Marussia-Sportdirektor Graeme Lowdon (li.) und Teamchef John Booth (re.)

Formel 1 2013

— 02.03.2013

Lowdon über die Verpflichtung Bianchis

Marussia-Sportdirektor Graeme Lowdon nimmt Stellung zur Verpflichtung von Jules Bianchi - Mit einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Ferrari hat der Deal nichts zu tun



Der Franzose Jules Bianchi hat das letzte Stammcockpit für die anstehende Saison ergattert. Nachdem es lange nach einem Stechen zwischen ihm und Adrian Sutil bei Force India ausgesehen hatte, erhielt schließlich der Deutsche das zweite Cockpit im Rennstall von Vijay Mallya und der Sahara-Gruppe. Bianchis Manager Nicolas Todt wandte sich anschließend an Marussia, wo Luiz Razia zwar als zweiter Stammfahrer bestätigt war, aber da seine Sponsoren Probleme mit der Finanzierung hatten, verlor er das Cockpit wieder. Bereits bei der Trennung von Timo Glock wurde klar, dass Marussia Geldquellen braucht, um das Team am Leben zu erhalten.

Die Formel 1 ist Business, lediglich an den Rennwochenenden ist die Königsklasse Sport. Mit Bianchi hat sich Marussia ein großes Talent gesichert. Der 23-Jährige stürmte durch die Nachwuchsklassen, gewann die Formel-Renault 2.0, die Formel-3-Euroserie und den Formel-3-Klassiker in Macao. In der GP2-Serie kam seine Karriere allerdings etwas ins Stocken. Obwohl er für Topteams fuhr, reichte es zu zwei dritten Plätzen in der Meisterschaft. Der Titel war nie ernsthaft in Griffweite. Im Vorjahr unterlag er Robin Frijns in der Renault-World-Series durch eine fragwürdige Kollision im Saisonfinale.

Marussia hat mit Bianchi den besten Spagat zwischen Finanzierung und Talent geschafft. "Es ist einfach natürlich passiert. Ich kann jetzt nicht sagen, wer auf wen zugekommen ist", sagt Marussia-Sportdirektor Graeme Lowdon. "Es hat auch das Gefühl, dass es richtig ist." Obwohl Razia nicht mehr mit von der Partie ist, startet Marussia dennoch mit zwei Rookies in die Saison. Bei den bisherigen Wintertestfahrten saß hauptsächlich Max Chilton im Auto.

"Wir wollen junge Fahrer entwickeln", hält Lowdon fest. Bianchi wird in Melbourne zwar seinen ersten Grand Prix fahren, doch er verfügt über Erfahrung in Formel-1-Autos. Er war Teil der Ferrari-Akademie und war im Vorjahr Testfahrer bei Force India. An insgesamt neun Freitagstrainings nahm er im Vorjahr teil. Zudem testete er auch in diesem Winter für Force India. Bianchis Sinne für ein Formel-1-Auto sind deshalb scharf. "Wir verstehen die Struktur der Akademie und nehmen sie sehr ernst", meint Lowdon über den Ferrari-Nachwuchs.

Zudem glaubt er, dass Bianchi der Aufgabe gewachsen ist. "Seine Vergangenheit war sehr strukturiert und interessant. Wenn viele Leute involviert sind, muss man Gespräche führen und alles verstehen. Jules ist nicht nur schnell sondern auch sehr gut vorbereitet. Die Saison startet schon sehr bald. Deshalb ist es nützlich, dass er erst jüngst im Auto gesessen hat." Bereits am heutigen Samstag wird er in Barcelona erstmals den Marussia MR02 testen. "Das ist im Moment der Plan", bestätigt der Sportdirektor.

"Das Wetter hat die Dinge etwas durcheinandergebracht. Natürlich kann man nie sagen, ob es Probleme mit dem Auto gibt, aber der Plan ist es, dass er am Samstag und einen halben Tag am Sonntag fährt. Am Sonntag wollen wir Boxenstopps trainieren", lautet sein Programm. In den vergangenen Wochen wurden Gerüchte laut, dass die Fahrerwahl bei Force India (Sutil oder Bianchi) ein Motorenthema sei. Sutil steht Mercedes nahe und Bianchi Ferrari.

Bianchi nicht Teil der Motorenfrage

Da Cosworth keine neue Antriebseinheit für die neuen Regeln ab 2014 baut, wird sich Marussia einen neuen Motorenpartner suchen müssen. Toro Rosso möchte zu Renault wechseln, womit Ferrari einen Kunden verlieren wird. Ferrari sucht deshalb Ersatz. Daher ist es naheliegend, dass Marussia über Bianchi an Ferrari-Motoren herankommen könnte. War das Teil der Überlegungen, die schlussendlich für die Verpflichtung des Franzosen gesprochen haben? "Nein", stellt Lowdon klar.

Bezüglich der Motorenfrage gibt er sich bedeckt: "Gespräche über Motoren finden wie bei jedem Team mit jedem Hersteller statt. Wir haben die Möglichkeit, einen junge Fahrer ins Auto zu setzen und eine gute Zukunft zu haben. Das war nicht Teil der Gedanken, ihn ins Auto zu setzen." Sportlich gesehen ist bei Marussia alles startklar für die neue Saison. Es stellt sich nur noch die Frage, was mit Razia passiert. Der Brasilianer ist kurzfristig durch den Rost gefallen und derzeit nicht Teil des Fahrerfeldes.

Seine Zukunft steht derzeit in den Sternen, da auch in den wichtigsten Nachwuchsserien die besten Cockpits besetzt sind. "Luiz ist ein sehr guter Fahrer und ist für das Team in der Vergangenheit gefahren. Er ist ein sehr schneller Fahrer", lobt Lowdon. "Wir hoffen, dass wir Möglichkeiten für ihn finden können, denn er war Teil unseres Ausbildungsprogramms. Es wäre schön, wenn er eine gute Möglichkeit finden könnte. Wir bleiben mit ihm sicher in Kontakt."

Abschließend meint der Sportdirektor zum Thema Fahrerfrage: "Wie alle Teams auch, haben wir Business-Programme. Wenn Dinge nicht funktionieren, obwohl beide Seiten das wollen, dann ist es manchmal im Leben so. Es gibt keine großen Probleme. Es ist wie es ist."

Fotoquelle: xpbimages.com

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