Formel 1 2013

— 07.02.2013

Massa fährt Bestzeit bei Vettels Premiere

Felipe Massas Vormittags-Bestzeit in Jerez hielt bis zum Ende - Nico Rosberg mit Mammut-Programm im Mercedes Zweiter, Sebastian Vettel bei Premiere Dritter





Nachdem Mark Webber an den ersten beiden Tagen im neuen RB9 von Red Bull getestet hatte, war heute in Jerez de la Frontera erstmals Sebastian Vettel an der Reihe. Der amtierende Weltmeister, der schon gestern als interessierter Zuschauer an der spanischen Rennstrecke war, ließ sich am frühen Morgen bei gerade mal drei Grad Celsius zwar mehr als eine halbe Stunde Zeit, ehe er sein Programm aufnahm, erlebte in der Folge aber einen problemlosen Testtag. Erst nach 102 Runden stieg Vettel aus dem Cockpit.

Als Letzter der elf Fahrer war er um 9:39 Uhr auf die Piste gegangen - mit neuem Helm und großer Vorfreude bestieg er den neuen RB9. Keine halbe Stunde später hielt die Konkurrenz kurz den Atem an, als für Vettel mit 1:06.493 Minuten eine utopische Bestzeit auf den Bildschirmen aufleuchtete. Dann die "Entwarnung": Computerfehler. Tatsächlich bewegte sich der Champion mit seinen Rundenzeiten zunächst im Mittelfeld des Klassements. Dafür hatte Vettel schon wieder auf Rennmodus umgeschaltet und bremste Caterham-Pilot Charles Pic nach der Zielgeraden aus. Wesentlich freundlicher ging Vettel mit den Autogrammjägern um, die ihn in der Mittagspause im Fahrerlager belagerten.

Mercedes macht Fehlstart vergessen

Für den zweiten Deutschen im Feld, Nico Rosberg, lief es heute nach dem kurzen Auftakt am Dienstag (durchgeschmorter Kabelbaum nach 14 Runden) deutlich besser. Sein Team hatte über Nacht jene Hydraulikleitung verstärkt, die bei Lewis Hamilton gestern schon nach 15 Runden zu einem Bremsversagen führte, und Mercedes-Teamchef Ross Brawn wünschte sich, die 100-Runden-Marke zu knacken. Das gelang eindrucksvoll: Nach unglaublichen 148 Runden hat Mercedes nun Gewissheit, dass der F1 W04 nicht grundsätzlich unzuverlässig ist - und die Ingenieure bekommen jede Menge wertvoller Daten, um das Auto bis zum nächsten Test weiterzuentwickeln.

Doch die Tagesbestzeit ging weder an Vettel noch an Rosberg, sondern an Felipe Massa. Während Fernando Alonso via Twitter über seine nächste 88-Kilometer-Radtour informierte, ging der Brasilianer heute Morgen mit einem von aerodynamischen Sensoren übersäten Ferrari F138 auf die Strecke. Noch am Vormittag stellte er die Bestzeit von 1:17.879 Minuten auf - eine Steigerung von mehr als zwei Sekunden im Vergleich zu den ersten beiden Testtagen und ein kräftiges Lebenszeichen der Scuderia, um die sich manch einer schon erste Sorgen gemacht hatte.

Rosberg (+0,887) landete auf dem zweiten, Vettel (+1,173) auf dem dritten Platz. Letzterer war zwar auch in den letzten zehn Minuten noch auf der Strecke, eine Bestzeit für die Galerie setzte der 25-Jährige aber nicht mehr. Vierter wurde heute Kimi Räikkönen (Lotus/+1,321), der jedoch um eine Sekunde langsamer war als Teamkollege Romain Grosjean am Vortag. Besonders am Vormittag war der "Iceman" nur sporadisch auf der Strecke, um 13:01 Uhr verbesserte er sich jedoch vom neunten auf den vierten Platz.

Technischer Defekt bei McLaren?

Jenson Button (McLaren) war es vorbehalten, die Session mit der dritten roten Flagge des Tages zu beenden. Der Brite war davon offensichtlich überrascht, schaute sich das Heck des MP4-28 ganz genau an, nachdem er ausgestiegen war. Button belegte Rang sieben, 1,724 Sekunden hinter Massa und acht Zehntelsekunden hinter seiner Zeit vom Montag. Das ist ein weiterer Beleg dafür, wie stark die verschiedenen Programme verschiedener Teams gerade in der ersten Woche variieren - manchmal auch von einem Tag auf den anderen.

Esteban Gutierrez bestätigte als Achter den Eindruck, dass der Sauber besonders in den schnellen Kurven gut liegt, und trat mit 110 Runden den Beweis dafür an, dass er der Formel 1 körperlich schon gewachsen ist. Neunter wurde Rookie Max Chilton, dem Marussia-Piloten fehlten aber wieder 3,390 Sekunden auf die Spitze. Valtteri Bottas im 2012er-Williams konzentrierte sich indes auf weitere Tests mit neuen Einzelkomponenten, denn auf den FW35 muss der finnische Grand-Prix-Pilot noch bis zum Barcelona-Test warten.

Rote Flaggen: Pic, Vergne, Button

Der Testbetrieb verlief über weite Strecken erneut reibungslos - nur dreimal mussten die Streckenposten rote Flaggen schwenken: Kurz vor 11:30 Uhr rollte Charles Pic im ersten Sektor aus - mit einem "technischen Problem", wie das Team twitterte, ohne Details zu verraten; und gegen 15:00 Uhr blieb Jean-Eric Vergnes Toro Rosso am Boxenausgang stehen, was der Franzose mit einem angedeuteten Fußtritt in Richtung seines Autos kommentierte, wie 'auto motor und sport' berichtet. Auch Räikkönen fuhr am Nachmittag einmal aus der Garage, kam aber nur ein paar Meter weit. Unterbrochen werden musste dafür jedoch nicht.

Für die größte Schrecksekunde sorgte bereits nach gut einer halben Stunde James Rossiter, als er den Lollipop-Mann von Force India über den Haufen fuhr. Die Sache ging aber glimpflich aus: Der Mechaniker zog sich nur ein paar Prellungen und blaue Flecken zu, Rossiter fuhr schon eine Viertelstunde später wieder auf die Strecke. Ziel für Rossiter war es übrigens, Referenzeindrücke zu sammeln, damit er den echten VJM06 mit dem "virtuellen" am Simulator vergleichen und den Ingenieuren aussagekräftigeres Feedback liefern kann. Als Kandidat für ein Stammcockpit gilt er nicht.

Rossiter belegte bei seinem ersten Formel-1-Test seit 2008 mit 1,424 Sekunden Rückstand den guten sechsten Platz. Teamkollege Paul di Resta übernahm das Chassis am Nachmittag, musste sein Programm aber wegen eines gebrochenen Auspuffs um gut eine Stunde früher als geplant abbrechen. Mit knapp sechs Sekunden Rückstand wurde er nur Zwölfter und Letzter. Doch schon morgen, am vierten von insgesamt zwölf Testtagen vor dem Saisonauftakt in Australien (17. März), hat di Resta Gelegenheit, wieder im Auto zu sitzen.

Fotoquelle: xpbimages.com

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