konstrukteurs-WM gewonnen, aber deine WM ist noch offen. Wie siehst du die Situation?"
Vettel: "Ich freue mich sehr für das Team. Es war ein schwieriges Jahr und alle Mitarbeiter in Milton Keynes verdienen diesen WM-Titel. Wir waren in diesem Jahr wieder das beste Team. Mark und ich haben immer angegriffen. Für ihn ist der Ausfall natürlich schade. Bei mir war es ein sehr gutes Rennen. Leider bin ich zum falschen Zeitpunkt auf Verkehr gestoßen. Dass es heute nicht mit beiden Titeln geklappt hat, lag nicht in unserer Hand. Viel besser hätte es heute nicht laufen können."

Frage: "Was bedeutet dir der Konstrukteurs-WM-Titel persönlich?"
Vettel: "Für das Team ist es natürlich wertvoller als für den Fahrer. Man kämpft das gesamte Jahr um Punkte und wenn man beide Seiten der Garage zusammenzählt, dann sind das am Ende hoffentlich genug, um vor allen anderen zu sein. Jetzt ein Rennen vor Schluss den Sack zuzumachen, ist fantastisch. Die Jungs sind sehr glücklich. Heute werden wir sicher einen Drink nehmen. Ein Bier ist okay, aber bei zwei oder drei wird es schon problematisch, weil es geht direkt weiter nach Brasilien."

Einladung an Hamilton

Frage: "Was denkst du über deinen zweiten Platz?"
Vettel: "Zwischen Lewis und mir ist es sehr eng zugegangen. Uns war sehr früh klar, dass wir heute gegen Lewis kämpfen. Beim Rest weiß ich nicht. Ich weiß nicht, was mit Mark passiert ist, denn er war lange auf Platz drei. Nach seinem Ausfall herrschte eine große Lücke zu Ferrari. Deshalb war es klar, dass es heute nur gegen Lewis ging. Alles schien unter Kontrolle zu sein. Beim Verkehr ist es sehr schwierig, denn es hängt davon ab, wo man auf der Strecke auf ihn trifft. Bei mir hat es sich sicher nicht zu meinen Gunsten entwickelt."

"Lewis war dann nahe genug dran, nachdem er es vorher mehrmals probiert hatte. Er konnte den Flügel auf der Gegengeraden öffnen. Eigentlich war es eine Einladung für ihn. Es wäre egal gewesen, welche Seite ich gewählt hätte, denn er war auf der Geraden schnell genug und hat sich die Führung geschnappt. Anschließend versuchte ich so nahe wie möglich an ihm dranzubleiben, aber es war hier schwierig jemandem zu folgen und schwierig in Reichweite zu bleiben. Es ist also schade, dass ich den ersten Platz verloren habe, aber wie gesagt haben wir heute alles gegeben."

"Für das Team ist es fantastisch, dass wir die Konstrukteurs-WM gegen Ferrari, die jetzt Zweiter sind, gewonnen haben. Ich freue mich und alle im Team können stolz auf sich sein. Ich schätze, wir werden uns heute Abend einen Drink genehmigen und die Zeit hier genießen. Das gesamte Wochenende war unglaublich, nicht nur für uns, sondern für das ganze Fahrerlager. Das letzte Rennen in den USA hat Lewis damals gewonnen. Für mich war es damals mein erstes Formel-1-Rennen. Und jetzt zurückzukommen und so viel Unterstützung der Fans zu bekommen... Die Autogrammstunde war absolut verrückt und die Tribünen waren voll. Es war heute sehr, sehr schön vor so einer großen Menge zu fahren."

Ärger über Karthikeyan

Frage: "Worüber hast du dich am Funk beschwert, als Lewis dich überholt hat?"
Vettel: "Ich glaube, das hast du falsch verstanden. Ich habe mich nicht über Lewis beklagt. Natürlich war ich nicht happy, dass ich ihm eine große Einladung geschickt habe, als ich an Karthikeyan vorbei musste. Prinzipiell war er bei der DRS-Zone direkt hinter mir. In einer Kurve einen Vorsprung herauszuholen ist praktisch unmöglich. Er hat die Chance genutzt und mich auf der Geraden überholt."

