Formel 1 2013

— 02.02.2013

Form folgt Funktion: So arbeitet Sauber in Hinwil

Die einzige Formel-1-Fabrik in der Schweiz ist technisch auf dem neuesten Stand: Rennwagen werden im Atrium gewartet, 300 Mitarbeiter beschäftigt



Von Zürich aus lässt man den gleichnamigen See rechts liegen, fährt eine halbe Stunde Richtung Südosten und erreicht so Hinwil. In der gut 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde am Fuße des 1.115 Meter hohen Hausbergs Bachtel geht es ländlich zu. Internationale Besucher haben häufig dasselbe Ziel: die Sauber Motorsport AG. Dort wirkt auch eine internationale Belegschaft. Die zu Saisonbeginn 2013 300 Mitarbeiter haben über 20 unterschiedliche Staatsangehörigkeiten.

Außer ihnen leben rund 100 Vollzeitbeschäftigte bei Zulieferern und Dienstleistern der Region von dem Unternehmen, das Peter Sauber im Jahr 1970 gründete. Der ansprechende Industriebau besteht aus drei Segmenten, die nacheinander entstanden und dank vorausschauender Planung optimal angebunden werden konnten. Zwischen dem ersten Fabrik- und Bürobau (fertiggestellt 1992) und dem Windkanalgebäude (2004 eröffnet) steht der jüngste Erweiterungsbau, der Ende 2007 bezogen wurde.

Fertigung auf 15.600 Quadratmetern

Damit wuchs die Fläche für Büros und Fertigungsplätze auf 15.600 Quadratmeter ohne Windkanal. Form folgt Funktion - trotz der architektonischen Attraktivität unterlag die gesamte Konzeption streng praktischen Gesichtspunkten, um kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe zu gewährleisten. Effizienz hat Priorität. So verbindet beispielsweise eine geschlossene Brücke den Windkanal mit jenem Bereich, in dem das Konstruktionsbüro untergebracht ist. Im Erdgeschoss befindet sich die Lastwagen-Halle.

Daneben ist Platz für grosse Produktionsanlagen wie etwa die Portalfräsmaschine. Ebenfalls hier untergebracht sind die mechanische Fertigung sowie die Autoklaven. Die Erodiermaschinen, die Qualitätskontrolle und das Warenlager befinden sich in der ersten Etage. Optisch besonders interessant ist der zweite Stock gestaltet, in dessen Mitte die Formel-1-Rennwagen gewartet werden. Dieser zentrale Teil ist als Atrium ausgebildet, sodass die Rennwagen auch von der dritten Etage aus zu sehen sind.

Im zweiten Obergeschoss sind zudem die Kohlefaserabteilung, der Fahrzeugaufbau, die Hydraulikabteilung sowie das Rapid Prototyping untergebracht. Darüber befinden sich die Administration, das Konstruktionsbüro sowie die Elektronikabteilung. Direkt neben dem jüngsten Bau steht der hochmoderne Windkanal, der im Frühjahr 2004 in Betrieb genommen wurde. Von aussen besticht das 65 Meter lange, 50 Meter breite und 17 Meter hohe Gebäude durch seine Glasfassade.

Windkanal mit 9,4 Metern Durchmesser

Innen befinden sich die Arbeitsplätze hoch qualifizierter Spezialisten. Neben den Aerodynamikern sind dies Modelldesigner und Modellbauer, CFD-Ingenieure sowie andere Mitarbeiter der Aerodynamikabteilung. Die Technik der Anlage ist auf dem neuesten Stand. Das gilt für alle relevanten Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Grösse der Testsektion und der Modelle, Dimensionen der "Rolling Road", "Model Motion System" sowie die Datenerfassung.

Der Windkanal ist als geschlossener Kreislauf ausgeführt, der eine Gesamtlänge von 141 Metern ohne Testsektion und einen maximalen Rohrdurchmesser von 9,4 Metern hat. Das Gewicht aller Stahlelemente beträgt inklusive Ventilatorgehäuse 480 Tonnen. Der einstufige Axialventilator mit Rotorblättern aus Karbon nimmt bei Volllast eine Leistung von 3.000 Kilowatt auf. Das Kernstück jedes Windkanals ist die Testsektion.

Sowohl deren Querschnitt als auch die Länge der rollenden Strasse sind besonders grosszügig ausgelegt und bieten damit optimale Voraussetzungen für genaue Resultate. Versuche mit dem Original-Rennwagen sind technisch möglich, aufgrund des Reglements aber die Ausnahme. Es wird nahezu ausschliesslich mit 60-Prozent-Modellen gearbeitet. Damit die Testobjekte nicht nur frontal, sondern auch leicht schräg bis zu einem Winkel von maximal zehn Grad angeströmt werden können, lässt sich die gesamte Messplattform drehen.

Leise, aber wirkungsvoll

Diese ist mit einem rotierenden Stahlband ausgerüstet, das die Relativbewegung zwischen Fahrzeug und Strasse simuliert und synchron mit der Luftströmung läuft. Unter dem Rollband sind Wägezellen angebracht, mit welchen die Radlasten gemessen werden. Das elegante Windkanalgebäude erscheint von aussen als homogene Halle, besteht aber tatsächlich aus klar abgetrennten Gebäudeelementen.

Dem eigentlichen Windkanal und einem Trakt mit Arbeitsräumen sowie einer Eventplattform, wo Partner und Sponsoren Veranstaltungen in einem einzigartigen Ambiente durchführen können. Die Galerie im ersten Stock bietet Raum für 150 Gäste. Dieser Bereich ist durch eine Glaswand vom technischen Teil getrennt, sodass der optische Bezug erhalten bleibt, die Lärmemissionen des Windkanals aber wirkungsvoll abgehalten werden.

Fotoquelle: xpb.cc

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