Formel 1 2013

— 29.01.2013

Allison: "Wollten das schnellste Auto bauen"

Der Lotus-Technikchef über die Schwierigkeit, im vergangenen Jahr drei Autos parallel entwickelt zu haben: "Die Regeländerungen 2014 werden ein Tsunami"



James Allison hat sich nicht den Nimbus eines Wunderdesigners erarbeitet, der etwa Adrian Newey umgibt. Dennoch baut der Brite seit Jahren schnelle Rennautos. Und er scheint überzeugt, dass ihm und der Lotus-Truppe mit dem E21 wieder ein großer Wurf gelungen ist. Im Interview spricht Allison über die Neuerungen am frisch präsentierten Boliden und über die Saison 2014. Denn der Übergang in die zweite Turbo-Ära hat schon längst seine Schatten vorausgeworfen.

Frage: "Wie unterschiedlich ist das Reglement verglichen mit 2012?"
James Allison: "Nach einer Reihe wichtiger Regeländerungen und -interpretationen seit 2009 sieht es so aus, als sollte 2013 ein Jahr der Stabilität werden. Das ist ungewöhnlich. Nicht überraschend, dass die Basiskonfiguration des Autos ebenfalls stabil ist. Es gibt nur wenige, sehr limitierte Änderungen, was für die Mehrheit des Starterfeldes eine ziemliche Erleichterung darstellt - in Anbetracht der Tatsache, was den Sport 2014 erwartet."

Schwieriger Spagat bei der Entwicklung

"Sogar, wenn nichts geändert wird, hören wir nicht auf, die Regeln zu durchforsten und nach neuen Schlupflöchern zu suchen. Ziemlich oft finden junge Ingenieure, die gerade von der Universität kommen, eine Doppeldeutigkeit im Regeltext. Die mag es seit Jahrzehnten gegeben haben, aber sie schauen mit unverbrauchten Augen darauf und sind nicht voreingenommen von der eigentlichen Intention."

"Es geht darum, mehr Abtrieb aus dem gleichen Regelwerk herauszuholen und mehr mechanischen Grip. Es geht darum, alles steifer, kleiner, besser zu machen. Wir mussten alle Entwicklungen aus dem vergangenen Jahr auf ein Niveau bringen, das mit dem Chassis von Anfang 2012 so nicht zu erreichen gewesen wäre."

Frage: "Was war die größte Herausforderung beim Bau des E21?"
Allison: "Die Probleme betrafen mehr die Ressourcen als das Design. Wir waren im vergangenen Jahr ziemlich konkurrenzfähig und mussten genug Arbeit in 2012 investieren, um bei der Musik zu bleiben. Aber gleichzeitig mussten wir im Auge behalten, was 2014 passiert - eine völlige Regelnovelle. Das zu ignorieren, hätte bedeutet, dass wir dann nicht konkurrenzfähig sein würden."

"Das 2013er musste also in der Schnittmenge von 2012 und 2014 entwickelt werden. Das ist eine logistische Herausforderung. Wenn es nur um das Design geht, entwickelt der E21 das Konzept weiter, das die Elemente von 2012 aufgegriffen haben. Es ging darum, an allem zu arbeiten, was mit einem angeblasenen Auspuff zu tun hat. Wir mussten das Heck des Autos noch stärker 'taillieren' als es zum Ende der vergangenen Saison der Fall war. Wir sind in eine klarere Designrichtung gegangen."

Stufennasen bleiben wohl

Frage: "Werden die Autos, die uns 2013 erwarten, ganz anders aussehen als die Wagen von 2012?"
Allison: "Ich glaube nicht. Es gibt keine Regel, die die Möglichkeit zu Veränderungen bietet. Obwohl wir jetzt eine nicht belastete 'Eitelkeits-Blende' auf der Oberseite der Nase anbringen dürfen, um das Stufendesign von 2012 zu umgehen. So eine Blende ist eine Möglichkeit und es würde mich nicht wundern, sollte die Mehrheit des Feldes davon keinen Gebrauch machen. Sie würde zusätzliches Gewicht bringen und ist deshalb nur sinnvoll, wenn das Team Leistungsgewinne dadurch generiert."

Frage: "Ist es hilfreich, weiter mit den gleichen Fahrern zusammenzuarbeiten?"
Allison: "Das Beste daran, mit unser 2012er Paarung weiterzumachen, ist, dass beide so schnell sind. Hinzu kommt, dass wir den Sitz, Pedale, Lenkrad und so weiter nicht neu anpassen müssen. Die Beziehung zwischen Fahrern und Ingenieuren nicht neu aufbauen zu müssen ist auch eine gute Sache."

Frage: "Was ist ganz neu und was ist am E21 schon bekannt?"
Allison: "Es kommt darauf an, wo man hinsieht. Einige Teile des Autos sind von Grund auf neu entworfen und in anderen Bereichen haben wir die Philosophie angepasst, die wir schon seit Jahren verfolgen. Die vordere und die hintere Radaufhängung sind grundlegend überarbeitet, um bessere aerodynamische Möglichkeiten zu gewährleisten. Der Frontflügel ist eine Weiterentwicklung des Konzeptes, an dem wir seit der Veröffentlichung der Regeln von 2009 arbeiten. Beim Heckflügel haben wir weiter an einem zufriedenstellenden Abtriebsniveau und einem maximalen DRS-Effekt gearbeitet."

