Formel 1 2012

— 20.12.2012

Rosberg: "Bin froh, dass es zu Ende ist"

Exklusiver Jahresrückblick mit Nico Rosberg: Warum er im Boxer-Outfit sein letztes Interview gibt und 2012 trotz des ersten Sieges möglichst rasch abhaken möchte





Samstagabend in der Mercedes-Fabrik in Brackley: Nico Rosberg hat sich gerade durch einen Terminmarathon gekämpft, saß zuerst in der Maske, gab dann dem Playboy ein Interview und hat nun den Telefonhörer in der Hand, um 'Motorsport-Total.com' das letzte Interview vor seinem Weihnachtsurlaub zu geben - und zwar als kleiner Evander-Holyfield-Verschnitt mit Boxerhose und -handschuhen.

Hintergrund ist, dass der 27-Jährige auf den Beginn der Weihnachtsfeier wartete, und bei der lautete das Thema dieses Jahr Las Vegas. Und dass Rosberg feiern kann, wenn er denn nur will, hat er schon im Jahr zuvor bewiesen, als er beim Karaoke ebenso leidenschaftlich wie sympathisch den U2-Klassiker "Where the Streets Have No Name" auf die Bühne schmetterte, optisch irgendwo zwischen Bono und Lewis Hamilton zu seiner Wuschelkopf-GP2-Zeit.

Der Jahresrückblick 2012 könnte für ihn kaum gemischter ausfallen: Einerseits hat er mit dem Sieg in Schanghai endlich ein altes Schreckgespenst vertrieben, andererseits holte er in den letzten sechs Rennen keine Punkte mehr. Und weil Rosberg die Formulierung "totale Katastrophe" auf Teamweisung hin nicht mehr verwenden darf, nehmen wir ihm diese Bewertung für die zweite Saisonhälfte einfach ab...

Kurze Haare: Ein Friseur in Dubai...

Frage: "Nico, du hattest am Saisonbeginn kurze Haare. War das eine Bitte deiner Freundin oder vom Team, oder wolltest du einfach nicht mehr Britney genannt werden?"
Nico Rosberg: "Das war doch nicht das erste Jahr, oder? Letztes Jahr doch auch schon..."

Frage: "Tatsächlich? Ich dachte, das war dieses Jahr ein neues Styling..."
Rosberg: "Nein, nein, das war auch letztes Jahr schon. Ich wollte einfach mal was anderes. Die langen Haare waren irgendwann nervig zu stylen. Das ist bei kurzen einfacher, und deswegen wollte ich sie abschneiden. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich das gut finde. Jetzt bin ich aber sehr, sehr froh. Nie wieder lange Haare! Kurz find' ich richtig cool."

"Ich bin nach der Saison 2010 in Dubai zum Friseur. Der war gerade erst sieben Tage vorher eingewandert. Er wusste nicht, ob er Taxifahrer werden sollte oder Friseur. Er nahm letzteres. Es war etwas mulmig anfangs, aber dann wurde es doch ganz gut. Ob er das jetzt immer noch macht, weiß ich allerdings nicht."

Frage: "Du machst nach jedem Rennen diese Videoblogs, die bei den Fans richtig gut ankommen, weil es etwas ganz anderes ist und die Fahrer von einer anderen Seite zeigt. Überlegst du dir da vorher, was du da sagst, oder entsteht das spontan?"
Rosberg: "Nein, das ist komplett spontan. Georg (Nolte, sein Medienberater; Anm. d. Red.) hält mir die Kamera ins Gesicht, und dann labere ich los."

Medien-Vollprofi durch und durch

Frage: "Du schaffst es, parallel das Gleiche in Englisch zu machen - mit fast dem gleichen Inhalt. Damit hast du keine Schwierigkeiten?"
Rosberg: "Nein, das bin ich gewohnt, weil das mache ich ja jetzt schon viele Jahre. Daher ist das nicht mehr so schwierig für mich. Ich quatsche einfach und habe kein Problem damit, in die Kamera zu sprechen. Ich weiß ja, was die interessantesten Punkte sind, und versuche, es für die Fans so interessant es geht darzustellen. Das ist nicht so schwierig."

Frage: "Wir führen dieses Interview unmittelbar vor der Mercedes-Weihnachtsfeier in Brackley. Wie sah dein Alltag nach Brasilien aus? Ist das jetzt der Urlaubsbeginn für dich?"
Rosberg: "Ja, es war recht busy. Es geht ja jetzt dann direkt wieder los mit den Vorbereitungen für nächstes Jahr. Ich hatte noch einige Sponsorentage, war oft in der Fabrik, und heute die Weihnachtsfeier ist der sogenannte letzte Arbeitstag, auch wenn es nicht wirklich Arbeit ist. Denn ich bin hier, weil ich einfach die Mannschaft treffen möchte, was für die Motivation gut ist."

"Ich sitze jetzt gerade im Boxanzug am Telefon, denn das Thema ist Las Vegas. Da habe ich mir gedacht, ich gehe als Boxer. Ich war mit meinem Vater als kleiner Junge mal im Box-Mekka Vegas beim Fight Holyfield gegen Lewis. Deswegen habe ich jetzt meine Boxschuhe, Tapes, eine Boxhose und einen riesigen Bademantel an. Jetzt geht's los!"

