Formel 1 2013

— 19.02.2013

FW35: Williams präsentiert als Letzter

Vor Testbeginn in Barcelona hat nun auch Williams sein neues Auto vorgestellt - FW35 eine Evolution des Vorgängermodells, soll aber erfolgreicher werden





Als elftes und letztes Team stellte Williams heute Morgen, eine halbe Stunde vor Beginn der Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya, sein neues Auto für die Formel-1-Saison 2013 vor. Die Präsentation des FW35 in Barcelona ging relativ schmucklos über die Bühne: Das Auto wurde für ein paar Fotos aus der Garage geschoben, dann wurde der Testbetrieb aufgenommen - ganz nach dem Geschmack von Teamchef Frank Williams, der noch nie ein großer Fan von spektakulären Shows war, sondern immer noch als "Back-to-Basics-Racer" gilt.

Obwohl sich Williams zwei Wochen länger Zeit gelassen hat als die Konkurrenz (vor allem, um mehr Entwicklungszeit im Windkanal zu haben), kommt der FW35 optisch recht konventionell (und ohne abgestufte Nase) daher - als logische Evolution des FW34, mit dem Pastor Maldonado 2012 gerade in Barcelona den ersten Sieg des Teams nach fast acht Jahren feiern konnte. Der FW34 galt vom Potenzial her als sehr schnelles Rennauto, die gute Basis funktionierte jedoch nicht auf allen Rennstrecken beziehungsweise nicht bei allen Bedingungen.

Stabil bleiben die technischen Partner: Herzstück des FW34 ist ein Renault-V8-Motor, im zweiten Jahr der wiederbelebten Zusammenarbeit mit dem französischen Hersteller, mit dem Williams die Formel 1 in den 1990er-Jahren dominiert hatte (sicher auch dank des damaligen Chefdesigners Adrian Newey, der 1997 zu McLaren wechselte). Beim Hybridsystem KERS setzt Williams unverändert auf hauseigene Technologie, entwickelt und produziert beim vor einigen Jahren ins Team eingegliederten Unternehmen Williams Hybrid Power (WHP).

Mehr Traktion als Entwicklungsziel

"Das neue Auto", sagt Valtteri Bottas, "ist eine weiterentwickelte Version des letztjährigen. Es gibt bestimmte Verbesserungen in der Aerodynamik." Und, für seinen Geschmack ganz wichtig: "Wir haben versucht, den Fokus darauf zu setzen, aus den Kurven heraus mehr Traktion zu erzielen." Das war einer der Schwachpunkte des Vorgängermodells, mit dem sich Bottas 2012 noch als Freitags- und Testfahrer herumschlagen musste - inzwischen ist er ja als vollwertiger Grand-Prix-Pilot bestätigt.

Obwohl eine Evolution, sind laut Teamangaben 80 Prozent des FW35 neu - etwa das Getriebe, die Hinterradaufhängung, die Kühler, der Unterboden, der Auspuff, die Karosserie und die Nase. Im Zuge dieses Prozesses konnte zudem Gewicht eingespart werden. Über den Winter wurde auch schon hart an der Zuverlässigkeit gearbeitet, jedoch bislang nur auf den Prüfständen in Grove. Das Getriebe zum Beispiel hat schon 3.200 Kilometer auf dem Buckel, bevor es heute in Barcelona erstmals im fahrpraktischen Betrieb die Gänge wechseln muss.

"Angesichts der Regelstabilität bin ich zufrieden mit den Fortschritten, die wir erreicht haben", sagt Technikchef Mike Coughlan. "Es ist ein besseres und feingetunteres Formel-1-Auto als der FW34, und jeder, der an diesem Projekt beteiligt war, darf auf seine Arbeit stolz sein. Für uns wird der Coanda-Effekt wieder eine große Sache. Es gab diesbezüglich keine Regelpräzisierung, daher arbeiten wir eng mit Renault zusammen, um diesen Effekt maximal auszunutzen. DRS ist dafür stärker eingeschränkt. Davon ziehen wir Ressourcen ab und setzen diese in anderen Bereichen ein."

Während Pastor Maldonado (27) bereits in seine dritte Saison als Stammfahrer geht (und sein Temperament mit zunehmender Erfahrung als Teamleader in den Griff bekommen muss), ist Valtteri Bottas (23) ein klassischer Rookie. Der Finne landete in fast allen Meisterschaften, in denen er bisher angetreten ist, unter den besten Drei, gewann zuletzt 2011 die GP3 und konzentrierte sich 2012 ganz auf seine Williams-Rolle, um sich auf 2013 vorzubereiten. Dabei sicherlich hilfreich: sein Co-Manager Toto Wolff, der gleichzeitig zweitgrößter Williams-Einzelaktionär ist.

Wichtiges Personal weg

Wolff hat inzwischen seine operative Funktion als geschäftsführender Direktor niedergelegt und ist zu Mercedes gewechselt, bleibt jedoch weiterhin stiller Aktionär bei Williams. Der Börsenkurs der Williams Grand Prix Holdings PLC in Frankfurt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten übrigens recht positiv entwickelt - von 19,097 auf zwischenzeitlich bis zu 25,299 Euro. Derzeit steht die Aktie bei 23,445 Euro. Die Kursentwicklungstendenz zeigt seit dem bisherigen Tiefststand im August 2011 jedoch nach oben.

Dabei war Wolff nicht der einzige prominente Abgang der vergangenen Monate: Nach dem Saisonfinale in Brasilien, bei dem die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft mit dem doch etwas enttäuschenden achten Platz abgeschlossen wurde, verließ nicht nur Chefingenieur Mark Gillan das Team, sondern auch Rubens Barrichellos jahrelanger Renningenieur Tom McCullough. Die technische Gesamtverantwortung trägt aber weiterhin Ex-McLaren-Mann Mike Coughlan, bekannt durch seine Beteiligung am Spionageskandal um McLaren und Ferrari.

Williams hofft, mit dem FW35 an frühere Erfolge anknüpfen zu können, immerhin ist das Team mit 114 Grand-Prix-Siegen hinter Ferrari (218) und McLaren (182), aber deutlich vor Lotus (75) oder Red Bull (34) die Nummer drei der ewigen Bestenliste. Williams wurde neunmal Konstrukteurs- und siebenmal Fahrer-Weltmeister, zuletzt 1997 mit dem damaligen Champion Jacques Villeneuve. Nach der Trennung von Motorenhersteller BMW gelang dem Team jedoch zwischen 2004 und 2012 kein einziger Sieg mehr.

Fotoquelle: Williams



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