Vorschau Formel 1 2012: GP von Bahrain

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Formel 1 2012: GP von Bahrain

— 20.04.2012

Piloten mit Tunnelblick

Die Sicherheit ist bestimmendes Thema vor dem umstrittenen Formel-1-GP von Bahrain 2012. Nur nicht bei den Fahrern: Sie konzentrieren sich voll aufs Rennen.

(dpa/cj) Breit lächelnd genoss Nico Rosberg noch immer sein frisches Sieger-Glück, Sebastian Vettel gab mit dicker Sonnenbrille und in kurzen Hosen Auskunft. Der lässige Auftritt der deutschen Formel-1-Sterne im Fahrerlager von Sakhir stand am Donnerstag im krassen Kontrast zur immer ernster werdenden Kontroverse um den Grand Prix in Bahrain am Sonntag (22. April 2012). Wenige Stunden zuvor waren Mechaniker des Force-India-Teams auf dem Rückweg von der Strecke in neuerliche Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften geraten, als nahe ihrem Bus ein Molotow-Cocktail landete. Vettel aber lehnte klare Worte zur heiklen Lage ab: "Unser Job ist der Sport."

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Nahezu unbeeindruckt von den anhaltenden Protesten von Bahrains Opposition und Menschenrechtsaktivisten gegen den Grand Prix nahmen die Rennställe ihre letzten Vorbereitungen auf das Training am Freitag in Angriff. "Ich mag die Strecke, ich habe sehr gute Erinnerungen", sagte Rosberg. 2006 war er hier bei seinem Formel-1-Debüt gleich die schnellste Rennrunde gefahren. Sechs Jahre später gelang ihm nun in China endlich der erste Sieg. "Es kam einfach alles zusammen", schwärmte der Mercedes-Pilot. Gerade deswegen hat Rosberg durchaus auch einen neuerlichen Rückschlag einkalkuliert. "Es ist möglich, dass wir wieder Schwierigkeiten bekommen", sagte der 26-Jährige. In den ersten beiden Saisonrennen war er punktlos geblieben, nun gilt er plötzlich als Titelanwärter. "Wir lernen sehr schnell, haben gute Fortschritte gemacht", erklärte Rosberg.

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Mit dem ersten Triumph eines Werks-Mercedes nach 57 Jahren stellte der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg auch seinen Teamgefährten Michael Schumacher vorerst in den Schatten. Noch reagiert der Rekordchampion entspannt auf den neuen Hype um seinen Stallrivalen. "Es war gut für ihn, gut für das Team. Er hat hart dafür gearbeitet und es sich verdient", sagte Schumacher. Aber dauerhaft seinem Stallrivalen gratulieren zu müssen, widerspricht der Natur des siebenmaligen Champions.

Auch Schumacher-Kumpel Vettel hat in dieser Saison seinen Teamgefährten Mark Webber noch nicht in den Griff bekommen. Der Titelverteidiger ist vor dem vierten Saisonlauf am Sonntag (14.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) nur Fünfter der Gesamtwertung, einen Rang hinter dem Australier. Es führt der Brite Lewis Hamilton vor seinem McLaren-Kollegen Jenson Button. "Es ist ein Auf und Ab, das Kräfteverhältnis ist für alle ein Rätsel", befand Vettel. In Bahrain muss er auf seine alte Auspuffvariante verzichten und das zuletzt von Webber verwendete Modell fahren. "Wir entscheiden sowas zusammen, es ist die bessere Lösung", wies Vettel Spekulationen um Unstimmigkeiten im Red-Bull-Team zurück. "Das Potenzial ist da, das Auto ist schnell. Wir müssen nur alles zusammenfügen", sagte der Hesse. Von angeknackstem Selbstbewusstsein, wie jüngst von Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko konstatiert, keine Spur.

Und doch taucht da immer wieder ein Reizthema in den Fragerunden der Piloten auf: die Debatte darum, ob das unbedingte Festhalten des Automobil-Weltverbands FIA an dem Rennen wirklich die richtige Entscheidung war. Am Mittwochabend hatten Demonstranten in Manama gegen eine Ausstellung anlässlich des Rennens protestiert, Sicherheitskräfte waren vehement eingeschritten. "Wir protestieren, um der Formel 1 unseren Ärger zu zeigen, dass sie das Rennen hier veranstalten", sagte Menschenrechtler Nabeel Rajab vom "Bahrain Centre for Human Rights" der britischen Zeitung "Daily Telegraph". Ganz anders stellte es der frühere Oppositionsführer Jasim Husain im Medienzentrum an der Strecke dar. Die Mehrheit der Bahrainis sei glücklich über die Rückkehr der Formel 1. "Der Auftritt der Formel 1 wird die Stimmung ändern. Die Formel 1 ist nicht der Grund für die Proteste", sagte er.

Offen blieb, für wen der Ökonom bei seinem kurzen Auftritt vor den internationalen Journalisten wirklich sprach. Doch über dieses brisante Thema mögen sich die meisten Fahrer öffentlich ohnehin keine Gedanken machen. "Allzu viel darum kümmern können wir uns nicht. Und etwas ändern können wir sowieso nicht", sagte Force-India-Pilot Nico Hülkenberg. Wegen des Zwischenfalls mit den Mechanikern des Teams hatte zuvor ein Mitarbeiter des Rennstalls vorzeitig die Heimreise angetreten.

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