Jenson Button freut sich, dass das Rätselraten bald zu Ende sein wird

Formel 1 2013

— 14.03.2013

Button: "Von manchen Testzeiten können wir nur träumen"

Jenson Button erklärt, warum er mit den Tests nicht zufrieden war, wie McLaren die Rivalen überholen will und was er Lewis Hamiltons McLaren-Kritik entgegensetzt



Drei Mal hat Jenson Button im Albert Park bereits zugeschlagen. Dieses Jahr kehrt er als Teamleader an die ehemalige Triumphstätte zurück und peilt den vierten Sieg an. Doch derzeit herrscht beim Briten noch Ungewissheit, wie konkurrenzfähig der MP4-28 wirklich ist. Bei den Testfahrten benötigte man viel Zeit, um das Auto zu verstehen - aber Button hofft, dass die Charakteristik des Kurses im Albert Park die Probleme von Barcelona wettmachen könnte. Im Vorfeld des Saisonauftakts spricht er über seine Erwartungen für das Wochenende und die Saison, seine Rolle bei McLaren und den Ausstieg von Hauptsponsor Vodafone mit Saisonende.

Frage: "Jenson, die Formel 1 ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Aber wenn du an eine Strecke kommst, wo du bereits gewonnen hast, fieberst du dann mehr auf das Rennen hin?
Jenson Button: "Ja, das ist schon der Fall, diese Strecke war bisher sehr gut zu mir. Ich weiß eigentlich nicht warum, ich mag die Streckenführung. Natürlich ist es immer aufregend, wenn die Saison beginnt, aber das gilt für alle. Es ist ein tolles erstes Rennen - die Fans sind hier sehr enthusiastisch, das gesamte Fahrerlager freut sich, dass es endlich wieder losgeht."

"Wisst ihr, wenn sich die Saison dem Ende zuneigt, dann kommt es schon vor, dass man etwas müde ist. Man ist so weit weg von zuhause. Es ist schön, die Saison frisch und an so einem schönen Ort zu starten. Ich bin seit Sonntag hier, habe mit Freunden entspannt und die Zeit genossen - wie jedes Jahr. So bereite ich mich jedes Jahr auf dieses Rennen vor."

Frage: "Bist du wieder in deinem Lieblings-Hotelzimmer?"
Button: "Ja, genau. Ich bin gestern mit dem Fahrrad gefahren - die gleiche Route wie immer. Und danach habe ich ein Bier genossen - das gleiche wie immer. Ich bin aber übrigens nicht abergläubisch."

Frage: "Gibt es irgendeinen Grund, der gegen einen vierten Sieg im Albert Park spricht?"
Button: "Hmm ... nein. Die Bedingungen werden an diesem Wochenende auch sehr interessant sein. Es wird kein geradliniges Wochenende. Es könnte interessant werden."

Button gibt Probleme bei Tests zu

Frage: "Du weißt nicht, wo die anderen stehen, aber bist du zufrieden mit euren Tests?"
Button: Nein. Die ersten Tests waren nicht großartig, denn es gab so viel zu testen. Wir mussten mit so vielen unterschiedlichen Teilen Kilometer abspulen, wir haben gar nicht wirklich am Setup gearbeitet. Der letzte Test war viel besser, was die Kilometer und das Verständnis für das Auto angeht. Aber wir haben an keinen zwei Tagen das gleiche Auto ausprobiert, was das Setup angeht. Es ist nicht optimal. Am letzten Testtag hatte ich ein viel besseres Gefühl für das Auto."

"Wir haben beim Setup was gefunden und sind in die richtige Richtung gegangen, auch was das Gefühl angeht, das ich im Auto mag. Wenn man aber die Testzeiten anschaut, dann gibt es gewisse Zeiten, die wir definitiv nicht fahren hätten können. Davon hätten wir nur träumen können."

Frage: "Wie gut versteht ihr das Auto jetzt?"
Button: "So wie es jetzt hier steht, verstehen wir das Auto sehr gut. Es gibt ein paar Dinge, die wir im Winter ausprobiert haben, die wir noch nicht so recht im Griff haben. Diese Teile sind nicht am Auto."

