Deutsches Duell in Spanien

Formel 1 2012: GP von Spanien

— 11.05.2012

Mercedes rüstet gegen Vettel

Holt Mercedes in Barcelona einen weiteren Sieg? Die Chancen für die Silberpfeile stehen nicht schlecht, denn die Truppe hat neu entwickelte Teile im Gepäck.

Er stürmte förmlich auf Keke Rosberg (63) zu. "Hallo, ich bin Aldo Costa", stellte sich der ehemalige Ferrari-Technikchef und neue Mercedes-Ingenieur beim Test in Mugello dem Vater des frisch gebackenen Siegpiloten Nico Rosberg (26) vor. "Und ich bin wirklich stolz, für Mercedes zu arbeiten." Die Szene zeigt: Das Stimmungshoch bei Mercedes hat sich seit Nico Rosbergs erstem Sieg in China stabil gehalten. Sogar der sonst so zurückhaltende Teamchef Ross Brawn (57) äußert sich ungewöhnlich forsch: "Unser Sieg in China war kein Zufall. Ich glaube nicht, dass wir unseren Geg- nern in irgendeiner Weise unterlegen sind." Und weiter: "Wir haben noch einiges in der Hinterhand." Brawns Optimismus hat guten Grund: Mercedes produziert neue Teile am Fließband. Einem ersten Paket in Mugello, wo neue Frontflügel, Heckverkleidungen und ein leichteres Getriebe aus Carbon erfolgreich getestet wurde, folgen weitere Verbesserungen an diesem Wochenende in Barcelona und in zwei Wochen in Monaco.

Formel 1-Saison 2012: Die neuen Regeln

Insgesamt verspricht sich Mercedes AMG von der Evolution einen Zeitgewinn von acht Zehntelsekunden pro Runde. Und während sich die meisten anderen Teams über den Test auf der ultraschnellen aber wenig repräsentativen Strecke in Mugello beschwerten, war die Mannschaft aus Brackley froh darüber. "Wir sind gut in langsamen Kurven, müssen uns aber in schnellen verbessern", sagt Aerodynamik-Chef Geoff Willis (52) zu AUTO BILD MOTORSPORT. "Das war auch der Grund, warum wir in Bahrain nicht ganz so stark waren. Deshalb war die Strecke in Mugello mit ihren vielen schnellen Kurven gut für uns." Das Reifenmanagement dagegen sei schon in Bahrain kein Problem mehr gewesen. Willis: "In Australien haben wir noch einen Fehler gemacht. Aber mittlerweile haben wir die Reifen ziemlich gut verstanden. Wenn es in Malaysia nicht geregnet hätte, hätten wir schon dort eine Siegchance gehabt."

Formel 1: Alle Strecken 2012

Nico Rosberg (Mercedes GP) trat bei den Testfahrten in Italien mit dem Selbstbewusstsein eines Siegers auf.

Auch Nico Rosberg trat in Italien mit dem Selbstbewusstsein eines Siegers auf. An seinem freien Tag fuhr er die 50 Kilometer von Mugello nach Florenz mit dem Fahrrad und traf sich dort mit Freundin Vivian und seinen Eltern zum Shoppen. Zudem konterte er die kontrovers diskutierte Kritik seines Teamkollegen Michael Schumacher (43) an den zu sensiblen Pirelli-Reifen bewusst mutig: "Erstens haben die ersten vier Rennen super Sport geboten, und das auch dank der Reifen. Zweitens ist das Reifenmanagement für die Ingenieure und Fahrer eine echte Herausforderung, weil es von Strecke zu Strecke verschieden ist. Da bist du als Fahrer eben gefordert."

Teamintern glaubt man den eigentlichen Grund für Schumachers Reifenfrust zu kennen. "Es fällt ihm schwer verstehen, warum Nico ihm in den ersten Runden von China so wegfahren konnte", meint ein Mercedes-Ingenieur. Dabei sei es offensichtlich, dass Rosberg wie sonst nur Jenson Button und Sebastian Vettel die Reifen am aber nicht überm Limit bewegen könne. "Schumacher dagegen ist mit seinem aggressiven Fahrstil immer ein Prozent über der Grenze der Gummis. Deshalb verliert er momentan Zeit auf Nico." Der ehemalige BMW-Motorsportchef Mario Theissen (59) beobachtete beim DTM-Auftakt in Hockenheim, wo Rosberg den letzten Siegerpfeil von Juan Manuel Fangio aus dem Jahr 1955 fahren durfte, noch etwas ganz anderes. "Man merkt Nico richtig an, wie viel lockerer und mental stärker ihn dieser Sieg gemacht hat. Das war aber schon immer so. Wenn's gut läuft, wird Nico immer besser."

Sebastian Vettel: "Rechne in Barcelona stark mit Mercedes"

Sebastian Vettel (Red Bull): "Ich rechne in Barcelona stark mit Mercedes."

Bei Mercedes glaubt man sogar, dass die beinharten Abwehrmanöver des Wiesbadeners gegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso in Bahrain auf diese neue Selbstsicherheit zurückzuführen sind. Fest steht: Rosbergs gute Laune sagt mehr als seine zurückhaltenden Worte. Gefragt, ob er als WM-Sechster mit nur 18 Punkten Rückstand auch Sebastian Vettel herausfordern kann, sagt er zu AUTO BILD MOTORSPORT: "Wir wissen, wo wir uns verbessern müssen. Wenn wir das schaffen, spricht nichts gegen ein Duell zwischen Sebastian und mir." Vettel ist gewarnt: "In Barcelona werden ähnlich wie in China die Vorderreifen mehr belastet als die hinteren", sagt er. "Deshalb rechne ich dort stark mit Mercedes."

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Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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