Die Ferrari-Piloten stellten sich für Sebastian Vettel als hartnäckige Gegner heraus

Formel 1 2013

— 17.03.2013

Horner: Reifen waren nie im optimalen Fenster

Sebastian Vettel bekam in Melbourne die Reifen nicht in das optimale Betriebsfenster - Red-Bull-Teamchef Christian Horner kritisiert McLaren-ECU



Weltmeister Sebastian Vettel ist in Melbourne mit einem dritten Platz in die Saison gestartet. Nach der starken Vorstellung am Freitag und der kompletten ersten Startreihe galt Red Bull als Favorit, doch am Ende war Ferrari einen Tick schneller. Dazu zeigte Lotus-Pilot Kimi Räikkönen ein perfektes Rennen, benötigte nur zwei Stopps und holte sich souverän den ersten Saisonsieg. Im Ziel hatte Vettel 22 Sekunden Rückstand auf den "Iceman". Wie ist der dritte Platz zu bewerten? Als Niederlage oder als soliden Start in die Saison? "Wenn du unter die Top 3 kommst, hast du ein super Resultat eingefahren", kommentiert Niki Lauda bei 'RTL'.

"Von vorne herein haben alle geglaubt, dass der Red Bull schnell ist. Ich bin mir sicher, der Christian und der Sebastian (Horner und Vettel, Anm. d. Red.) auch. Aber wir wurden eines Besseren belehrt." Vor dem Start galt Red Bull als Favorit, doch in der Formel 1 bedeutet das nicht automatisch den Sieg. "Alle haben damit gerechnet, dass Red Bull gewinnt. Aber das ist die Formel 1. Ich finde es doch toll. Überraschend und gut", freut sich Lauda über das abwechslungsreiche Rennen. Aber auch nach dem ersten Grand Prix ist das Kräfteverhältnis zwischen den Rennställen nicht klar.

Zum einen ist Melbourne von der Charakteristik her ein eigener Kurs, der mit anderen Strecken kaum vergleichbar ist. Dann hat das regnerische Wetter die Qualifikation stark beeinflusst und schließlich wurden im Rennen Temperaturen von rund 18 bis 20 Grad gemessen. Am Freitag war das Thermometer um wenige Grade höher geklettert. Das beeinflusste die Reifennutzen stark, speziell weil die Teams aus dem kalten Europa kamen. Aus diesem Grund rechnet Red-Bull-Teamchef Christian Horner damit, dass wir noch nicht die wahre Stärke des RB9 gesehen haben.

Bei der Abstimmung hatte man sich für diese Temperaturen verkalkuliert. "Wir waren heute - aus welchen Gründen auch immer - mit den Reifen nicht im optimalen Arbeitsfenster. Bei diesen Bedingungen waren wir etwas außerhalb. Das wurde ab Runde vier, fünf offensichtlich, weil Seb einen guten Start hatte. Er baute sich den gewünschten Vorsprung auf und dann wurde klar, dass das Auto die Reifen hart rannahm." Von diesem Zeitpunkt an diktierte der Abbau der Reifen die Strategie. Räikkönen hatte keinerlei Probleme und seine Zweistopp-Taktik begann aufzugehen.

"Das zwang uns zu drei Stopps. Wenn man dann auch noch in Verkehr kommt, dann werden die Reifen noch stärker belastet", setzt Horner seine Analyse fort. "Ich glaube, dass die Bedingungen heute ein entscheidender Faktor waren. Wir waren nicht im Arbeitsfenster. Wenn ich all diese Dinge betrachte, dann ist der dritte Platz ein sehr, sehr gutes Resultat." Bei Red Bull wird das Ergebnis positiv aufgenommen. Von den Startplätzen eins und zwei konnte Red Bull unter dem Strich einen dritten und einen sechsten Platz ins Ziel bringen.

