Doppelt hält besser: Sebastian Vettel will 2013 mindestens einen Finger zeigen

Formel 1 2013

— 24.02.2013

Vettel verspricht keine Siege - aber den Finger

Warum der Weltmeister den RB9 schnell lieb gewonnen hat, mit wem er im Kampf um den Titel rechnet und wie es zu seinem charakteristischen Jubel kam



Nach den Testfahrten in Barcelona stand der Favorit auf den WM-Titel 2013 fr viele Beobachter fest. Es war keine berraschung, sondern Sebastian Vettel. Der Red-Bull-Pilot will nicht so voreilig sein wie so mancher Testkiebitz. "Man muss immer schn die Kirche im Dorf lassen. Es stimmt, ich habe Spa mit dem Auto. Aber ich wei nicht, wie gut die anderen sind", erklrt der Heppenheimer der 'Sport Bild' angesprochen auf eine mgliche vierte Krone in Serie, die er gewinnen knnte.

Vettel glaubt, dass erst beim Saisonauftakt in Australien die Karten auf den Tisch gelegt werden. Er rechnet mit den blichen Verdchtigen. "Mein Teamkollege Mark Webber gehrt dazu", wei der 25-Jhrige ber die Mitfavoriten zu berichten. Auch McLaren-Star Jenson Button, Kimi Rikknen im Lotus und Ferrari-Dauerrivale Fernando Alonso hat er auf der Rechnung. Obwohl Lewis Hamilton allen WM-Ambitionen eine kategorische Absage erteilte, ergnzt Vettel: "Beide Mercedes-Piloten."

RB9 ist ein RB8 2.0

Zu viele Worte ber die Konkurrenz will er aber nicht verlieren und sich von allen bekannten Nebenkriegsschaupltzen fernhalten. "Alonso und Hamilton schieben sich gegenseitig auffllig oft die Rolle des strksten Fahrers zu. Das sollen sie halten, wie sie wollen. Ich rede nicht gern ber andere", so Vettel, der nach gewohntem Red-Bull-Muster die Arbeit am eigenen Auto in den Vordergrund stellen will. Die scheint durchaus von Erfolg geprgt und nach Vettels Gusto zu erfolgen.

Denn die sterreicher haben wie so viele andere Teams bei stabilem Reglement dort angeknpft, wo sie 2012 aufgehrt haben. "Es stimmt, dass ich mich erst in der zweiten Saisonhlfte im vergangenen Jahr im Auto richtig wohlgefhlt habe. Und es stimmt auch, dass das Fahrverhalten des neuen Wagens sehr hnlich ist." Das klingt wie eine Warnung an die Konkurrenz, Vettel misst dem weniger Bedeutung bei. "Das ist kein Wunder, weil der RB9 eine logische Weiterentwicklung ist."

Der "Vettel-Finger": Zufllig ein Markenzeichen

Dennoch: Macht es sich Vettel in einem Auto bequem, wird des fr die Konkurrenz schnell unbequem. "Du musst Vertrauen haben in das Auto, um richtig schnell zu sein. Wenn du vorher weit, was das Auto macht, kannst du in jedem Moment in jeder Kurve ans Limit gehen, ohne Fehler zu machen", verrt der Hesse das Geheimnis seiner Erfolge, die erst in Summe ein stimmiges Bild ergeben: "Wer das am hufigsten schafft, hat am Ende normalerweise die Nase vorn." Meistens er selbst.

Beste Vorzeichen also, wieder den "Vettel-Finger" aus dem Handschuh zu holen? Jene Siegespose, die Fans frohlocken lsst und mancher Kritiker als malos arrogant empfindet? Ihr Urheber will keinen Hehl daraus machen: "Ich sehe das mit dem Finger nicht so eng", wiegelt Vettel ab. Er habe das nie geplant, um sich zu inszenieren: "Es hat sich aus Zufall ergeben und wurde so eine Art Markenzeichen von mir. Ich bin ich, egal, wie andere mich sehen." Deshalb bleibt der Finger. Vettel verspricht, ihn wieder auszustrecken.

Vettel hat Ideen fr Karriere nach der Karriere

Doch dafr msste es wieder mit Pole-Positions und Grand-Prix-Erfolgen klappen: "Irgendwie gehrt der Finger mittlerweile zum Jubel dazu - und sollte ich, toi, toi toi, wieder die Mglichkeit haben, einen Sieg zu feiern, dann werden wir auch den Finger wieder sehen." Das klingt nach einem hungrigen Vettel. Allerdings bedeutet das nicht, dass er nicht bereits ber eine Perspektive nach der Formel 1 nachgedacht htte. "Aber davon bin ich noch weit entfernt", beruhigt er seine Fans.

Wenn es eines Tages dann soweit ist, wird Vettel nicht auf der Veranda sitzen und Fugnger zhlen. Er hat in seiner Zeit in der Knigsklasse viel mitgenommen: "Durch das viele Reisen erweitert man extrem seinen Horizont und kommt auf eine oder zwei andere Ideen, was man so machen knnte." Ob nun indisches Spezialitten-Restaurant oder brasilianische Zuckerrohrplantage, zunchst gehrt der Formel 1 die Hauptrolle: "Ich liebe total, was ich mache. Und ich habe auch noch gar kein Gefhl dafr, wann sich das ndern wird."

Fotoquelle: Red Bull/Getty

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