Formel 1 2013

— 27.01.2013

Piquet, Mansell und zwei Unfälle, die alles veränderten

1987 erlitten die beiden Williams-Teamkollegen schwere Unfälle, unter deren Folgen sie noch lange litten - Nigel Mansell: "Das war eine schreckliche Zeit"





In der Formel-1-Saison 1987 war Williams das dominierende Team. Die Kombination aus FW11B-Chassis und dem Honda RA167E-Turbomotor sowie den beiden Piloten Nelson Piquet und Nigel Mansell war vor allem im Qualifying kaum zu schlagen. Bei zwölf der 16 Saisonläufe stand ein Williams auf der Pole-Position, neun Saisonläufe gewann das Team. Dennoch war es für die beiden Fahrer kein Spaziergang zum WM-Titel. Zwar belegten Piquet und Mansell am Ende des Jahres die Plätze eins und zwei in der WM, doch der Vorsprung vor Ayrton Senna (Lotus-Honda) war knapper als erwartet.

Dazu trug nicht nur das wenig kollegiale Verhältnis der beiden Piloten bei, die sich in jener Saison einen reglerechten Kleinkrieg lieferten. Vielmehr wurden sowohl Piquet als auch Mansell durch schwere Unfälle zurückgeworfen. Zunächst erwischte es den Brasilianer. Beim zweiten Saisonrennen in Imola schlug Piquet im Training in der auch damals schon berüchtigten Tamburello-Kurve hart in die Begrenzungsmauer ein. Diese Kurve sollte später noch zu trauriger Berühmtheit kommen.

Piquet wurde nach dem Unfall wegen einer schweren Gehirnerschütterung ein Start durch Rennarzt Sid Watkins untersagt, ab dem nächsten Lauf war er jedoch wieder mit von der Partie. Was jedoch nicht bedeutete, dass er wieder gesund war: "Danach ging es mir nicht gut. Ich habe einen großen Teil meiner Sehschärfe verloren, vor allem in der Entfernung", verrät Piquet im Interview in der TV-Sendung "Linha de Chegada" des südamerikanischen Senders 'Globo', wo er zusammen mit Mansell zu Gast war.

Piquet verschweigt Sehstörungen

Dass Rennfahren mit einer Sehstörung eine schlechte Idee ist, musste Piquet in der Folge am eigenen Leibe erfahren. "Ich musste die Tafeln mit den Entfernungen bis zur Kurve ablesen, um den Bremspunkt zu treffen. So lange ich hinter jemand anderem fuhr, ging es gut, aber ich konnte nicht an der Spitze fahren", sagt der dreifache Weltmeister. Dennoch wagte er es nicht, seine gesundheitlichen Probleme im Fahrerlager zu erwähnen.

"Ich konnte mit niemandem darüber sprechen, denn sonst hätten sie mich aus dem Rennen genommen", gibt der Brasilianer fast 26 Jahre später als Begründung an. "Ich musste alle 14 Tage zur Untersuchung ins Militärkrankenhaus nach Mailand. Es wurde langsam besser, aber in den ersten Monaten hatte ich über 80 Prozent meiner Sehkraft verloren." Auf die Frage, wann er wieder zu 100 Prozent hergestellt war, antwortet Piquet: "Niemals! Das Rennfahren hatte sich für mich erledigt, ich bin nur noch des Geldes wegen gefahren (lacht, Anm. d. Red.)."

Im Training zum Großen Preis von Japan war es dann Mansell, der schwer verunglückte. Am Ausgang der "Esses" schlug der Brite in die Reifenstapel ein, von denen das Auto in die Luft katapultiert wurde und anschließend unsanft landete. "Das Problem war, dass das Auto direkt auf dem Randstein gelandet ist, wodurch der Schlag genau auf meinen Rücken traf. Kurzzeitig wirkte eine Verzögerung von 76G auf meinen Rücken ein", erinnert sich Mansell. "Ich habe mir die Wirbelsäule an drei verschiedenen Stellen gebrochen."

Todesangst bei Mansell

Unmittelbar nach dem Unfall hatte Mansell sogar Todesangst: "Ich konnte im ersten Moment nicht atmen, weil ich durch die Rückenmarksverletzung einen neurogenen Schock erlitten hatte und dachte, ich würde sterben." Im Krankenhaus machte der Brite dann eine unangenehme Erfahrung: "Ich lag im Krankenhaus auf der Intensivstation und in der ersten Nacht sind die Patienten links und recht neben mir gestorben. Das war ziemlich unheimlich", so Mansell.

Die Saison war für ihn damit beendet, der Titel ging an Piquet. Doch das war für Mansell damals zweitrangig: "Das war auch für meine Familie eine schreckliche Zeit. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte ich sechs Wochen lang nicht gehen, weil meine Beine gelähmt waren. Ich dachte damals, dass ich nie wieder Rennen fahren kann, und wusste auch nicht, ob ich wieder laufen kann", so der Brite.

Sowohl Mansell als auch Piquet gestehen nun ein, dass sie auch später noch an den psychischen Folgen der Unfälle litten. "Der rechte Fuß will auf dem Gaspedal bleiben, doch dein Gehirn steuert dagegen", erinnert sich Mansell. "Nicht das Gehirn, sondern der Hintern", wirft Piquet ein. "Das war schon immer sein Problem, dass ihm das Hirn in den Hintern rutscht (lacht, Anm. d. Red.)", so die Retourkutsche Mansells. Piquet glaubt, dass es bei Felipe Massa nach seinem Unfall 2009 in Ungarn ähnlich war: "Bei ihm wird es jetzt auch immer besser, aber wenn du in der Formel 1 einen harten Schlag gegen den Kopf bekommst, verlierst du ein wenig Präzision."

Große Verbesserungen der Sicherheit

Die ehemaligen Teamkollegen, die sich früher nicht immer grün waren, sind sich heute aber einig, dass sich in puncto Sicherheit seit ihrer Zeit in der Formel 1 viel getan hat: "24 Kollegen, gegen die ich im Laufe meiner Karriere gefahren bin, weilen nicht mehr unter uns. Seit 1994 gab es in der Formel 1 glücklicherweise keinen tödlichen Unfall mehr. Bei der Sicherheit der Fahrer und der Rennstrecken wurden große Fortschritte gemacht", so Mansell.

Piquet wirft den Verantwortlichen lediglich vor, dass sie im Fall der Tamburello-Kurve zu spät reagiert haben: "Zwei Jahre nach mir hatte Berger dort seinen schweren Unfall." Bergers Abflug im Ferrari, bei dem der Wagen in Flammen aufging, ist vielen älteren Formel-1-Fans noch gut in Erinnerung. "Weitere fünf Jahre später ist Senna dort verunglückt. Erst nach dem dritten schweren Unfall haben sie die Schikane gebaut", sagt Piquet.

Fotoquelle: Schlegelmilch

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