Formel 1 2012

— 26.11.2012

Schreck nach 28 Sekunden: "Dieser dumme Senna"

Der Traum vom Gewinn des dritten WM-Titels in Folge wäre bei Sebastian Vettel in Brasilien fast schon in der vierten Kurve geplatzt: Wenn Ayrton das erfährt...





Interlagos am Sonntag um 14:00 Uhr Ortszeit: Die Formel-1-Autos sind aus der Einführungsrunde zurück und haben sich für den Start in das letzte Rennen der Saison positioniert. Sebastian Vettel legt den ersten Gang ein, sucht die optimale Drehzahl, will von Startplatz vier möglichst gut nach vorne schießen. Die Ampeln gehen aus, die Kupplung kommt, der Wagen schießt nach vorn in Richtung Senna-S. In der Anfahrt drückt plötzlich das Schwesterauto von Mark Webber von der rechten Seite.

Vettel muss beim Anbremsen zurückziehen, er fällt hinter Nico Hülkenberg auf den siebten Platz zurück - nicht schön, aber auch kein großes Drama. Gerade einmal acht Sekunden sind vergangen. Am Heck des Force India geht es aus dem Senna-S hinaus und in die folgende schnelle Linkskurve hinein. Vollgas bis auf deutlich über 300 km/h. Nach 28 Sekunden Anker werfen, um die knifflige vierte Kurve gut zu erwischen. Crash! Dreher! Alles verloren?

Nach nicht einmal einer halben Minute hätte der Traum vom dritten WM-Titel in Folge für Sebastian Vettel ausgeträumt sein können. "Da hat Vettel offensichtlich ein bisschen früh gebremst. Kimi Räikkönen weicht nach rechts aus durch die Auslaufzone, um nicht aufzufahren. Bruno Senna sticht innen rein und rammt Vettel", beschreibt jene 'Sky'-Experte Marc Surer jene Szene, die allen Vettel-Fans fast den Renntag vermiest hätte.

"Es sah so aus, als wäre er vorsichtig gewesen. Das kann auch gefährlich sein", analysiert der ehemalige Formel-1-Pilot aus der Schweiz. "Ich bin dort vorbeigekommen in Kurve vier, wo er falsch herum stand, und wir haben uns kurz in die Augen geschaut. Ich dachte: 'Oh, oh, harter Anfang.'", berichtet Marussia-Pilot Timo Glock, der die Situation sofort erfasste und dem Landsmann ausweichen konnte. "Da kam dieser dumme Senna mit einem vollkommen sinnlosen Manöver daher. Das hätte den Titel kosten können", faucht 'RTL'-Fachmann Niki Lauda.

"So etwas Dummes, was der Senna da gemacht hat", stimmt Red-Bull-Teamchef Christian Horner dem Österreicher zu. "Ich weiß nicht, wo der hin wollte. Das war absolut Sennas Fehler." Viele Beobachter hatten schnell den Brasilianer als Verursacher der Kollision ausgemacht. Aber war der Neffe des unvergessenen Ayrton Senna tatsächlich allein der Schuldige? "Er hat mich nicht gesehen, ich habe ihn nicht gesehen, weil er außen war. Er hat mich deshalb getroffen", erklärt der vermeintliche Übeltäter, dessen Heimspiel schnell beendet war.

"Als Rennfahrer musst du dorthin fahren, wo eine Lücke ist. Das hat der Senna gemacht", hat Surer Verständnis für die Aktion des Lokalhelden. Senna habe ganz sicher nicht in den WM-Kampf eingreifen wollen, betont Surer: "Der hat vielleicht gar nicht gesehen, wer das vor ihm ist. Wenn man so im Pulk ankommt, dann sieht man nur die Lücke, durch die man durchfahren möchte." Für den Schweizer war es - wie für Senna auch - ein "normaler Rennunfall".

Für großes Zetern war in jener Situation ohnehin keine Zeit. Es galt anderes zu klären. Vettels Auto hatte bei der Kollision hinten links einigen Schaden genommen. Der Unterboden war ramponiert, ein Teil des Auspuffs lädiert. "Ich war überrascht, dass das Auto überhaupt überlebt hat", sagt Teamchef Horner. Per Telemetrie erkannte man keine Alarmzeichen, eine Reparatur war nicht möglich. Red Bull ließ das Auto beim Vorbeifahren fotografieren. Technikgenie Adrien Newey wurden hochauflösende Ausdrucke vorgelegt.

"Es gab einige Blechschäden, noch mehr Sorge bereitete mir aber das lädierte Auspuffsystem. Wir dachten, er würde brechen und das Auto Feuer fangen", beschreibt der britische Ingenieur seine Analyse des waidwunden RB8 von Vettel. "Alles, was wir tun konnten, war, das Motorenmapping zu ändern, um den Auspuff so kühl wie möglich zu halten. Wir haben dadurch Leistung eingebüßt. Wir haben auch Abtrieb am Heck verloren."

"Das geht ganz schnell, dass ein solch fragiler Auspuff mal bricht. Dann ist Schluss mit lustig. Da hatte er Glück im Unglück", erklärt 'ORF'-Experte Alexander Wurz, der sich bezüglich einer Schuldfrage nicht äußern wollte. Kein Wunder, denn Wurz ist bei Williams für das Fahrercoaching zuständig - somit auch für Bruno Senna. "Das Grab von Ayrton Senna ist hier in Sao Paulo. Ich glaube, ich muss mal hingehen und ihm erzählen, was sein Neffe da gemacht hat! Das hat nicht unbedingt geholfen", nimmt Vettel nach einem Rennen, das mehr als 28 Sekunden dauerte und trotz der Probleme vom Titelgewinn gekrönt war, den Vorfall letztlich mit Humor.

Fotoquelle: xpbimages.com



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