Geheime Wunderwaffen? Bleiben geheim

Frage: "Apropos DRS: Was ist mit dem Doppel-DRS?"
Allison: "In diesem Bereich haben wir weitergemacht. Die passive Natur, die unser Bauteil beim Umschalten an den Tag legt, bedeutet, dass es von den neuen Regeln nicht ausgebremst wird. Es ist nichts, was unser Auto auf wundersame Weise verändern würde, aber es könnte als Teil des Gesamtdesigns seinen Teil zur Leistung beitragen."

Frage: "Geht die Entwicklung unter der Saison weiter?"
Allison: "Das Team in Enstone kann stolz sein auf das, was es erreicht hat. Es hat innovative Ideen in die Startaufstellung gebracht. Jedes Team, das ganz vorne dabei sein will, muss etwas davon haben. Wir haben einige Ideen für dieses Auto, die neu sind. Wir werden zum Beispiel weiter an der Entwicklung des Doppel-DRS arbeiten und versuchen, die Vorteile 2013 wirklich für uns zu nutzen. Für dieses Auto kommt noch eine Menge."

Frage: "Gibt es in eurem Arsenal weitere gemeine Wunderwaffen?"
Allison: "Das verrate ich doch nicht."

Frage: "Lasten auf dem E21 große Erwartungen?"
Allison: "Der E20 hat sich als effektives Rennfahrzeug herausgestellt, es gibt also so etwas wie eine Erwartungshaltung gegenüber dem E21. Wir haben mit den Leitmotiven beim Design weitergemacht und versucht, ein effizienteres und schnelleres Rennauto daraus zu machen - basierend auf dem, was wir im vergangenen Jahr gelernt haben. Wie erfolgreich wir dabei waren wissen wir erst, nachdem wir bei einem Grand Prix auf die Strecke gegangen sind."

"Wollen das schnellste Auto bauen"

Frage: "Was können wir von den Pirelli-Reifen für 2013 erwarten?"
Allison: "Wir haben einen flüchtigen Eindruck des Entwicklungsreifens in Brasilien erhalten und es schien ein Schritt voran zu sein. Pirelli hat auch die Liste der Mischungen für 2013 veröffentlicht und wir sind froh, zu sehen, dass sie aggressiv vorgegangen sind. Die Tests vor der Saison werden uns einen besseren Eindruck geben, was wir zu erwarten haben. Die meisten Indikatoren sprechen dafür, dass die Reifen ihren Teil dazu beitragen, dass es eine weitere attraktive Saison wird."

Frage: "Was sind die Ziele für 2013?"
Allison: "Was das angeht, denken wir nie daran, das zweit- oder drittschnellste Auto zu bauen. Wir sind darauf aus, das schnellste Auto zu bauen, das möglich ist. Wir wollen unseren Wagen vergleichen mit dem vergangenen Jahr in allen Bereichen verbessern und wollen, dass die Verbesserungen größer sind als die, die der Konkurrenz gelungen sind. Das offizielle Ziel des Teambesitzers ist es, mindestens den dritten Platz der Konstrukteurs-WM zu belegen."

"Das Team in Enstone hat Ambitionen, sich von der respektablen Ausgangslage, die wir uns 2012 erarbeitet haben, weiterzuentwickeln. Dahin, in der Lage zu sein, Weltmeister zu werden. Wir werden keine Weltmeister sein, und deswegen investieren wir auf jeder Ebene in das Team. Das Programm zur Infrastrukturverbesserung lief in der vergangenen Saison und wird weiterlaufen. So wollen wir sicherstellen, dass wir uns vor niemanden in der Startaufstellung verstecken müssen und alles haben, um vorne mitzumischen."

Die Formel 1 für 2014 neu erfinden

"Die Investition in den Windkanal ist 2012 aufgegangen und hilft uns wieder, aber es kommt eine Menge für 2014. Dann haben die Getriebe einen ganz anderen Einsatzbereich verglichen mit dem, was in vergangenen Jahren war. Andere Drehzahlen, anderes Ansprechverhalten. Wir brauchen neues Werkzeug, um sicherzustellen, dass sie funktionieren und zuverlässig sind. Das sind viele Millionen, die wir investieren, um 2014 von Anfang wettbewerbsfähig zu sein."

Frage: "Wie bewertest du die neuen Regeln 2014?"
Allison: "Das wird ein Tsunami. Die Leute, die den Sport seit einigen Jahren verfolgen, werden sich an 2009 und die Veränderungen im Kräfteverhältnis, die es mit sich gebracht hat, erinnern. Was damals passiert ist, ist eine Kleinigkeit verglichen damit."

"Die Autos müssen vom Reißbrett an neu erfunden werden. Das ist so aufregend für uns Ingenieure und eine aufregende Zukunft auch für den Sport. Es ist eine Herausforderung, die wir in dem Bewusstsein angehen, am 2013er Auto zu arbeiten. Alle Updates, die wir Rennen für Rennen bringen - dieser Druck verschwindet nicht. Über allem steht, 2014 in Form zu sein. Jeder, der daran arbeitet, weiß um die Wichtigkeit."

Fotoquelle: Lotus F1

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