Formel 1 2012

— 24.11.2012

Vorteil Vettel: Hamilton in Sao Paulo auf Pole-Position

Sebastian Vettel sichert sich für das Finale als Vierter die bessere Ausgangsposition, aber Lewis Hamilton und Jenson Button stehen in Brasilien in der ersten Startreihe





Es bleibt spannend beim großen WM-Finale der Formel 1, aber Sebastian Vettel geht mit einem Vorteil in den morgigen Grand Prix von Brasilien. Der Titelverteidiger verlor zwar das Red-Bull-Stallduell gegen Mark Webber, sicherte sich aber im heutigen Qualifying in Sao Paulo den vierten Startplatz und steht damit weit vor Fernando Alonso (Ferrari), der unter schwierigen Bedingungen nicht über Rang acht hinauskam.

"Es wird morgen sehr schwierig, aber es ist noch alles möglich. Wir haben dieses Jahr schon oft gesehen, dass wir im Rennen besser sind als im Qualifying", twitterte Ferrari in einer ersten Stellungnahme. Und auch Experte Marc Surer wertet das heutige Ergebnis als Etappensieg für Vettel, denn: "Je mehr schnelle Autos vor Alonso, desto besser. Vettel muss ja nicht gewinnen, sondern kann theoretisch sogar hinter Alonso herfahren."

Dementsprechend ist der Deutsche mit seinem vierten Platz nicht unzufrieden: "Wir wussten, dass es sehr eng wird. Q3 war nicht so gut von mir selbst. Hier und da war ich zu schüchtern, ich habe nicht ganz das Optimum rausgeholt", berichtet er. Vettel hatte in seinem ersten Q3-Run einen Fehler gemacht und im Mittelsektor eine Sekunde verloren, sodass der Druck vor dem zweiten und entscheidenden Run besonders groß war.

Vettel mit Platz vier zufrieden

"Alles in allem können wir ziemlich glücklich sein. Es liegt noch Arbeit vor uns, denn es ist ein langes Rennen und es kann viel passieren", warnt Vettel vor verfrühter Euphorie, auch wegen möglicher Kollisionen am Start: "Es stehen immer Autos um einen herum - wäre doch langweilig, würden nur wir in der Startaufstellung sein und niemand sonst! Das ist ganz normal. Wir haben Spiegel am Auto, auch wenn wir versuchen, sie nicht allzu oft benutzen zu müssen."

Im Ferrari-Lager hatte man gehofft, vom Regenschauer vor der Session und der anfangs noch feuchten Strecke, besonders im dritten Sektor, profitieren zu können. Doch Alonso wurde in Q1 Zehnter, in Q2 Neunter und in Q3 Achter und wirkte nicht mehr so stark wie im Freitagstraining. Am Ende fehlten ihm 0,795 Sekunden auf die Pole-Position - und 0,266 Sekunden auf seinen Teamkollegen Felipe Massa, der Fünfter wurde.

"Es ist nichts schief gegangen. Ich bin zufrieden mit meiner Runde und dem Qualifying", berichtet Alonso. "Wir waren Siebter in Abu Dhabi, Neunter in den USA, jetzt sind wir hier Achter. Das ist also keine Überraschung. Wir sind in den vergangenen Rennen von diesen Positionen aus immer auf das Podium gefahren. Hoffentlich können wir das am Sonntag wiederholen. Ein chaotisches Rennen wäre nicht schlecht - da würde Regen sicher helfen."

Diesmal kein Ferrari-Trick

Ähnlich wie in Austin steht Alonso auf der schmutzigeren Seite der Startaufstellung, aber wie vor einer Woche das Siegel an Massas Getriebe zu durchtrennen, um bewusst eine Plus-Fünf-Strafe in Kauf zu nehmen, steht bei Ferrari diesmal nicht zur Diskussion. Aber auch bei Red Bull bietet Webber (3.) Vettel zunächst keine Hilfe an: "Ich denke, ich werde mich morgen auf mich selbst konzentrieren. Ich will ein möglichst gutes Rennen bieten."

Die Pole-Position sicherte sich in seinem letzten Qualifying für McLaren Lewis Hamilton, 0,055 Sekunden vor seinem Teamkollegen Jenson Button. "Es war bislang ein perfektes Wochenende", strahlt der Brite. "Ich bin extrem dankbar dafür, dass ich hier noch einmal gemeinsam mit Jenson die erste Reihe einnehmen darf, während wir noch im gleichen Team fahren, und ich möchte morgen noch einmal ein tolles Rennen zeigen."

Hamilton rechnet mit einer Lotterie

Doch dass die Pole-Position wegen der schlechten Wettervorhersage noch lange nicht die halbe Miete ist, weiß Hamilton ganz genau: "Das Rennen dürfte morgen bei schwierigen Bedingungen stattfinden, es wird also wohl eher eine Lotterie. Erst einmal haben wir eine sehr gute Ausgangsposition. Von dort aus versuchen wir, den bestmöglichen Job abzuliefern. Wir werden alles geben und dafür sorgen, dass ein erstklassiges Resultat dabei herauskommt."

