Formel 1 2012

— 12.12.2012

Fahrlehrer Wurz: "Drei von vier Bereichen waren gut"

Alexander Wurz blickt auf seine erste Saison als Fahrer-Coach bei Williams zurück - was Pastor Maldonado und Valtteri Bottas charakterisiert





Seine Formel-1-Erfahrung ist völlig unbestritten, weshalb Alexander Wurz auch in seiner neuen Rolle als Fahrer-Coach des Williams-Trios Pastor Maldonado, Bruno Senna und Valtteri Bottas auf eine recht erfolgreiche Saison 2012 zurückblicken kann. Allen voran natürlich die Sternstunde von Barcelona, als Maldonado seinen ersten Grand Prix gewann. Für Frank Williams und Co. ging damit gleichzeitig eine jahrelange Durststrecke zu Ende.

Andererseits fielen der Venezolaner und auch sein Teamkollege Senna wiederholt durch diverse Kollisionen auf, bei denen das Team wertvolle Punkte liegen ließ. Gegenüber 'Motorsport-Total.com' zieht der 38-jährige Österreicher ein Fazit seiner ersten Saison als Fahrer-Mentor - natürlich mit dem Schwerpunkt auf Maldonado und Youngster Bottas, den beiden Stammpiloten 2013.

Frage: "Alex, gleich einmal etwas provokant gefragt: Kannst du denn als Fahrercoach von Pastor Maldonado nun mit der Saison 2012 zufrieden sein oder eher nicht?"
Alexander Wurz: "Das kommt ganz darauf an. Pastor ist in Sachen Performance und Reifenmanagement absolut auf der Höhe der Zeit. Beim Thema Setup gibt es in der ganzen Saison keine Aussage von ihm, dass das Setup nicht gut war und das sind die Dinge, die in den Bereich Fahrer-Coaching fallen."

"Dann gibt es aber noch den Bereich der Punkteausbeute und da muss man schon sagen, dass es einige Vorfälle gegeben hat. Das ist aber auch gerechtfertigt, weil sich alle Stars, alle zukünftigen Weltmeister irgendwann einmal reiben müssen, um zu lernen. Das ist ganz normal. Unsereins reibt sich zum Beispiel mit seinen Eltern, andere machen das im Rennwagen."

"Unter dem Strich haben wir aber zu viele Punkte damit verloren und das ist sicherlich die negative Seite. Von den vier wichtigen Themen gibt es also drei Punkte, die sehr positiv ausfallen und einen Bereich, der verbesserungswürdig ist."

Nicht wieder selbst ins Auto setzen

Frage: "Wenn du zum Beispiel über das Thema Setup sprichst, war das ein Punkt, bei dem du ihm helfen konntest? Oder ist da vieles von ihm selbst gekommen?"
Wurz: "Ob ich ihm geholfen habe, weiß ich nicht. Wir arbeiten aber intensiv an diesen Dingen. Das gilt genauso für das Reifen-Management. Wann wie welches Feedback wichtig ist, damit die Ingenieure im Verlauf des Rennwochenendes die richtige Entwicklungsarbeit unternehmen können. Da bestimmt das Reifen-Management sehr viel, es ist ein Hauptteil der gesamten Aufgabe. Es geht darum, mit dem Setup und dem Fahrstil alles richtig zu machen, damit der Reifen alles das bekommt, was er braucht."

Frage: "Wäre es bei solchen Dingen nicht sinnvoll, wenn du selbst dich wieder einmal einen Tag lang ins Auto setzt?"
Wurz: "Nein, dabei geht es um physikalische Gesetze, um Daten und Fakten. Dabei geben dir Fahrer und Ingenieure genügend Feedback, daraus kann ich mir genügend Informationen ziehen."

Frage: "Du glaubst also nicht, dass es hilfreich wäre, wenn du genau weißt, wovon gerade gesprochen wird?"
Wurz: "Nein, das geht so auch."

Frage: "Hättest du Lust darauf, einmal wieder ins Auto zu steigen? Vielleicht auch nur um zu sehen, wo du inzwischen stehen würdest?"
Wurz: "Nein. Ich würde mir grundsätzlich die ganze Arbeit der Formel 1 nicht mehr antun wollen. Ich bin sehr glücklich und zufrieden bei den Sportwagen."