Frage: "Sergio meinte, dass vor allem das Heck des Autos noch Aufmerksamkeit erfordert."
Button: "Es ist immer ein Ende. Wenn das Heck des Autos passt, will man mehr Frontflügel fahren. Wo ist das Ende? Ich denke, dass es viele Bereiche gibt, wo wir uns verbessern müssen - und durch das Testen ... Hoffentlich gibt es die Möglichkeit, etwas zu testen - hoffentlich halten die Reifen länger als ein, zwei Runden ohne Graining. Dann können wir am Setup arbeiten und finden vielleicht eine Einstellung, die uns passt."

"Es ist hier aber ohnehin immer ganz anders als bei den Testfahrten. Im Vorjahr wussten wir wirklich nicht, dass wir ein gutes Auto haben. Als wir dann am Freitag fuhren, wussten wir, dass wir ein sehr starkes Auto haben - ich rechne dieses Wochenende nicht mit einem derartigen Vorteil. Hoffentlich wird das Auto aber stärker sein als bei den Tests. Wir machen uns keine allzu großen Sorgen, aber ich will jetzt endlich rausfahren, um zu wissen, was wir haben - und wo wir noch arbeiten müssen."

Frage: "Die Rundenzeiten, die ihr nicht fahren konntet, machen dir also keine Sorgen?"
Button: "Wenn wir dieses Wochenende in Barcelona fahren würden, dann würde ich mir Sorgen machen. Hier ist es aber anders. Ich weiß, dass es am Sonntag hier kühler sein wird als jetzt, aber es ist immer noch heißer als bei den Tests. Der Asphalt ist hier außerdem ganz anders. Die gesamte Rennstrecke unterscheidet sich sehr stark von Barcelona. Wir werden sehen. Ich rechne an diesem Wochenende mit gemischten Bedingungen - es wird also schwierig, einen Eindruck zu bekommen. Für Samstag wird Regen erwartet, vielleicht auch am Sonntag. Das ist eine wichtige Zeit in der Saison - nicht alle verstehen ihre Autos oder sind noch nicht schnell genug. Man muss also so viele Punkte mitnehmen wie möglich."

Wie Button die "neue" Formel 1 einschätzt

Frage: "Wünscht du dir am Sonntag Chaos und eines dieser Rennen, wo nur Jenson Button, weiß, was man tun muss, damit die Reifen funktionieren?"
Button: "Ich hätte lieber einen trockene Strecke, damit wir verstehen, wo wir derzeit stehen und was wir tun müssen. Obwohl das Auto bei Mischwetter gut sein sollte, bei Regen war es in Barcelona ziemlich schnell."

Frage: "Im Vorjahr hast du hier gewonnen, bist dann aber in Probleme geschlittert. Würdest du dieses Jahr einen Auftaktsieg gegen eine konstantere Saison eintauschen?"
Button: "Ich werde immer den Sieg anpeilen. Die Leute fragen mich: Würdest du diesen Sieg gegen einen Sieg beim Heimrennen in Großbritannien eintauschen? Nein, würde ich nicht! Ich will beide gewinnen. Das ist dieses Jahr das Ziel."

Frage: "Es heißt, dass manche Piloten sogar in Erwägung ziehen könnten, nicht um die Pole zu kämpfen, um im Rennen dann auf der härteren Mischung starten zu können. Ist das vorstellbar?"
Button: "Ich denke nicht. Wenn man schnell genug für die Pole ist, dann wird man es versuchen. Als Erster in die erste Kurve zu fahren, ist so viel wichtiger als auf der richtigen Reifenmischung zu starten. Ich glaube außerdem, dass der Supersoft-Reifen nicht der falsche beim Start des Rennens sein wird. Ich rechne nicht mit seltsamen Spielen im Qualifying - zumindest, was die Top-Autos angeht. Bei den Autos, die Mühe haben, in Q3 zu kommen, könnte das eine andere Geschichte sein, aber hoffentlich zählen wir nicht zu diesen Autos."

Frage: "Der Unterschied zwischen den zwei Reifenmischungen könnte hier sehr groß sein. Zwingt ihr euch vielleicht, den weicheren und schnelleren Reifen in Q1 einzusetzen?"
Button: "Ich denke, dass es bei den Reifen große Unterschiede gibt. Er könnte mehr als eine Sekunde betragen. Q1 könnte knifflig werden, kniffliger als in den vergangenen Jahren, denn wir haben ein Team verloren. Man hat keine Sekunde Vorsprung mehr auf die Teams, die in Q1 hinausfliegen wird. Es werden zwei schnelle Autos in Q1 ausscheiden. Wahrscheinlich werden alle den Supersoft-Reifen benutzen, wenn das Feld eng beisammen liegt. Ich denke aber nicht, dass das Feld in Q3 eng beisammen liegen wird. Wir werden wahrscheinlich einen großen Zeitunterschied von den Schnellsten bis zu den Langsamsten in Q3 sehen. Ich glaube, dass manche das Auto auf eine Runde wirklich hinbekommen haben. Das hat beim Testen so ausgesehen - schauen wir mal, wie es hier sein wird."

