Formel 1 2012

— 26.11.2012

Alonso: "Wir hofften auf ein kleines Wunder - wie immer"

Der Ferrari-Pilot ist stolz auf seine Vizemeisterschaft und seinen Teamkollegen Felipe Massa: "Es war die vielleicht beste Saison meiner Karriere"





Fernando Alonso war der Geschlagene des Brasilien-Grand-Prix, aber so fühlte sich der Spanier gar nicht. Im Gegenteil: In der FIA-PK lobt der Zweitplatzierte in Rennen und Meisterschaft überschwänglich sein Ferrari-Team und die Zusammenarbeit mit Felipe Massa. Von Sebastian Vettel geschlagen worden zu sein führt Alonso allen voran darauf zurück, dass es dem F2012 am nötigen Tempo mangelte.

Frage: "Fernando, wie ist deine Gefühlslage?"
Fernando Alonso: "Ich bin in erster Linie sehr stolz auf das Team und die Saison, die wir abgeliefert haben. Wir haben den Titel verloren, aber ich denke nicht in Brasilien, sondern bei Rennen, in denen wir ein bisschen Pech hatten. Aber das ist Teil des Sports. Wenn man etwas mit dem Herzen macht, wenn man etwas zu 100 Prozent macht, muss man stolz sein auf sein Team. Ich bin glücklich mit ihnen. Im nächsten Jahr versuchen wir es wieder."

Jede Runde hohes Risiko

Frage: "Du wolltest außergewöhnliche Umstände, aber sie schienen nicht außergewöhnlich genug gewesen zu sein. Trotzdem war es ein unglaubliches Rennen."
Alonso: "Ja, ich denke, es war gut und mehr oder weniger das, was ich wollte. Gemischte Bedingungen und ein sehr, sehr schwieriges Rennen. Es war eines der schwierigsten, die ich je gefahren bin. Es fühlte sich auf jeder Runde an, als sei man mit den falschen Reifen unterwegs. Wenn man aber das Team gefragt hat, war jeder in der gleichen Lage und es galt, weiter zu kämpfen."

"In jeder Runde war das Risiko, einen Unfall zu bauen und auszuscheiden, hoch. Wir durften das nicht riskieren, weil wir auf jeden Fall ein Podium brauchten, um noch irgendeine Chance zu haben. Es war also eine prekäre Situation. Aber wir haben es gut gemeistert - mal wieder. Als Siebter oder Achter gestartet und auf dem Podium angekommen. Das ist in den vergangenen Rennen schon Gewohnheit geworden. Das geht nur, wenn das Team Perfektion abliefert. Mit einer guten Strategie, einem guten Start und gutem Tempo des Autos."

"Heute haben wir wieder alles in die Waagschale geworfen und es war sehr gut. Aber man kann eben nicht bestimmen, was die Konkurrenz macht. Ich glaube, Sebastian hätte Achter oder so werden müssen, damit uns der zweite Platz reicht. Das ist schon eine außergewöhnliche Kombination."

"Es ging ums Überleben

"Red Bull in diesem Rennen nicht unter den Top 8 - das ist nicht leicht. Wir hofften auf ein kleines Wunder wie immer in diesem Jahr. Es war von Anfang bis Ende ein Traum und wir haben uns das Geschenk gemacht, bis zum Ende um den Titel zu kämpfen. Wir haben das Rennen genossen, unseren Job gemacht, den Traum bis zu diesem Tag geträumt. Danke an das Team für eine perfekte Saison."

Frage: "Hat dir das Team im Funk gesagt, dass Sebastian sich in der ersten Runde gedreht hat?"
Alonso: "Ja, haben sie. Aber die Bedingungen waren so schwierig, dass es kein großes Drama war, Letzter, Elfter oder Zwölfter zu sein. Es war an der Zeit, locker und ruhig zu bleiben. Das Rennen lief, die Umstände und die Bedingungen auf der Strecke waren total merkwürdig. Als Sebastian weit zurücklag, war das eine Nachricht, um mich zu beruhigen, weil ich auf der Strecke bleiben musste. Das war teilweise das Schwierigste.Es ging nicht um die Rundenzeiten, es ging nicht um Zehntelsekunden, es ging ums Überleben. Es war das schwierigste Rennen."

Frage: "Wo hast du die Meisterschaft verloren?"
Alonso: "An vielen Orten. Ich hatte zwei Ausfälle in diesem Jahr, in 20 Rennen. Und dabei waren es keine Motorenprobleme, keine Getriebeprobleme, keine Fahrfehler. Es war nichts. Es war ein Auto, was mir den Hinterreifen aufgeschnitten hat und eines, das über mich geflogen ist. Bei diesen zwei Starts gab es nichts, was man hätte tun können. Sicherlich verliert man dort einige Punkte. Es gab auch einige Rennen, in denen merkwürdige Entscheidungen getroffen wurden, einige Strafen. Vielleicht haben wir auch da verloren."

Alonso behielt den Durchblick

Frage: "Vor deinem letzten Boxenstopp bist du draußen geblieben, als Sebastian sich Intermediates holte. Wie schwierig war es, die Balance zu finden? Du warst doch auf sehr alten gebrauchten Reifen unterwegs. Wer hat diese Entscheidung getroffen?"
Alonso: "Es war eine gemeinsame. Es wurde ziemlich nass, das Tempo sechs Sekunden langsamer, dann acht, dann waren die letzten zwei Runden 14 Sekunden langsamer als im Trockenen. Sie riefen mich herein, um neue Trockenreifen zu holen."

