Formel 1 2012

— 05.12.2012

Minardi über Bella Italia: Finanzen al dente

Der Ex-Teamchef klagt bitterlich darüber, dass Länder wie Venezuala staatliche Mittel in die Formel 1 pumpen und so jede Chancengleichheit zunichte machen





Italien befindet sich in einer Formel-1-Diaspora. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es vier Grand-Prix-Siege für die Rennfahrernation, von denen drei Giancarlo Fisichella und einen Jarno Trulli einfuhr. Von einem WM-Titel ist Italien seit Riccardo Patrese weit entfernt und Besserung ist nicht in Sicht. Schließlich gibt es nach dem Trulli-Aus keinen Piloten vom Stiefel mehr in der Königsklasse. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in der kommenden Saison daran etwas ändert", meint Giancarlo Minardi.

Die Kandidatenliste ist überschaubar. Immer wieder durch optimistische Ankündigungen fällt Davide Valsecchi auf, einen Vertrag scheint der 25-Jährige aber nicht in Aussicht zu haben. "Neben seinem Titel in der GP2 hat er in Abu Dhabi eine exzellente Leistung abgeliefert. Er und sein Team arbeiten hart, aber es wird nicht einfach", prognostiziert Ex-Teamchef Minardi. Beim Young-Driver-Test durfte Edoardo Mortara den Lotus testen, die Aussichten auf ein Stammcockpit sind aber ebenfalls trüb.

Hoffen auf Autokonzerne

Schließlich besitzt der aktuelle Audi-Pilot in der DTM hier eine finanziell lukrative Alternative. Für Luca Filippi scheint die Tür zur Formel 1 nach seinem missglückten US-Intermezzo ohnehin längst verschlossen. Minardi macht für die italienische Krise auch die derzeitigen Gepflogenheiten im Motorsport-Business verantwortlich. "Leider wissen wir, dass Können nicht genug ist", spielt der 65-Jährige auf die aktuelle Paydriver-Debatte in der Königsklasse an und übt scharfe Kritik an dieser Praxis.

Sollte sich nichts ändern, befürchtet Minardi: "Sonst haben wir weiter Fahrer mit großen Sponsoren oder sogar Staaten im Rücken, die Motorsport als Werbeplattform nutzen." Eine Anspielung auf Pastor Maldonado, der von Venezuelas Präsident Hugo Chavez Petrodollar für seine Karriere kassiert. Abhilfe kann sich Minardi nur vorstellen, wenn große Konzerne wieder aktiv werden. "Wir hoffen, dass Porsche Saubers Motorenlieferant wird und Honda der von McLaren. Nur so kommen talentierte Fahrer zurück."

"Ein Kampf gegen die Welt"

Denn die Königsklasse ist teuer: "Wer heute Formel-1-Fahrer werden will, muss mindestens 15 Millionen Euro ausgeben." Und die haben viele italienische Talente nicht, weil es in einem von der Eurokrise gebeutelten Land nur wenig potente Geldgeber gibt. Und so können die Fans in Rom, Mailand und Neapel von einer Renaissance der goldenen Ära der Italiener nur träumen - als in den ersten vier Jahren der modernen Formel 1 Nino Farina, Luigi Fagioli, Piero Taruffi und Alberto Ascari für Alfa Romeo und Ferrari 20 Grand-Prix-Siege landeten.

Doch wer ist der nächste Ascari? "Es ist eine Genugtuung, talentierten Nachwuchs zu sehen. So wie Riccardo Agostini", erwähnt Minardi einen talentierten Mann aus der Formula Abarth und der italienischen Formel 3, der bereits einen Ferrari aus der Königsklasse testen durfte - genau wie Davide Rigon, der sogar bei einem Young-Driver-Test in Magny-Cours ins Lenkrad griff.

Die Nachwuchsförderung auf dem Stiefel betrachtet der Ex-Teamchef wohlwollend: "Italienische Meisterschaften sind extrem umkämpft. Wir haben kein Qualitätsproblem", betont er energisch. Finanzielle Probleme gibt es hingegen schon: "Es ist ein Kampf gegen die Welt, wenn andere Länder Motorsport als Werbeplattform nutzen", beklagt sich Minardi.

Fotoquelle: xpbimages.com



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