McLarens Plan für die Saison 2013

Frage: "Ihr habt einen Nachteil, weil ihr dieses Jahr auf ein neues Konzept setzt. Bevor man das Auto nicht versteht, bringt es wenig, es stark weiterzuentwickeln. Andere beginnen mit einer bekannten Basis und konnten bereits viel entwickeln. War das in der Testphase ein Problem?"
Button: "Ich denke schon. Wenn man sich die anderen Autos anschaut, dann fällt auf, dass die meisten grundsätzlich gleich aussehen wie im Vorjahr. Sie haben es einfach weiterentwickeln. Bei uns ist das anders: Die Geometrie des Auto ist anders, auch die Art und Weise, wie die Aerodynamik funktioniert. Es ist immer schwieriger, wenn man große Änderungen vornimmt. Wir glauben nach wie vor nicht, dass uns das beim ersten Rennen behindern wird, aber es sollte uns im Laufe der Saison helfen. Wir rechnen mit einer viel besseren Entwicklungskurve als dies hoffentlich bei den meisten anderen Teams der Fall sein wird."

Frage: "Im Vorjahr kamen die großen Updates des Autos bei Saisonmitte."
Button: "Ja, das war etwas spät. Ab Hockenheim lief es für uns etwas besser. Die Updates kamen nicht so schnell, wie wir es uns gewünscht hätten, aber gleichzeitig hatten wir Mühe, die Reifen zu verstehen."

Frage: Sergio hat gemeint, dass du ihm bei den Tests viele Fragen gestellt hast, um das Maximum aus dem Auto herauszuholen. Wie war es für dich, mit ihm zu arbeiten?"
Button: "Gut. Ich habe immer am Boxenfunk zugehört. Es ist wichtig, das Feedback deines Teamkollegen zu verstehen. Wir sagen zwar alle die gleichen Dingen, wir drücken uns aber anders aus. Man muss sicherstellen, dass man versteht, was er sagt, denn wir müssen das Auto gemeinsam weiterentwickeln. Ich habe viel zugehört, natürlich auch bei den Meetings. Er macht das gut, sein Feedback ist gut, und ich verstehe nun, was er vom Auto verlangt. Wir arbeiten gut zusammen."

"Er hat zwar nicht viel Formel-1-Erfahrung, aber er hat in diesen zwei Jahren viel mitgenommen. Er hat sich gut eingefunden. Er ist ein sehr bodenständiger Charakter, und gibt sich große Mühe, sich anzupassen - auch beim Fitnesstraining und was die Zeit angeht, die er in der Fabrik verbringt. Ich denke, dass er bereit ist."

Frage: "Treibt ihr die Entwicklung in die gleiche Richtung?"
Button: "Wir hatten kein einziges Mal das gleiche Auto, aber das war nicht unsere Entscheidung. Das lag daran, dass wir unterschiedliche Teile getestet und deren Zuverlässigkeit ausgelotet haben."

Frage: "Spürst du etwas mehr Druck, weil du jetzt das Team anführst?"
Button: "Druck? Nein. Aufregung? Ja. Weißt du, wir alle befinden uns gerne in dieser Rolle. Ich kenne das bereits von meinen früheren Teams. Es ist schön, wenn deine Meinung wirklich Gewicht hat und man die Richtung bestimmen kann."

Button widerspricht Hamilton vehement

Frage: "Lewis hat diese Woche gesagt, wie hart es für ihn bei McLaren am Ende - er fühlte sich kontrolliert, konnte sich nicht so ausdrücken, wie er wollte. Wie siehst du das?"
Button: "Die Freiheiten, die man in diesem Team hat, sind phänomenal. Es überrascht mich sehr, das zu hören. Ich denke, dass man in diesem Team arbeiten muss - vielleicht muss man härter arbeiten als bei anderen Teams, wenn es um Sponsorentermine geht. McLaren ist kein Automobil-Konzern im großen Stil - wir brauchen Sponsoren, um in diesem Sport zu existieren. Das muss man verstehen, wenn man in diesem Team ist. Als ich hierher kam, da war es für mich ein Schock - das muss ich wirklich sagen."

