Formel 1 2012

— 30.11.2012

Was einen guten Teamchef ausmacht

Organisator, Krisenmanager oder Motivator: Ross Brawn, Christian Horner und Co. philosophieren darüber, was einen Teamchef zu einem guten Teamchef macht





Man sieht sie während der Trainings und Rennen am Kommandostand auf der Boxenmauer, bei Interviews und Pressekonferenzen oder im Idealfall am Sonntagnachmittag bei der Siegerehrung. Doch die Aufgaben eines Teamchefs gehen noch wesentlich weiter. Im Fahrerlager der Formel 1 gehören die Anführer der Rennställe zu den meistbeschäftigten Personen, und vor allem bei Triumphen oder Pannen stehen sie im Mittelpunkt des Interesses. Doch was macht einen Teamchef eigentlich zu einem guten Teamchef?

"Wenn du beginnst, Rennen zu gewinnen", bringt Lotus-Teamchef Eric Boullier die Sache auf den Punkt. Der Franzose weiß seit Kurzem, wovon er spricht: Kimi Räikkönen Sieg in Abu Dhabi war der erste in der Karriere des Franzosen an der Spitze eines Formel-1-Teams. Auch für Monisha Kaltenborn, die erst vor wenigen Wochen bei Sauber die Rolle der Teamchefin übernommen hat, sind die sportlichen Resultate die Messlatte: "Am Ende des Tages werden wir alle an den Ergebnissen gemessen. Wenn du gut bist und gute Leistungen erzielst, musst du ein guter Teamchef sein."

"Richtig, du wirst an den Resultaten gemessen", stimmt Ross Brawn seiner Kollegin zu. "Die Resultate eines Teams in der Formel 1 sind offensichtlich, die kann man nicht verstecken." Nach Ansicht des Mercedes-Teamchefs sind vom Anführer eines Formel-1-Teams vor allem aber Fähigkeiten eines Krisenmanager gefragt: "Die wahren Qualitäten zeigen sich eher im Moment der Niederlage als bei einem Sieg. Auf Fehler zu reagieren, das Team weiterhin zu motivieren und wieder alles ins Lot zu bringen, das ist unsere herausragende Eigenschaft", meint Brawn.

Und dies muss ein Formel-1-Teamchef regelmäßig unter Beweis stellen. "Jeder Teamchef wird regelmäßig mit Rückschlägen konfrontiert. Das liegt in der Natur der Formel 1. Es gibt nur einen Sieger, alle anderen sind Verlierer", so Brawn. "Die Art uns Weise, wie du darauf reagierst und versuchst, die Situation zu verbessern, sagt etwas darüber aus, ob du ein guter Teamchef bist und es drauf hast."

"Es gibt nicht eine herausragende Eigenschaft, sondern ist eine Summe mehrere Punkte", meint Boullier. Für den Franzosen ist es vor allem eine Frage der Organisation: "Du musst die richtigen Leute ins Team holen, das richtige Geschäftsmodell für dein Team entwickeln und natürlich die besten Fahrer suchen. Alle zusammen müssen dann in einer wettbewerbsorientierten Umgebung sehr gut zusammenarbeiten. Und manchmal musst du auch ein wenig wie ein Politiker agieren, damit das gesamte Paket erfolgreich wird", so Boullier. "So könnte man es zusammenfassen, auf diese Weise sollte es funktionieren."

Für Christian Horner, den jüngsten und in den vergangenen drei Jahren erfolgreichsten Teamchef gibt es keine klare Definition: "Die Rolle des Teamchefs wird in jedem Rennstall anders gesehen. Es kommt dabei auf den Menschen an, seinen Hintergrund und seine Ausbildung", so der Red-Bull-Teamchef, der sich auch in der Rolle des Motivators sieht: "Du musst das Beste aus deinen Mitarbeitern herausholen, sei ermutigen und wenn nötig Hindernisse beseitigen."

"Die Visionen, die Ziele müssen von oben bis unten im gesamten Team die gleichen sein, denn die Formel 1 ist die größte Mannschaftssportart der Welt und vor allen Dingen immer noch eine Sportart", meint Horner. "Natürlich kann man sagen, dass es von Montag bis Freitag ein ganz normaler Beruf ist, aber letztlich ist es ein Sport, bei dem du gegen deine Rivalen antrittst. Und nur, wenn alle als Gruppe zusammenarbeiten, kannst du große Ziele erreichen. Es gibt keine Garantie für den Erfolg, aber es ist eine Sportart, aus der du herausholen kannst, was du hineinsteckst."

Auch für Martin Whitmarsh spielt die menschliche Komponente eine wichtige Rolle: "Formel-1-Teams sind eine Ansammlung von Leuten, die unglaublich hart arbeiten. Egal, an welches Ende der Startaufstellung du schaust, alle arbeiten sehr hart", so Whitmarsh. "Ein guter Teamchef sollte sich immer der Tatsache bewusst sein, dass jeder Einzelne im Team wichtig ist." Darüber hinaus sollte seiner Meinung nach noch eine weitere Eigenschaft mitbringen: "Ein dickes Fell."

Fotoquelle: xpbimages.com



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