Formel 1 2013

— 27.02.2013

Prost: Ähnliches Problem wie de Villota bei Red-Bull-Test

Wie Alain Prost im Vorjahr bei seinem Test im Red Bull RB6 an das De-Villota-Unglück erinnert wurde und welche Unterschiede er im Vergleich zu früher wahrnahm





Formel-1-Piloten haben die Abläufe in ihren Boliden automatisiert - für Menschen, die mit der aktuellen Technik aber nicht vertraut sind, bergen die Autos der "Königsklasse" des Motorsports so manch unerwartete Herausforderung. Diese Erfahrung mussten schon viele Ex-Formel-1-Fahrer machen, als sie nach einer längeren Pause wieder die Gelegenheit hatten, einen der Boliden zu pilotieren. Man erinnere sich an den dreifachen Champion Niki Lauda, der posaunte, dass selbst Affen ein modernes Formel-1-Auto steuern könnten, dann aber bei einem Jaguar-Test 2002 in Jerez schon nach wenigen Metern den Motor abwürgte. Seine Ankündigung, höchstens vier Sekunden auf Stammfahrer Eddie Irvine zu verlieren, setzte er bei weitem nicht um.

Und beim Crash von Testpilotin Maria de Villota auf dem Flugfeld von Duxford im vergangenen Jahr sorgte mangelnde Vertrautheit mit der Bedienung eines Formel-1-Autos für ein böses Ende: Die Spanierin wollte verlangsamen, beschleunigte aber aus Versehen und donnerte in die offene Laderampe des Teamtransporters - sie zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu und verlor ihr rechtes Auge.

Was zunächst mit deplatzierten Scherzen kommentiert wurde, könnte aber einen ernsten Hintergrund haben - dieser Meinung ist zumindest Alain Prost. Der vierfache Formel-1-Weltmeister aus Frankreich, der seine Karriere Ende 1993 mit dem WM-Titel beendete, durfte in seiner Funktion als Renault-Botschafter Ende September 2012 in Le Castellet das 2010er Weltmeister-Auto von Red Bull testen.

Erinnerungen an de Villotas Crash

Dabei bereitete ihm kurioserweise nicht das Bewegen des Autos bei Topspeed Probleme, sondern das Anhalten an der Box. "Das hat mich überrascht", gibt er zu. "Man muss sehr vorsichtig sein. Ich wollte bremsen, habe aber beschleunigt. Da musste ich an de Villotas Unfall denken. Ich weiß aber nicht, ob das bei ihr den gleichen Grund hatte."

Auch die Sitzposition im Auto war für den Franzosen, der von 1980 bis 1993 Formel 1 fuhr, gewöhnungsbedürftig: "Die Beine sind sehr hoch - es ist sehr seltsam, aber man gewöhnt sich sehr rasch." Dennoch sieht er dies als größten Unterschied zu den Autos seiner Ära - kein Wunder, schließlich hatte sein Williams 1993 im Gegensatz zum damaligen Benetton noch eine tiefe Nase.

Aktuelle Autos laut Prost leicht zu fahren

Als weitere Unterschiede fielen Prost "die vielen Knöpfe am Lenkrad", die Schaltung am Lenkrad, das Linksbremsen sowie die Tatsache auf, dass man "nur zwei Pedale" hat, was er als "sehr ungewöhnlich" empfand. In seiner Ära hatten Formel-1-Autos noch ein Kupplungspedal - heute verfügen die Boliden über ein halbautomatisches Getriebe.

Trotz der Unterschiede gewöhnte sich Prost rasch an die neue Formel 1 - und hatte keine Schwierigkeiten, das Auto zu steuern. "Wenn man auf der Strecke ist, dann fühlt es sich an, als würde man in einem Go-Kart sitzen", spricht Prost über seine Erfahrungen im Cockpit. "Das Auto ist sehr leicht zu fahren. Die letzten Zehntel herauszuquetschen, muss aber sehr schwierig sein, denn wenn ein Auto leicht zu fahren ist, dann ist das noch schwieriger."

Würde die aktuelle Formel 1 Prost liegen?

In der aktuellen Formel 1 werden die Fahrer belohnt, die es schaffen, das Auto perfekt auf ihren Fahrstil abzustimmen - Detailarbeit, wie man etwa mit den Reifen am besten zurecht kommt, zahlt sich aus. Das beweist Sebastian Vettel, der als besonders harter Arbeiter gilt und oft bis in die Nacht hinein mit seinen Ingenieuren am optimalen Setup bastelt.

Durchaus möglich, dass auch ein Pilot wie Prost in der heutigen Ära seine Stärken ausspielen könnte, schließlich galt auch er als Perfektionist bei der Autoabstimmung. Dem ehemaligen Williams-Piloten würde aber laut eigenen Angaben heute der Freiraum seiner Ära fehlen. "Es gibt viele Dinge, die man nicht mehr selbst entscheiden kann", fällt ihm auf. "Alles ist so gut organisiert, viele Dinge werden von Leuten im Hintergrund entschieden."

Er rechnet aber damit, dass sich dies durch die Reglementrevolution 2014 - kleine Turbomotoren werden die Sauger ersetzen, auch der Hybridantrieb und das Spritsparen werden massiv an Bedeutung gewinnen - ändern könnte. "Vielleicht wäre die Ära, die nächstes Jahr mit den neuen Motoren beginnt, viel besser für mich", vermutet er. "Vieles wird neu sein, und man wird eine komplett neue Herangehensweise benötigen. Das gilt sogar für die Ingenieure, denn auch für sie wird es viele Dinge geben, über die sie nicht Bescheid wissen. Das wird eine große Herausforderung."

Fotoquelle: Red Bull



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