Formel 1 2012

— 28.11.2012

Bottas: "Williams bedeutet mir eine Menge"

Valtteri Bottas im ersten Interview als Stammfahrer: Über seine Ziele 2013, die Unterstützung aus Finnland und den Mythos Williams





Seit heute ist die Katze aus dem Sack: Valtteri Bottas steigt bei Williams vom Test- zum Einsatzfahrer auf und wird im kommenden Jahr als Teamkollege an der Seite von Pastor Maldonado fahren. Im Interview spricht der Finne über die neue Herausforderung und seine Ziele im kommenden Jahr. Dabei blickt er auch auf seine Freitagseinsätze zurück und erklärt, warum er sich auf die neue Aufgabe gut vorbereitet fühlt. Außerdem spricht er über die Unterstützung aus Finnland und sein Verhältnis zu Mika Häkkinen.

Frage: "Valtteri, du warst seit 2010 Testfahrer bei Williams. Wie fühlt es sich an, nun endlich Einsatzfahrer des Teams zu sein?"
Valtteri Bottas: "Nächstes Jahr in der Formel 1 zu fahren, fühlt sich unglaublich an, umso mehr bei einem Traditionsrennstall wie Williams. Seit ich im Alter von sechs Jahren im Kartsport anfing, habe ich hart auf dieses Ziel hingearbeitet. Aber jetzt fängt erst die richtige Arbeit an, denn ich muss mich auf die größte Herausforderung meiner Karriere vorbereiten. Die Tatsache, dass ich schon seit 2010 bei Williams bin, wird mir sehr helfen, da ich die Ingenieure gut kenne und eine gute Arbeitsbeziehung zu ihnen habe."

Frage: "Frank Williams hat gesagt: 'Valtteri ist einer der talentiertesten jungen Rennfahrer, die ich je gesehen habe. Ich erwarte in der Zukunft Große von ihm'. Damit lastet zu Beginn deiner Formel-1-Karriere eine Menge Druck auf dir. Wie denkst du darüber?"
Bottas: "Wir hatten eine kleine Veranstaltung in der Fabrik, bei der Frank das Gleiche gesagt hat. Als ich dann das Wort ergriffen habe, war das Erste, was ich sagte: 'Vielen Dank für all den Druck, Frank'. Diese Worte von Frank bedeuten mir viel. Ich bewundere ihn. Er treibt dieses Team seit so vielen Jahren an und war so erfolgreich."

"Aber es ist mein eigenes Ziel, in der Zukunft erfolgreich zu sein. Ich bin nur deshalb in der Formel 1, weil ich gegen die besten Rennfahrer der Welt antreten will. Dabei will ich mich natürlich behaupten und eines Tages Weltmeister werden. Im nächsten Jahr wird es vor allem darauf ankommen, zu lernen, so schnell wie möglich den Speed zu finden, Fehler zu minimieren und Punkte nach Hause zu bringen. Ich weiß, was ich kann, und das Team weiß, dass ich Gutes erreichen kann, wenn ich öfter zum Fahren komme und mehr Erfahrung gewinne."

Konstante Punkte sind das Ziel

Frage: "Was bedeutet dir Williams, und was ist dein Minimalziel in der kommenden Saison?"
Bottas: "Williams bedeutet mir eine Menge. Man muss sich nur ihre Geschichte anschauen. Viele großartige Fahrer und Weltmeister sind für das Team gefahren. Sie sind seit 35 Jahren in der Formel 1. Ich freue mich, ein Teil des Teams zu sein und will auch wegen der großen Historie gute Leistungen bringen. Was die kommende Saison betrifft, so möchte ich mich als Fahrer weiterentwickeln und konstant in die Punkte fahren. Ob das möglich sein wird, wissen wir erst in Melbourne. Erst dann stellt sich heraus, wie gut unser Auto sein wird. Aber spätestens in der zweiten Saisonhälfte möchte ich alles aus dem Auto herausholen."

Frage: "Du bist jetzt schon seit einigen Jahren bei Williams. Denkst du, dass du in dieser Zeit alles Notwendige gelernt hast, um die neue Aufgabe zu meistern?"
Bottas: "Ich denke schon. Die Entscheidung, dass ich in diesem Jahr bei allen Grands Prix vor Ort war und bei den meisten im Freien Training gefahren bin, war die perfekte Vorbereitung auf die Zukunft. Dadurch konnte ich beweisen, was ich im Auto leisten kann. Außerdem kenne ich bis auf Melbourne, Monaco, Singapur und Austin alle Strecken. Als junger Fahrer kann man nicht mehr erwarten, denn es gibt kaum Tests. Am Freitag im Auto zu sitzen, war sehr hilfreich. Ich bin dankbar, dass mir das Team diese Gelegenheit gegeben hat."