"Nachdem ich die Weltmeisterschaft mit Brawn gewonnen habe, kam ich hierher, und es war so viel stressiger. Der erste Gedanke war: Wow, ist das wahr? Aber man lernt, das zu verstehen und sich anzupassen. Man realisiert, dass das Teil des Jobs und die Basis für die Erfolge ist. Es geht nicht darum, nur mit den Sponsoren zu arbeiten. Man muss sicherstellen, dass man großartige Arbeit für die Sponsoren leistet, denn man will sie binden und mit ihnen vorwärts kommen. Ich verstehe daher, dass man hier sehr viel zu tun hat. Natürlich ist die Zeit begrenzt, weil man viel Zeit im Flugzeug verbringt, viel reist, an vielen Sponsorenevents teilnimmt."

"Was man hier aber als Fahrer verändern kann, wie man auf die Entwicklung einwirken kann, das ist wirklich toll. Man hat hier so viel Freiraum und bekommt so viel Hilfe, wenn man sie braucht - egal, was dein Problem ist. Ich habe so viel gelesen, so viele Gerüchte - nicht durch Lewis, aber was in den Medien stand -, wie dieses Team ist. Das ist so weit von der Wahrheit entfernt. Vielleicht haben die Leute im Team Angst, das zu sagen, aber das entspricht ganz und gar nicht den Tatsachen. Das Team ist so offen und freundlich - es würde alles für einen tun."

Frage: "Du kennst auch das Team in Brackley."
Button: "Ja, ich habe gerne dort gearbeitet - mit all den Namensänderungen, die wir hatten. Die Atmosphäre war gut, ich würde nichts Schlechtes gegen sie sagen. Als ich hierher kam, rechnete ich damit, dass es so sein würde, wie es viele Leute von außen wahrnehmen. Das Gegenteil ist der Fall - es ist eine große Familie. Es wird alles getan, damit man sich wohlfühlt, damit man sich beim Rennfahren voll konzentrieren kann."

Button: McLaren wird Vodafone-Ausstieg überstehen

Frage: "Du hast vorhin gesagt, wie wichtig die Sponsoren sind. Vodafone setzt das Engagement nicht fort."
Button: "Ja. Seit ich hier bin, ist Vodafone an Bord. Sie waren schon davor hier. Sie haben mit Lewis die Weltmeisterschaft gewonnen, und wir haben viele Grands Prix gemeinsam gewonnen. Es ist schade, dass sie jetzt gehen, aber solche Dinge passieren eben. Sie setzen ihr Geld und ihre Ressourcen jetzt woanders ein. Sie ziehen sich nicht nur von McLaren zurück, sondern aus der Formel 1, aus dem Motorsport, auch aus anderen Sportarten. Sie sind aber 2013 Hauptsponsor, wir werden 2014 logischerweise einen anderen Hauptsponsor haben. Ich weiß noch nicht, um wen es sich handeln wird. Ich bin aber sehr sicher, dass die Leute bei McLaren bei der Suche nach diesem Hauptsponsor großartige Arbeit leisten werden."

Frage: "Wie sieht es mit Honda aus?"
Button: "Was meinst du?"

Frage: "Du weißt, worum es geht ..."
Button: Es gibt viele Spekulationen über viele Motorenhersteller, aber der Größte, der immer wieder genannt wird, ist Honda. Es gibt aber einige. Ihr habt jetzt wahrscheinlich das Gefühl, dass ich dem Thema Honda ausweichen will, aber: Je mehr Motorenhersteller wir in diesem Sport haben, desto besser ist es. Der 1,6-Liter-Motor sollte mehrere Hersteller anziehen, weil es sich um ein Motorenformat handelt, das wir auch in vielen Serienautos vorfinden. Es wird für Hersteller also viel interessanter, und wenn wir mehr Hersteller anziehen, dann kann das für den Sport nur gut sein. Derzeit haben wir nur drei, aber ich weiß nicht was in der Zukunft passieren wird. Wir haben immer mit Mercedes gearbeitet, und soweit ich weiß, gilt das auch für die Zukunft."

Fotoquelle: xpbimages.com

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