"Ich versuchte mich zu verteidigen und bin nach innen gefahren, aber ich wusste, dass er viel schneller ist und sich die Seite aussuchen kann. Deshalb war es eigentlich egal, was ich tat. Anschließend war ich natürlich nicht glücklich, denn in allen Runden davor versuchte ich, den Abstand groß genug zu halten. Ich versuchte auch mit den Reifen bis zum Rennende zu haushalten, damit ich ihn vielleicht in den letzten Runden attackieren kann. Zu diesem Zeitpunkt waren noch 20 oder 15 Runden zu fahren. Die Kritik war nicht an Lewis gerichtet, sondern mehr an den Überrundeten, denn er hat Lewis ein schön großes Kuvert mit einer Einladung überreicht."

Frage: "Hast du dich deshalb am Funk aufgeregt?"
Vettel: "Ich war natürlich nicht so ruhig wie der Papst. Ich habe um die Führung gekämpft und den Vorsprung auf Lewis durch einen Überrundeten verloren. Für Lewis war es eine schöne Einladung und er hat sie genutzt. Ich versuchte die Innenseite abzudecken, aber er war mit geöffnetem Flügel um so viel schneller als ich, dass er mich ohnehin überholt hätte. Ich war natürlich nicht glücklich, dass ich die Führung verloren habe. Lewis hat mich fair geschlagen. Hätte, wenn und aber zählt nicht. Er hat die Ziellinie vor mir überquert."

Frage: "Wir hören dich im Rennen nur selten so emotional am Funk. Spürst du den Druck? Du warst jetzt zweimal in dieser Position. Ist es beim dritten Mal schwieriger?"
Vettel: "Das hatte in diesem Moment überhaupt nichts damit zu tun. Ich dachte an die Punkte, die heute oder in einer Woche den Unterschied in der WM ausmachen können. Ich wollte heute gewinnen und es war ein fantastisches Rennen. Ich war sehr glücklich und habe das Duell gegen Lewis genossen. Durch diese Situation habe ich dann die Führung verloren. Natürlich wusste ich, dass ich sie vielleicht wieder zurückerobern kann, aber es war dann sehr schwierig."

"Wir waren gleich schnell, also bin ich im gleichen Boot wie Lewis gesessen. Bis zum Ende konnte ich aber kein Manöver setzen. Ich schätze, manchmal ist es für euch schwierig einzuschätzen, was genau passiert, denn es werden nicht alle Funksprüche im Fernsehen gebracht. Manchmal sind sie ruhiger, manchmal nicht so ruhig. In diesem Moment war ich natürlich nicht zufrieden, dass ich die Führung verloren habe."

Frage: "Hat dich Karthikeyan der Sieg gekostet?"
Vettel: "Hätte, wenn und aber... Es ist immer schwer zu sagen. Fakt ist, dass wir nicht gewonnen haben. Fakt ist aber auch, dass er einen Großteil dazu beigetragen hat."

Frage: "Du hast alles getan, um deine WM-Führung zu behaupten. Du warst auch im Qualifying wieder fantastisch. Die offensichtliche Frage ist natürlich, wie dir die Strecke gefällt?"
Vettel: "Vor fünf Jahren, als wir zum letzten Mal in den USA gefahren sind, bin ich mein erstes Formel-1-Rennen gefahren. Es war heute eine schöne Rückkehr. Es war auch mein 100. Grand Prix, was unglaublich ist. Es waren das ganze Wochenende auch viele Fans an der Strecke. Für uns ist diese Unterstützung großartig. Ich freue mich heute speziell für das Team, denn wir haben die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewonnen."

"Ich bedanke mich bei allen, denn es war ein großartiges Jahr. In Brasilien wartet nun die nächste Station auf uns. Nach diesem Rennen sieht es in der Fahrer-Wertung auch ein wenig besser aus. Heute war es ein enges Duell mit Lewis. Er hatte eine Chance und hat sie genutzt. Danach versuchte ich an ihm dranzubleiben und ihn vielleicht wieder zu überholen. Er war aber wahrscheinlich genauso schnell wie ich. Es war dennoch ein schönes Rennen mit einem tollen Ergebnis für uns."