Frage: "Wie lange denkst du, wird die Eingewöhnungsphase dauern, bis du wieder deinen maximalen Speed erreichst?"
Bottas: "Das müssen wir abwarten. Aber ich fahre Rennen, seit ich sechs Jahre alt bin. Da werde ich in einer Saison ohne Rennen nicht alles verlernt habe, zumal ich oft im Simulator und an den Freitagen im Auto gefahren bin. Ich erwarte kein großes Problem und denke, dass ich schnell wieder auf Tempo komme."

Neuling Bottas bei Williams ein alter Hase

Frage: "Wie groß ist der Vorteil, nachdem du die Ingenieure, das Team und die Abläufe bereits kennst?"
Bottas: "Ich bin seit 2010 Teil der Williams-Familie und fühle mich in Grove und an der Rennstrecke im Team wie zu Hause. Ich kenne meine Ingenieure sehr gut; wir wissen, wie wir uns gegenseitig das Beste aus uns herausholen können. Außerdem wohne ich in England und bin erst kürzlich in die Nachbarschaft der Fabrik gezogen. Daher bin ich oft dort und kenne alle sehr gut."

Frage: "Die Leistung von Williams war in dieser Saison sehr schwankend. Glaubst du, dass du, sofern das Auto es zulässt, von Beginn an um Punkte fahren kannst?"
Bottas: "Punkte zu gewinnen, ist unser Ziel. Aber wir müssen sehen, wo wir stehen, wie gut unser Auto ist. Wir werden den ganzen Winter daran arbeiten, im nächsten Jahr ein gutes Paket zu haben. Mein Ziel wird sein, gleich zum Saisonbeginn in die Punkte zu fahren."

Frage: "Erwartest du, dass du dich gegen Pastor durchsetzen kannst?"
Bottas: "Pastor wird ein sehr starker Teamkollege sein. Er wird seine dritte Saison bei Williams fahren. Er kennt das Team gut und hat einige beeindruckende Resultate erzielt, vor allem beim Sieg in Barcelona und bei einigen Qualifyings. Er ist schon ein guter Richtwert. Wenn ich in der zweiten Saisonhälfte genau so gut oder besser wie er sein sollte, wäre wirklich schön."

Wolff an Verhandlungen nicht beteiligt

Frage: "Toto Wolff, der geschäftsführende Direktor von Williams, ist Teil deines Management-Teams. In wieweit war ein in die Entscheidung eingebunden, dich zum Einsatzfahrer zu befördern?"
Bottas: "Toto hat mich in meiner Karriere immer gefördert, aber wegen seiner Funktion bei Williams war er nicht in die Vertragsverhandlungen eingebunden. Wie bei allen Entscheidungen haben Sir Frank und der Vorstand das letzte Wort. Ich danke Toto dafür, dass er mir dabei geholfen hat, Teil des Teams zu werden, aber es lang an mir selbst, Frank und den Rest des Teams davon zu überzeugen, dass ich über das Talent und die Entschlossenheit verfüge, die man als Rennfahrer braucht."

Frage: "Was bedeutet es für Finnland, einen weiteren Formel-1-Fahrer zu bekommen?"
Bottas: "Ich hoffe, sie werden stolz auf mich sein und mich gut unterstützen. Die finnischen Fans haben immer zu mir gehalten. Im nächsten Jahr eine weitere finnische Flagge auf einem Formel-1-Auto zu sehen, ist toll."

Frage: "Was kannst du uns über die Unterstützung aus Finnland sagen?"
Bottas: "Schon immer, seit ich im Kart angefangen habe, wurde ich von einigen finnischen Firmen gefördert. Ohne diese Unterstützung wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Dafür bin ich dankbar, hoffentlich kann ich das mit guten Resultaten bei Williams zurückzahlen."

Frage: "Du hast ein enges Verhältnis zu Mika Häkkinen (Teil des Managements, Anm. d. Red.). Hast du nach der Vertragsunterzeichnung mit ihm gesprochen? Und falls ja, was hat er gesagt?"
Bottas: "Ich stehe ständig mit Mika in Kontakt, wir sprechen jede Woche und nach jedem Rennen miteinander. Mika freut sich sehr. Er hat eine Menge für mich getan. Als ich noch ein Kind war und im Kart gefahren bin, war er eines meiner großen Vorbilder. Er ist genau so glücklich wie ich."

Fotoquelle: xpbimages.com



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