Adrian Sutil

Formel 1 (2012): Williams-Cockpit für Senna

— 18.01.2012

Sutil ist raus

Steht Adrian Sutil vor dem Formel-1-Aus? Der deutsche Rennfahrer hat gegen den Brasilianer Bruno Senna das Rennen um das Williams-Cockpit verloren.

Für Adrian Sutil ist in der Formel 1 wohl kein Platz mehr frei. Der deutsche Rennfahrer hat auch das Rennen um das Williams-Cockpit verloren. Das Team entschied sich am Dienstag für den Brasilianer Bruno Senna. "Wir sind nicht überrascht. Wir haben schon seit Wochen nicht mehr mit Williams verhandelt", sagte Sutils Berater Manfred Zimmermann der Nachrichtenagentur dpa. Damit hat offiziell nur noch Außenseiter HRT ein Cockpit offen, bei den Spaniern dürfte Sutil aber kaum ein Kandidat sein. Mit der Verpflichtung von Senna könnte Williams auch die 19 Jahre währende Rekordkarriere von dessen Landsmann Rubens Barrichello beendet haben. Der Pilot mit den meisten Grand-Prix-Einsätzen fuhr zuletzt noch für das englische Traditionsteam, steht aber nun ebenso wie Sutil auf der Straße. "Die Zukunft ist völlig offen", twitterte der 39 Jahre alte Barrichello am Dienstag.

Großer Name als Comeback-Hilfe

Der ehemalige Lotus/Renault-Pilot Bruno Senna wird sein Debüt bei den Übungsfahrten im neuen Williams-Boliden geben.

Senna dürfte neben einer dicken Sponsoren-Mitgift auch sein großer Name geholfen haben. Der 28-Jährige ist der Neffe der Formel-1-Ikone Ayrton Senna. Der dreimalige Weltmeister war 1994 tödlich verunglückt – in seinem dritten Rennen für Williams. "Es wird interessant sein, für ein Team zu fahren, für das auch mein Onkel fuhr", sagte Senna. Lange galt der bei Force India ausgemusterte Sutil als Favorit auf den zweiten Williams-Sitz neben Pastor Maldonado aus Venezuela. "Adrian war in unseren Plänen. Aber insgesamt war die Wahl von Bruno für mich und das Team der beste Weg nach vorn", betonte Williams-Chefingenieur Mark Gillan.

Sutil als großer Verlierer: Gerichtstermin als Stolperstein

Schon vor Weihnachten beendeten beide Seiten die Verhandlungen, wie Sutil-Manager Zimmermann bestätigte. "Wir sind uns nicht einig geworden", erklärte er. Auch der Wirbel um eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung habe Sutil zuletzt nicht geholfen. Der Gräfelfinger muss sich wegen eines blutigen Discostreits Ende Januar 2011 vor dem Münchner Amtsgericht verantworten. Dennoch sieht sein Berater noch immer genug Karriere-Optionen für den 29-Jährigen, möglicherweise sogar doch noch in der Formel 1. "Entweder kommen wir noch mit einer Überraschung oder mit Plan B", sagte Zimmermann. Vor dem Gerichtstermin aber werde es keine Entscheidung über Sutils Zukunft geben. Schon am 7. Februar beginnen in der Formel 1 allerdings die ersten Testfahrten in Jerez.

Senna macht Williams Hoffnung

Bei den Übungsfahrten wird Senna sein Debüt im neuen Williams-Boliden geben. "Ich fühle mich sehr privilegiert", sagte er. Fraglich ist, ob der 26-malige Grand-Prix-Teilnehmer dem sportlich tief gestürzten Team schnell weiterhelfen kann. Williams fuhr in der vergangenen Saison das schlechteste Ergebnis seit den Gründungsjahren des Rennstalls Mitte der 70er ein: magere fünf Punkte in 19 Rennen. Ein Debakel für den neunmaligen Konstrukteurs-Weltmeister. Senna löste nach seinem Lehrjahr 2010 bei HRT Mitte der Vorsaison den ausgebooteten Nick Heidfeld bei Lotus Renault ab. In seinen acht WM-Läufen für die Franzosen sammelte er aber nur zwei Zähler. Dennoch beteuerte Teamchef Frank Williams, der Brasilianer habe sein Talent bereits unter Beweis gestellt. Sein neuer Arbeitgeber habe ihn vor Vertragsabschluss ausgiebig beobachtet. "Nun freuen wir uns darauf, dieses Talent in unserem Rennwagen zu sehen", sagte Williams.

Nach dem vermutlichen Aus für Sutil gehen in der Königsklasse in diesem Jahr noch fünf deutsche Piloten an den Start. Angeführt wird das Feld von Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel im Red Bull. Die beiden Mercedes-Silberpfeile steuern Rekordchampion Michael Schumacher und Nico Rosberg. Nico Hülkenberg übernimmt Sutils Force India, Timo Glock müht sich weiter im Marussia.

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