Paul Hembery kann es scheinbar niemandem Recht machen

Formel 1 2013

— 05.03.2013

Pirelli will Teams eine schwierige Aufgabe stellen

Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery glaubt nicht an einen ähnlichen Saisonstart wie 2012, möchte die Teams herausfordern und steht 2014 vor einem Problem



Die Wintertests sind vorbei und es gab ein Wort, das bei so ziemlich jedem Team am Ende jedes Tages in der Pressemitteilung auftauchte: Reifen. Auch in diesem Jahr spielen die Pneus von Pirelli wieder eine große Rolle bei der Performance der einzelnen Boliden. 2013 sollen die Reifen weicher gemacht worden sein, rund eine halbe Sekunde pro Runde sollen die einzelnen Mischungen im Vergleich zum Vorjahr schneller sein.

Im Fokus bei den Testwochen stand aber vor allem die Temperatur der Strecke. Diese fiel meistens viel zu kalt aus, was extremes Graining zur Folge hatte. Zwar rechnet Pirelli nicht mit dem gleichen Szenario während der Saison, doch in Barcelona machten Berichte von Supersofts, die sich nach einem halben Umlauf aufgelöst haben, und Befürchtungen von "sieben bis zehn Boxenstopps" (O-Ton Sergio Perez; Anm. d. Red.) die Runde. Bisher klingt alles nach einer ähnlichen Reifenlotterie wie zu Beginn 2012, als es in den ersten sieben Rennen sieben verschiedene Sieger gab.

Doch Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery winkt gegenüber der Agentur 'dpa' ab: "Nein. Natürlich würden viele Zuschauer gern wieder sieben verschiedene Sieger in sieben Rennen sehen wie im vergangenen Jahr. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sich das wiederholt." Er glaubt stattdessen, dass die Teams die Gummiwalzen in dieser Saison eher verstehen: "Der Vorteil in diesem Jahr ist, dass wir keine großen technischen Änderungen an den Autos haben. Die Autos starten auf einer Grundlage, die ähnlich zu der von 2012 ist", erklärt der Brite.

Kritik prallt einfach ab

"Die Teams werden daher ihre Autos viel besser verstehen, und wie sie diese auf die Reifen abstimmen müssen. Ich bin sicher, dass sie sehr schnell darauf kommen werden, wie sie das Maximum aus dem Auto und den Reifen rausholen können." Wahrscheinlich nach sieben oder acht Rennen würden die Teams die Reifen vollkommen verstehen. 2012 habe es laut Hembery ein wenig länger, nämlich bis zur Saisonhalbzeit, gedauert.

Kritik, der Reifen sei zu Beginn 2012 zu wechselhaft gewesen, möchte der Pirelli-Chef nicht gelten lassen: "Die Realität ist doch, dass die technische Herausforderung für alle die gleiche ist. Es ist eben die Aufgabe der Ingenieure, schneller als ihre Konkurrenten herauszufinden, wie sie das Maximum aus dem Paket herausholen können. Sie haben uns nur gebeten, dass alle die gleiche Chance haben. Das bleibt auch so. Und daher hat uns die Kritik nicht beeinflusst."

Doch scheinbar kann man es niemandem recht machen: "Wir sind am Ende der Saison dann dafür kritisiert worden, weil es das Risiko gab, dass einige Rennen ziemlich langweilig hätten werden können", stellt Hembery die Unverhältnismäßigkeit heraus. "Wir wussten daher, wenn wir nichts ändern, dann könnte es in diesem Jahr eintönig werden." Herausgekommen ist dann die aktuelle Reifengeneration.

Verlängerung in Sicht

"Wir hoffen, dass wir den Teams eine schwierige Aufgabe für den Start der Saison gestellt haben und dass daraus dann aufregende Rennen resultieren", stellt Hembery in Aussicht. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, natürlich müssen die Teams den größeren Anteil leisten. Wir hoffen, dass wir erfüllt haben, was sie von uns verlangen: eine technische Herausforderung, zwei oder drei Boxenstopps pro Rennen und insgesamt einen attraktiveren Sport."

Dass Pirelli seinen Vertrag mit der Formel 1 gerne verlängern würde, hat der Reifenhersteller bereits anklingen lassen. Doch für 2014 wartet noch einmal eine große Herausforderung auf die Italiener: Im kommenden Jahr wird es in der Königsklasse ein komplett neues Reglement geben, bei dem alle Teams fast bei null beginnen müssen - auch für Pirelli wird dies zum Problem: "Wir werden bei unseren Tests wieder ein Renault-Modell aus dem Jahr 2010 nutzen", so Hembery.

Doch das habe mit den 2014er Boliden fast gar nichts mehr gemeinsam. "Man könnte also sagen: Egal, womit wir testen, es wird nie vergleichbar sein mit dem, was wir dann auf der Rennstrecke sehen werden. Also müssen wir mehr und mehr mit den Simulatoren der Teams arbeiten, um zu verstehen, wie die Reifen mit den neuen Autos funktionieren. Damit werden wir anfangen, sobald feststeht, dass wir über die Saison hinaus weitermachen."

Hembery bestätigt gleichzeitig, dass Gespräche über eine Fortsetzung des Vertrages bereits laufen würden: "Wir hoffen, dass es eher früher als später eine Entscheidung gibt." Doch was hält Pirelli eigentlich in der Formel 1? Hembery kennt die Antwort: "Es ist ein globaler Sport, das ist ziemlich einzigartig. Es gibt nur wenige davon, die meisten sind eher regional oder haben nur alle vier Jahre Weltmeisterschaften. Die Formel 1 geht in alle Ecken der Welt. Wie Pirelli will auch die Formel 1 in Asien, den USA und Russland wachsen. Da haben wir die gleichen Interessen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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