"Hard-Wired" Maldonado

Frage: "Wenn du die drei Fahrer, die bei Williams unter Vertrag stehen, charakterisieren würdest, wie würdest du die drei Piloten beschreiben? Insbesondere auch im Hinblick darauf, wie du mit ihnen zusammenarbeitest?"
Wurz: "Das ist sehr unterschiedlich. Am Intensivsten arbeite ich mit dem Valtteri (Bottas; Anm. d. Red.). Aus gegebenem Anlass und weil ich am Wochenende die meiste Zeit mit ihm habe. Ich arbeite mit ihm nicht nur als Fahrer, sondern auch in der Bebachtung der anderen beiden Piloten. Ich analysiere zusammen mit ihm sehr viel, damit er dieses analytische Denken erlernt, das er dann später brauchen wird, um selbstständig zu sein."

"Das macht extrem Spaß, denn Valtteri ist wie ein Schwamm, der alles aufsaugt. Er setzt alles sensationell um, was mir richtig Freude bereitet. Wenn wir zum Beispiel sagen, dass man in Kurve 7 nicht mit acht Prozent Slip fahren muss, sondern mit zehn Prozent, dann schafft er das."

"Mit Pastor und Bruno (Senna; Anm. d. Red.) ist es auch sehr unterschiedlich, weil es zwei ganz verschiedene Charaktere sind, die zu der gesamten Materie einen ganz unterschiedlichen Zugang haben. Vor allem unterscheiden sie sich in Sachen Fahrstil."

"Pastor kann durch seinen Instinkt das Auto unheimlich gut ausloten. Er hat einen 'hard-wired' Fahrstil, der in seinem Gehirn fixiert ist und holt dabei das Maximum aus dem Auto. Es gibt im Fahrerlager einige Piloten, die das so machen und es gibt andere, die sich ständig anpassen. Sein System kann man nicht mehr umstellen. Da kann man nur rund um seinen Stil herum alles optimieren. Anders ist es bei Bruno, der noch viel mehr variiert und experimentiert."

Wurz und die Egotrips

Frage: "Wenn du dich - vor allem in die Position der beiden Stammfahrer - hineinversetzen würdest, hättest du als junger Pilot solch einen Fahrercoach akzeptiert, wenn man dir so etwas damals gegeben hätte?"
Wurz: "Also ich war schon als Jugendlicher beim BMX-Fahren extrem stur und habe vieles - im Nachhinein gesehen - aus jugendlicher Dummheit heraus abgelehnt. Aber eines habe ich immer gemacht: Wenn mir jemand Informationen gebracht hat, die gut waren, dann habe ich diese Informationen verwendet."

"Aber zuzugeben, dass diese Informationen gut oder sogar besser waren, als das, was ich selbst machen wollte, und mir also weitergeholfen haben, ist wieder eine ganz andere Geschichte. Da kommen wir dann in den Bereich der Egotrips, die du als Rennfahrer ja auch brauchst. Wenn die Informationen aber schlecht sind, dann lehnst du sie höflich ab und denkst dir deinen Teil. Wenn es bei uns jetzt Wochenenden gibt, an denen im Coaching mit den Piloten nichts zu tun ist, weil alles von ganz alleine gut läuft. Dann kümmere ich mich auch um ganz andere Dinge wie etwa Ingenieursaufgaben."

Frage: "Kannst du dir denn eine weitere Karriere in einer anderen Funktion entweder bei Williams oder grundsätzlich in der Formel 1 vorstellen?"
Wurz: "Das kann ich schon und es gab auch schon einige Angebote in diese Richtung. Aber derzeit mache ich dieses Fahrer-Coaching, weil es ganz einfach von meinem Zeitplan her passt. In Zusammenhang mit meinen Aufgaben als Sportwagenpilot bei Toyota und mit meinem Fernsehdeal (als Co-Kommentator beim ORF; Anm. d. Red.) kann ich im Augenblick nicht mehr machen."

Fotoquelle: xpbimages.com



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