"Zwei Runden vorher habe ich gesagt: 'Jungs, es regnet heftig, lasst uns noch eine Runde warten. Gebt mir eine Runde mehr, weil ich nicht denke, dass es schon soweit ist für neue Trockenreifen oder Intermediates.' Dann haben wir noch eine Runde gewartet und es wurde klar, dass es Bedingungen für Intermediates sind. Da hatten wir Glück."

Frage: "Hat dich das Team in jeder Runde darüber informiert, was im Titelkampf Sache ist?Was ist mit Felipe Massas Hilfe, wie hast du das gesehen?"
Alonso: "Natürlich wurde ich immer über die Position meiner Gegner informiert. Zu Beginn in Sachen Konstrukteurs-WM und auch in Sachen Fahrer-WM. Nach Hamiltons Ausscheiden war die Konstrukteurs-WM etwas simpler für uns, da konzentrierten wir uns auf die Fahrer-WM. Es ist gut, Bescheid zu wissen, weil du nicht immer weißt, ob du schnell genug bist oder zu langsam - und wenn du dann siehst, dass das Tempo stimmt und dein Gegner zurückschlägt, gibt das zusätzliche Motivation."

Maximales Vertrauen in Massa

"Felipe hatte einen sehr guten zweiten Teil der Saison, mit einigen Podien und einigen guten Leistungen. Ich war in der Lage, im letzten Rennen um die WM zu kämpfen - auch dank der Teamarbeit. Damit meine ich die Ingenieure, die Leute in Maranello, die Sponsoren und die Fahrer. Es wurden viele Tests im Simulator gemacht mit unseren Testpiloten. Es gab viele Tests, die Felipe im Sommer im Simulator gemacht hat. Und es gab die Freien Trainings, die ohne Teamkollegen unmöglich wären - man kann sich das Programm aufteilen und die Ergebnisse austauschen."

"Maximales Vertrauen in Felipes Arbeit - jedes Mal in den Rennen, im Training, im Simulator. Wir sind ein Team. Wir sind eine Einheit. In den vergangenen zwei, drei Rennen, gab es auch Hilfe in den Rennen selbst, was die Positionen angeht und so weiter. Das lag auch an der Position in der Meisterschaft, weil Felipe keine Möglichkeiten mehr hatte und das Team so entscheiden hat. Eine fantastische Mannschaft und danke an jeden, dass wir überhaupt in diese Situation gekommen sind."

Frage: "Was weißt du über Vettels Überholmanöver gegen Kobayashi unter gelben Flaggen? Was muss Ferrari verbessern, um die WM zu gewinnen?"
Alonso: "Die gelben Flaggen - keine Neuigkeit. Nur Jenson (Button, Anm. d. Red.) kam vor mir auf dem Podium an. Es gab da eine vage Hoffnung, als er mir sagte, dass es da ein Problem mit gelben Flaggen gegeben hätte. Aber ich glaube, das stimmte nicht. Ich weiß es aber nicht. Ich bin direkt vom Podium hierher gekommen, vielleicht wisst ihr ja mehr."

Ferrari zu langsam

"In Zukunft müssen wir das Auto verbessern. Wir haben das beste Team, wenn es um die Taktik und die Vorbereitung des Rennens geht. Keine technischen Probleme, das ganze Jahr über nicht. Gute Boxenstopps, gute Starts, gute Strategien. Aber wir waren zu langsam. Wir waren hinter den Red Bull, hinter den McLaren und in den vergangenen Rennen hinter Williams und Force India. Wir waren klar langsamer."

"Das ist etwas, das wir ändern müssen, um im kommenden Jahr um die WM zu kämpfen. Wir können ja etwas langsamer sein, aber nicht so. Diese Saison war eine merkwürdige. Zufälle, die es uns erlaubt haben, bis zum Ende zu kämpfen. Aber ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft nicht so viel Glück haben werden."

Frage: "Bist du eher frustriert, nicht Weltmeister geworden zu sein, oder eher glücklich, bis zum Ende gekämpft zu haben?"
Alonso: "Ich bin sehr zufrieden. Ich denke, ich habe jetzt ein gutes Gefühl. Es war vor zwei Jahren in Abu Dhabi viel frustrierender, weil es damals in unseren Händen lag und wir es verbaselt haben. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Ich bin so stolz und glücklich, bis zur letzten Runde gekämpft zu haben - mit dem Paket, das mir zur Verfügung stand."

"Das ist das Beste für mich: Stolz auf mich selbst zu sein, es war die vielleicht beste Saison meiner Karriere und ich werde sie als traumhaft in Erinnerung behalten. Wir haben nicht die Punkte eingefahren, um zu gewinnen, aber ich habe so viel erreicht und so viel Respekt erhalten."

Frage: "2011 hast du von deiner besten Saison überhaupt gesprochen. War diese noch besser?"
Alonso: "Ja, auf jeden Fall. Ich denke, das Jahr war sehr gut, ich war sehr stolz auf diese Saison - so, wie wir die Rennen angegangen sind. Wir haben Fehler, de wir 2010 begangenen haben, ausgemerzt. Abgesehen von der Konkurrenzfähigkeit des Autos wäre es schwierig, etwas anders zu machen. Alles war gut für mich."

Fotoquelle: xpbimages.com



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