Button freut sich indes über seine "sehr gute Runde. Es gibt sicherlich auch ein paar Kleinigkeiten, wo ich noch einen Hauch schneller sein können hätte. Insgesamt war die Runde wirklich gut, auch wenn Lewis eine halbe Zehntelsekunde schneller war. Es ist super, dass wir die erste Reihe teilen dürfen, nachdem die vergangenen Qualifyings nicht ganz so gut für mich gelaufen sind. Wir sind in guter Form", meint er selbstbewusst.

Auffällig, dass McLaren mit 314 km/h wieder den besten Topspeed markierte, genau wie schon am Vormittag vor Sauber und Mercedes. Dennoch war Red Bull diesmal im dritten Sektor näher dran, und kurzzeitig sah es schon so aus, als würde Webbers Steigerung im zweiten Q3-Run reichen, um die Pole-Position zu erobern. Aber sowohl Hamilton (Bestzeit in Sektor drei) als auch Button (Bestzeit in Sektor eins) konnten ebenfalls zulegen und ihn noch verdrängen.

Hülkenberg: Immer wieder Brasilien

Die große Überraschung des Qualifyings war Nico Hülkenberg (+0,748), der sich durch die anfangs feuchten Verhältnisse wohl an seine Pole-Position-Runde auf Williams im Jahr 2010 erinnert fühlte. Der Force-India-Pilot führte das Klassement kurzzeitig sogar an, schob sich mit seinem zweiten Q3-Run auf Platz vier nach vorne, wurde dann aber noch auf Platz sieben durchgereicht - unter anderem von Pastor Maldonado (Williams), der um 0,032 Sekunden schneller war.

Kimi Räikkönen (9./Lotus/0,840) erreichte nach dem kapitalen Motorschaden im Abschlusstraining immerhin das Top-10-Finale, ganz im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Romain Grosjean, der rund drei Minuten vor Ende des ersten Abschnitts mit Pedro de la Rosa (24./HRT) kollidierte. Der Franzose war auf einer schnellen Runde, wollte innen im langen Linksbogen vor der Boxeneinfahrt vorbeigehen - und wurde dabei eingeklemmt.

Zwar konnte er nach einem Wechsel des Frontflügels noch eine schnelle Runde drehen, diese reichte aber nicht mehr aus, um den Cut zu schaffen. "Da schneidet jeder die Kurve, das weiß man einfach", sieht Experte Surer die Schuld klar bei Grosjean. "Er hat die falsche Entscheidung getroffen und wurde dafür bestraft." Die FIA-Rennkommissare werden den Zwischenfall genau untersuchen und gegebenenfalls Sanktionen aussprechen.

Grosjean fühlt sich nicht schuldig

"Ich habe meine vier Räder auf der trockenen Linie gehalten und dann gespürt, dass mich jemand am rechten Hinterreifen trifft. Ich kann nicht verstehen, wie jemand an dieser Stelle überholen kann", rechtfertigt sich de la Rosa, und Grosjean sagt: "Ich war die ganze Runde hinter Pedro. Ihm wurden blaue Flaggen gezeigt. Ich wollte ihn überholen und denke, er hat mich übersehen. Ich habe so hart wie möglich gebremst, doch wir berührten uns."

Michael Schumacher verlor indes das letzte Stallduell seiner Karriere, die 2010er-Bilanz gegen Nico Rosberg geht damit 10:10 aus. Rosberg war in Q2 um eine halbe Sekunde schneller und zog damit ins Top-10-Finale ein, wo er Zehnter und Letzter wurde, während Schumacher P14 belegte. Der 43-Jährige setzt voll auf den Wettergott: "Ich schätze, wir waren vielleicht ein bisschen zu sehr auf nasse Verhältnisse abgestimmt. Das hat sich nicht ausgezahlt."

Zeitabstände erneut sehr gering

Auf den Plätzen elf bis 13 landeten Paul di Resta (Force India), Lokalmatador Bruno Senna (Williams), der in Q1 als Zweiter überraschen konnte, dann aber bei immer besser werdenden Bedingungen zurückfiel, und Sergio Perez (Sauber). Auch Kamui Kobayashi (Sauber) und die beiden Toro-Rosso-Junioren mussten nach dem zweiten Abschnitt des gerade im Mittelfeld sehr hart umkämpften Qualifyings die Segel streichen.

Ganz hinten keine Überraschungen: Witali Petrow setzte sich Caterham-intern knapp gegen Heikki Kovalainen durch, Timo Glock war um sechs Zehntelsekunden schneller als Charles Pic - aber keine Chance für Marussia, weiter nach vorne zu kommen: "Hier war relativ schnell klar, dass wir im letzten Sektor nicht mal ansatzweise eine Chance haben. Der KERS-Faktor ist so extrem. Das ist die halbe Sekunde, die uns da fehlt", seufzt Glock.

Für den Grand Prix von Brasilien (ab 16:40 Uhr MEZ live im Ticker) schaut nun alles a) auf das Duell Vettel gegen Alonso und b) auf den Wetterbericht - je nach Vorhersagedienst wird mit bis zu 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit gerechnet, was alles auf den Kopf stellen könnte. Wenn Alonso gewinnt, muss Vettel mindestens Vierter werden. Fällt Vettel aus, reicht Alonso schon ein dritter Platz, um zum dritten Mal Champion zu werden.

Fotoquelle: xpbimages.com

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