Formel 1 2013

— 24.01.2013

Brawn: Lowe ist nur ein Notfallplan

Mercedes-Teamchef Ross Brawn nimmt erstmals zu den Gerüchten Stellung, Paddy Lowe könnte sein Nachfolger werden, und sieht sich weiter als starker Mann im Team





In den letzten Tagen überschlugen sich bei Mercedes die Ereignisse: Der Österreicher Toto Wolff wurde als Nachfolger von Norbert Haug als Motorsportchef installiert, zudem übernehmen er und der Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda Anteile am Formel-1-Teams mit Sitz in Brackley. Im Zuge dieser Bekanntgabe wurden auch Spekulationen laut, Wolff könnte McLaren-Technikchef Paddy Lowe zu Mercedes holen. Der 41-Jährige sprach von einer "Doppelspitze" als optimale Struktur: "Die eine Person ist kaufmännisch orientiert, die andere ist technisch orientiert."

Für Lowe, der in der Branche einen ausgezeichneten Ruf besitzt, wäre es nach 20 Jahren bei McLaren der Aufstieg in eine absolute Führungsrolle. Noch ist aber nicht klar, ob der Brite mit den Spekulationen in Wahrheit nur seine Ausgangssituation in den Gehaltsverhandlungen mit McLaren verbessern wollte, schließlich endet sein Vertrag dieses Jahr. Würde er nun bei Mercedes unterschreiben, dürfte er frühestens sechs Monate nach seinem McLaren-Aus seinen Dienst beim neuen Arbeitgeber antreten, schließlich gibt es ein dementsprechendes Arbeitsverbot.

Doch was wird dann aus dem aktuellen Teamchef Ross Brawn? Gerüchten zufolge soll sich die Begeisterung des Briten, der das Team 2009 nach dem Honda-Ausstieg gerettet hat, über die Veränderungen der letzten Wochen bei Mercedes im Grenzen halten, er soll sogar Rücktrittgedanken hegen. Nach außen gibt er sich bei seinem ersten Medienaufritt nach der Wolff-Bekanntgabe aber motiviert, auch wenn über der langfristigen Zukunft des 58-Jährigen ein Fragezeichen schwebt.

Lowe ein möglicher Nachfolgeplan

"Ich kenne alle Pläne für die Zukunft des Teams", kommentiert Brawn die Spekulationen um seinen Rücktritt. "Und ich hoffe, dass ich für eine sehr lange Zeit Teil dieser Pläne sein werde." Laut dem ehemaligen Ferrari-Technikchef sei Lowe aber eine potenzielle Nachfolgelösung, sollte er sich einmal entschließen, das Team zu verlassen.

"Ich bin komplett im Bilde", versucht er, Ordnung in die Gerüchteküche zu bringen. "Mercedes will ein langfristiges Bekenntnis. Durch die vielen Neuzugänge will ich aber vorher wissen, wie es läuft, bevor ich mich langfristig festlege. Und aus diesem Grund brauchen wir Alternativlösungen. Es ist in etwa wie bei meinem Nachfolgeplan bei Ferrari. Als ich mich dazu entschlossen hatte, bei Ferrari aufzuhören, da bastelten wir an einem Nachfolgeplan. Ich bin darin eingebunden, ich habe mit Paddy gesprochen, wir wissen über die Situation Bescheid."

Brawn macht seinen Verbleib bei Mercedes nun von den zukünftigen Erfolgen abhängig: "Es ist wie im Leben von jedem anderen: Wenn wir mit Begeisterung bei der Sache sind, dann machen wir weiter. Das ist es, was ich tun will."

Brawn klare Nummer eins beim Mercedes-Team?

Auch die Verwirrung über die zukünftige Teamstruktur, in die auch Wolff und Lauda eingebunden sein werden, und die Verantwortungsbereiche und deren Überschneidungen klärt Brawn auf: "Ich bin der Teamchef. Ich bin verantwortlich für Belange sportlicher und technischer Natur und für den Rennsport. Dann gibt es einen anderen Bereich des Geschäfts, in den ich mich ganz ehrlich nicht einmischen will - die wirtschaftlichen Aktivitäten und die Unterstützung, die wir Daimler auf einer täglichen Basis geben müssen. Da gibt es viele Dinge, für die Toto zuständig sein wird, die das Gegenteil von meinen Aufgaben darstellen."

Er sieht sich aber weiterhin als Hauptverantwortlicher für den Rennstall aus Brackley und will von einer Doppelspitze nichts wissen: "Jeder weiß, dass ein Rennstall nur mit einer Referenz funktionieren kann. Und ich bin diese Referenz."

Neues Costa-Auto laut Brawn "fantastisch"

Der Teamchef rechnet damit, dass der Knoten beim Team in Kürze Platzen wird und Erfolge nur noch eine Frage der Zeit sind: "Eine sehr aufregende Zeit steht bevor. Natürlich ist der Wechsel von Lewis zu unserem Team ein enormer Beschleuniger, ein enormer Anreiz und Motivator. Außerdem sehe ich, dass die Änderungen, die wir vor zwölf Monaten gemacht haben, nun zum Tragen kommen."

Laut Brawn zeichnet der ehemalige Ferrari-Technikchef Aldo Costa als Projektleiter für den neuen Mercedes-Boliden verantwortlich. Schon jetzt macht sich beim Briten Euphorie breit: "Er hat fantastische Arbeit geleistet." Nun ist der Teamchef gespannt, ob sich die personellen Änderungen, die er vor mehr als einem Jahr durchgeführt hat, auch auf der Rennstrecke bezahlt machen werden: "Natürlich haben wir unsere schwierigen Tage, aber wir befinden uns in einer aufregenden Zeit, das Auto entsteht gerade, und wir haben uns im Winter große Aufgaben gesetzt, die wir auch umgesetzt haben. Wir haben viel hinter uns gebracht, zum Beispiel den Umbau des Windkanals. Dieses Jahr werden wir davon profitieren."

Bloß die vielen Gerüchte verderben Brawn derzeit ein bisschen die Laune, gibt er offen zu, schließlich sorgen sie auch intern für Ablenkung, während die letzten Handgriffe am neuen Boliden über die Bühne gehen: "Es ist ein bisschen enttäuschend, dass das alles in den Medien kursiert, denn es lenkt das Team ab. Ich will, dass unsere Jungs darauf konzentriert sind, die bestmögliche Arbeit für die kommende Saison zu machen. Derzeit gibt es viel Auftrieb, was die kommende Saison angeht - und den wollen wir beibehalten. Leider gehören diese Dinge aber zum Geschäft, und sie lenken die Leute ab. Daher muss man sein Bestes geben, damit das Team nicht abgelenkt wird."

Fotoquelle: xpbimages.com



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