Frage: "Was überwiegt nach dem letzten Rennen in Brasilien: Ist es die Freude, dass du diesen ersten Sieg aus dem Weg geräumt hast, oder ist es die Enttäuschung über den weiteren Saisonverlauf danach?"
Rosberg: "Ich bin froh, dass es zu Ende ist. Ich bin froh, bald ein neues Auto zu kriegen, denn am Ende des Jahres war mit dem Auto nicht mehr so viel zu reißen. Es ist einfach eine riesige Freude auf das nächste Jahr da. Ich bin voll motiviert. Ich denke sehr, sehr wenig über dieses Jahr nach und bin schon voll fokussiert auf nächstes Jahr."

Eigentlich nicht mit Sieg gerechnet

Frage: "In einem Jahresrückblick muss Schanghai natürlich das Thema sein. Hattest du, als du am Sonntagmorgen in Schanghai aufgestanden bist, das Gefühl, dass heute dein Tag ist und etwas passieren könnte?"
Rosberg: "Nein, eigentlich weniger. Ich bin immer davon überzeugt, dass ich gut fahren werde, aber ich habe nicht gedacht, dass ich gewinnen könnte, weil wir in den Rennen zuvor so schlechte Erfahrungen gemacht haben - mit dem Rennspeed. Auch wenn es im Qualifying gut ging, waren die ersten Rennen in Sachen Rennspeed nicht so gut."

Frage: "Du hast nach dem Rennen im TV angekündigt, dass du deinen Vater anrufen wirst. Erinnerst du dich noch an dieses Telefonat?"
Rosberg: "Es war einer der schönsten Momente, mit meiner Familie und mit Vivian (seiner Freundin; Anm. d. Red.) zu sprechen. Das war eines der ganz tollen Erlebnisse von diesem Event."

Frage: "Gab es abseits der Kamera einen Moment, wo du eine Träne verdrückt hast?"
Rosberg: "Tränen nicht, aber es war sehr emotional."

Frage: "Einer der ersten Gratulanten - ich erinnere mich noch an die Bilder - war Lewis Hamilton, mit dem du schon gemeinsam Kart gefahren bist. Was hat er denn gesagt?"
Rosberg: "Er hat sich auch für mich gefreut. Wir kennen uns schon lange, und das war total cool."

Hamilton im Team als neue Herausforderung

Frage: "Lewis wird ja dein Teamkollege. Bei Michael Schumacher wusste niemand ganz genau, wie gut er in diesem Alter noch ist, aber wenn du jetzt auch gegen Hamilton bestehst, dann sollten auch die letzten Zweifel aus der Welt geräumt sein. Ist das die große Challenge für nächstes Jahr?"
Rosberg: "Ja, aber die Challenge ist jetzt nicht, die Zweifler zu beruhigen, sondern ich will einfach einen Topjob machen. Lewis ist jetzt mein Teamkollege, und das wird eine Riesen-Herausforderung, aber deswegen bin ich ja im Sport. Solche Herausforderungen machen den Kitzel und den Reiz aus. Da freue ich mich drauf, und es ist cool, dass er ins Team kommt."

Frage: "Lewis ist einer, der nicht bei allen Fahrerkollegen beliebt ist. Da mag auch Neid ein Faktor sein. Du bist ein Weltmeister-Sohn, auf den man auch eifersüchtig sein könnte, weil dir dein Name die eine oder andere Tür leichter aufgemacht hat. Gibt es da Vorbehalte von anderen Fahrern?
Rosberg: "Glaub' ich nicht, nein. Ich denke, die sind schon entspannt und offen, was so etwas angeht. Das ist nicht der Fall."

Frage: "Ist Lewis auch bei der Weihnachtsfeier?"
Rosberg: "Das weiß ich nicht. Es steht draußen Überraschungsgast - vielleicht ist er das ja (er war es wegen fehlender McLaren-Freigabe nicht; Anm. d. Red.)."

Frage: "Ihr habt beide einen gelben Helm. Wird das einer von euch für nächstes Jahr ändern?"
Rosberg: "Also ich nicht! Ich weiß nicht, was er macht, aber ich bleibe bei Gelb."

Frage: "Weißt du schon, welche Startnummer du kriegen wirst?"
Rosberg: "Das steht noch nicht fest."

Konkrete Wünsche an die Ingenieure

Frage: "Gab es beim 2012er-Auto irgendwelche Fahreigenschaften, die du weghaben möchtest? Hast du deinen Ingenieuren da irgendetwas mit auf den Weg gegeben?"
Rosberg: "Ja, dass die Balance enger wird - also weniger Übersteuern am Kurveneingang und weniger Untersteuern in der Mitte."

Frage: "Hast du schon Designs vom Auto gesehen?"
Rosberg: "Ja, klar. Ich war vor zwei Tagen im Windkanal und habe mir das einmal angeschaut. Sie machen natürlich große Fortschritte, es sieht gut aus."

Frage: "Sieht es auch anders aus?"
Rosberg: "Ja, es sieht schon anders aus. Obwohl das für den Laien wahrscheinlich immer noch sehr ähnlich aussieht."

Frage: "Wärst du gerne beim Race of Champions gewesen, oder warst du froh, dass du dir den langen Flug nach Thailand sparen konntest?"
Rosberg: "Nein, der Event ist echt cool. Aber das hat jetzt nicht reingepasst, weil ich hier jetzt viel zu tun habe mit Fabrik und Weihnachtsfeier - und mich momentan schon voll auf nächstes Jahr konzentriere."

Frage: "Wo wirst du Weihnachten und Silvester verbringen, und was wünschst du dir vom Motorsport-Christkind?"
Rosberg: "Ich feiere mit der ganzen Familie Weihnachten in Österreich. Dort ist es immer ganz, ganz toll."

Fotoquelle: xpbimages.com



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