'Sky'-Experte Marc Surer ist dagegen noch ein anderer Umstand aufgefallen. "Es war schon im vergangenen Jahr oft der Fall, dass der Vorsprung aus der Qualifikation im Rennen nicht mehr da war. Plötzlich war Alonso dran. Dieses Mal war es noch etwas krasser." Im Qualifying hatte Vettel knapp sieben Zehntelsekunden Vorsprung auf Lewis Hamilton (Mercedes). Alonso hatte gar eine Sekunde Rückstand. Trotzdem will Surer diese Zahlen nicht überbewerten: "Wir hatten aber auch spezielle Bedingungen."

Setup für kühle Temperaturen nicht optimal

"Es war sehr kühl, zumindest für australische Verhältnisse. Dadurch haben die Reifen gekörnt. Das passiert, wenn sie nicht richtig auf Temperatur sind. Man rutscht quasi auf dem eigenen Gummi aus. Das ist sehr unangenehm. Da kannst du nichts machen, bis die Lauffläche wieder zum Vorschein kommt", weiß der Ex-Rennfahrer. Während Vettel im Rennen gegen die beiden Ferrari von Alonso und Massa kämpfte - und alle drei auf die gleiche Strategie setzten, fuhr Räikkönen mit seiner Taktik an diesem Trio vorbei zum Sieg.

Auch am Red-Bull-Kommandostand dämmerte den Ingenieuren bald, dass nicht Alonso der Hauptgegner war. "Ab Rennhalbzeit war es ziemlich offensichtlich, was sie (Lotus; Anm. d. Red.) vorhatten. Dann ist er mit Reifen, die älter waren als wir uns überhaupt vorstellen konnten, die schnellste Runde gefahren. Kimi hat es umgesetzt, denn sein Auto war so abgestimmt, dass es nicht so hart zu den Reifen war", erläutert Horner den entscheidenden Unterschied zwischen Platz eins und drei. Diese Strategie hätte Red Bull nicht anwenden können: "Keine Chance", gibt der Brite zu.

Zudem kam dazu, dass Räikkönen über weite Strecken freie Fahrt hatte. Vettel steckte dagegen zu einem Zeitpunkt auch hinter Überraschungsmann Adrian Sutil (Force India) fest. Das beeinflusste den Reifenabbau auch negativ. "Wenn man hinter einem anderen Auto feststeckt, dann nutzt man die Reifen noch stärker. Dann konnte Adrian aber mit Reifen wegziehen, die viel älter als Sebastians waren. Dann wussten wir sicher, dass wir heute mit den Reifen nicht im Arbeitsfenster waren."

Probleme bei Webber: Horner kritisiert McLaren-ECU

Abgesehen davon gab es bei Vettel keine groben Probleme. Anders verlief das Rennen für seinen Teamkollegen Webber. Der Australier kam beim Start überhaupt nicht gut weg und verlor beim Sprint bis zur ersten Kurve mehrere Positionen. Schließlich steckte auch er im Verkehr fest und schaffte noch Rang sechs. Die Technik sorgte für Probleme. "Marks Probleme waren extrem frustrierend, denn es gab ein Problem an der ECU, die von einer externen Firma zur Verfügung gestellt wird."

Die Einheitselektronik in allen Autos stammt von McLaren-Electronic-Systems. "In der Aufwärmrunde verloren wir die komplette Telemetrie. Deshalb kann man die Startvorbereitungen nicht durchführen", sagt Horner. "Das Problem mit der ECU fuhr auch das KERS herunter. Als wir das System neugestartet hatten, hatte er schon den Start verloren und viel Boden eingebüßt." Boden, den Webber nie mehr gutmachen konnte.

Horner kritisiert deswegen die Tochterfirma von McLaren: "Sie müssen das in den Griff bekommen, denn es gab schon bei den Wintertests Schwierigkeiten damit. Mit Mark hatte das heute gar nichts zu tun. Man muss McLaren fragen, warum ihre ECU nicht funktionierte. Das störte unsere Vorbereitungen komplett." In der Konstrukteurs-WM liegt Red Bull mit 23 Punkten auf Platz drei.

Fotoquelle: Red Bull

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