Formel 1 2012

— 23.12.2012

FIA konnte die Formel-1-Boliden 2012 nur bedingt einbremsen

Die FIA konnte vor allem Red Bull für die Saison 2012 durch das Verbot des angeblasenen Diffusors einbremsen, es folgte jedoch zügig eine Alternative: Coanda





Es war eine der größten Regeländerungen für die Saison 2012, die vor allem Weltmeister Red Bull in der Entwicklungsarbeit zurückwerfen sollte: Das Verbot des angeblasenen Diffusors. Dieses System hatte dem österreichischen Rennstall 2011 noch einen entscheidenden Vorteil in langsamen Kurven verschafft, da die Auspuffabgase so umgeleitet wurden, dass sie den Diffusor anbliesen und das Formel-1-Auto somit auch bei fehlendem aerodynamischen Abtrieb in langsamen Kurven auf die Strecke pressten.

Im Rahmen dieser Regeländerung wurde festgelegt, dass die Auspuffendrohre künftig weiter vorne am Auto münden müssen (in 25 Zentimetern Höhe, 50 Zentimeter vor der Hinterachse und 50 Zentimeter außerhalb der Mittellinie des Autos), wodurch die Abgase unkontrollierter und ungenutzt aus der Karosserie strömten. Doch die findigen Designer der Formel-1-Teams ließen sich dahingehend etwas einfallen, allen voran McLaren, die schon bei den Winter-Testfahrten im Februar in Jerez de la Frontera eine Neuerung einführten.

Diese Neuerung trug den klangvollen Namen Coanda: Bei diesem Prinzip, welches im Jahre 1934 vom Rumänen Henri Coanda entwickelt wurde, werden die Abgase so umgeleitet, dass sie die Lücke zwischen Reifen und Unterbodenplatte anströmen und somit den Diffusor seitlich abdichten. Dadurch wird dieser vor allem in den Kurven vor Luftturbulenzen bewahrt, der Anpressdruck nimmt zu.

Coanda brachte Nachteile mit sich

Das Coanda-Auspuffsystem wurde im Saisonverlauf von immer mehr Formel-1-Teams verwendet, letztendlich setzten zehn der zwölf Rennställe darauf, auch wenn nicht alle damit zurechtzukommen schienen.

Denn der Streuverlust war durch die große Lücke zwischen Auspuffendrohr und Diffusor relativ hoch: Coanda erzeugte nur etwa 25 Prozent des Effekts des angeblasenen Diffusors, der Red Bull 2011 bis zu drei Sekunden gebracht haben soll. Außerdem fraß das System Motorenleistung auf: Manche Techniker sprachen von bis zu 20 PS.

Sicherheitsaspekt führte zu Regeländerung

Bei vielen Regeländerungen der Vergangenheit spielte auch der Sicherheitsaspekt eine Rolle, wie etwa bei der Einführung der Rillenreifen in der Saison 1998 oder der Beschneidung der Aerodynamik in den vergangenen Jahren. Dadurch sollten die Kurvengeschwindigkeiten signifikant gesenkt und die Sicherheit erhöht werden.

Dieser Gedanke bewegte den Automobilweltverband FIA auch zum Verbot des angeblasenen Diffusors, da dieser höhere Kurvengeschwindigkeiten durch ein besser liegendes Auto ermöglichte. Zusätzlich hatte man bestimmt auch ein Interesse daran, Red Bull ein wenig einzubremsen um eine erneute Dominanz des Teams zu verhindern.

Whiting: "Konnten die Autos erfolgreich einbremsen"

FIA-Renndirektor Charlie Whiting ist der Auffassung, dass die Absicht seines Verbands in die Tat umgesetzt werden konnte: "Man sieht an den Rundenzeiten, dass die Autos nicht mehr so schnell sind", sagt der Brite. "Ich schätze, das liegt zu einem großen Teil am reduzierten aerodynamischen Grip durch den Motor."

Allerdings seien die Teams schnell in der Lage gewesen, ein alternatives System einzuführen: "Es ist wie immer mit diesen Dingen: Wenn eine neue Regel eingeführt wird, versuchen die Teams ihr Bestes, möglichst viel zurückzugewinnen", erklärt Whiting. "Wir haben viele verschiedene Lösungen gesehen, die alle auf das Gleiche abzielen."

Das Vorhaben der FIA, die Formel-1-Boliden deutlich einzubremsen sei laut Whiting erfolgreich gewesen, allerdings: "Vielleicht war das nicht ganz so effektiv, wie wir uns das gewünscht hätten."

Fotoquelle: xpbimages.com



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