Lichtmaschine bereitet keine Sorgen

Frage: "Dein Teamkollege ist wieder mit einem Schaden an der Lichtmaschine ausgefallen. Vielleicht hat man dir das über Funk gesagt. Inwieweit ist das für dich besorgniserregend? Es scheint ein unlösbares Problem zu sein."
Vettel: "Ich weiß nicht, was genau bei ihm passiert ist. Ich muss mir das erst ansehen. Ich bekomme diese Information erst jetzt, deshalb ist es schwierig etwas dazu zu sagen. Sollte es wieder die Lichtmaschine gewesen sein, dann sind das keine guten Nachrichten. Aber ich glaube, unsere letzten Rennen sind gut gelaufen. Deshalb sollte es leicht zu erklären und das Problem zu finden sein. Nach Monza haben wir unsere Lektionen gelernt. Für die nächste Woche sollten wir vorbereitet sein."

Frage: "Was hast du dir im Rennen gedacht, als Mark wieder mit einem Defekt an der Lichtmaschine ausgefallen ist?"
Vettel: "Das war mir im Rennen nicht bewusst. Es bringt nix, wenn man mir die Information ins Auto funkt. Ich habe gesehen, dass Mark aus dem Rennen raus war. Ich wusste nicht warum, aber ich habe auch gesehen, dass sein Auto noch intakt war. Ich habe es erst im Nachhinein erfahren. Ich denke, dass wir den Großteil des Problems verstanden haben. Was heute bei Mark genau war, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass wir es bis nächste Woche in den Griff bekommen."

Zuversichtlich nach Brasilien

Frage: "Was denkst du vor dem letzten Rennen in Brasilien?"
Vettel: "Ich bin begeistert, denn das Auto scheint gut genug für den Sieg zu sein. In den vergangenen Jahren waren wir in Brasilien sehr schnell. Außerdem haben wir heute die Führung in der WM ausgebaut. Deshalb denke ich, dass wir in der bestmöglichen Situation sind."

Frage: "Du gehst mit 13 Punkten Vorsprung auf Alonso ins WM-Finale."
Vettel: "Das heutige Rennen war sehr gut für uns. In jedem Moment waren wir konzentriert. Man muss sichergehen, dass man das bestmögliche Resultat holt. Platz eins war nach seinem Überholmanöver heute schwierig. Wenn die Autos aber gleich schnell sind, dann ist es schwierig, irgendwo einen Unterschied zu machen. Es liegt alles in unseren Händen und das gilt auch für die kommende Woche. Wir müssen uns auf jeden Schritt konzentrieren. Wenn wir es genießen, dann können wir hoffentlich nach dem Rennen feiern."

Frage: "Du fährst in einer starken Position nach Brasilien."
Vettel: "Wir werden es sehen. Ich erinnere mich an Abu Dhabi. Vor drei Jahren bin ich aufgeregt aufgewacht, aber dann musste man die verschiedenen Szenarien erklären. Wir wollen in Brasilien gewinnen. Sollte das nicht klappen, dann will ich Zweiter werden. Sollte das auch nicht klappen, dann versuche ich Platz drei zu holen, und so weiter. Was die anderen machen liegt nicht in unseren Händen. Die Konzentration liegt auf dem kommenden Wochenende. Es geht mit Volldampf voraus. Es gibt genug Gründe, um zuversichtlich zu sein. Man hat heute wieder gesehen, dass wir die Pace haben. Es sollte also gut werden.

"Es kann alles passieren. Ich glaube, wir sind lange genug dabei, um zu wissen, dass alles passieren kann. Die Dinge können sich nicht nur für uns, sondern auch für die anderen ändern. Wir müssen an das Wochenende genau so herangehen, wie hier. Wir müssen alles herausholen. Das Auto funktioniert und darauf können wir aufbauen. Ich freue mich auf das nächste Wochenende."

Frage: "Ganz Deutschland drückt dir die Daumen. Was kannst du den Fans versprechen?"
Vettel: "Etwas zu versprechen ist immer schwierig. Brasilien wird sicher schwer, denn es ist immer eine Herausforderung. In den letzten Jahren ist es aber gut gelaufen. Die Strecke liegt uns und unserem Auto. Der Speed ist da und die letzten Ergebnisse waren fantastisch. Jetzt hoffen wir, dass es dementsprechend weitergeht. Wir konzentrieren uns auf das Rennen und jede einzelne Runde. Wenn wir am Ende die Nase vorne haben, dann ist das natürlich fantastisch."

Fotoquelle: xpbimages.com



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