Kimi Räikkönen und Lotus durften zum Saisonauftakt jubeln

Formel 1 2013

— 18.03.2013

Zwei Stopps das Ass bei Räikkönens Strategie-Poker

Im Reifenpoker von Melbourne setzte Kimi Räikkönen mit zwei Stopps auf die richtige Karte - Die Formel 1 verneigt sich vor dem "Iceman"



Man kann über Paul Hembery sagen was man will, aber mit seiner Prognose für den Großen Preis von Australien in Melbourne lag der Pirelli-Motorsport-Direktor schon am Freitag goldrichtig: "Die Medium-Reifen halten etwa 22 bis 24 Runden. Das ist an der Grenze zu drei Stopps. Wer zwei oder drei Runden mehr auf den Medium-Reifen fahren kann, kommt mit zwei Stopps ins Ziel", hatte Hembery für das Rennen vorhergesagt. So kam es dann auch, und die Entscheidung zwischen zwei und drei Stopps entschied über den Sieg: Am Ende war Kimi Räikkönen der strahlende Triumphator.

Mit nur zwei Reifenwechseln fuhr der "Iceman" von Startposition acht an die Spitze und schlug den großen Favoriten Sebastian Vettel und Fernando Alonso beim Saisonauftakt ein Schnippchen. Für James Allison, Technischer Direktor bei Lotus, nicht ganz überraschend: "Nach dem letzten Barcelona-Test dachte ich, dass wir das dritt- oder viertschnellste Auto wären. In einer Qualifying-Runde entspricht das auch dem, wo wir stehen", machte sich der Brite über das Abschneiden im Qualifying keine großen Gedanken.

Während dort Red Bull und Ferrari das Tempo bestimmten, blieb Lotus jedoch entspannt. Im Lager der Briten wusste man, dass die große Stunde des Autos im Rennen schlagen würde. "Wir wussten aber, dass wir in Barcelona eine der besseren Rennsimulationen gefahren waren. Dort haben wir die Reifen recht gut zum Arbeiten gebracht. Daher haben wir gehofft, dass das hier auch der Fall sein wird", so Allison. Die Eindrücke des Freien Trainings am Freitag bestätigten dem Technischen Direktor in dieser Einschätzung.

Lotus im Renntrimm schnell und konstant

"Der Freitagnachmittag war hier recht erfolgreich, wir sind viele Runden mit viel Benzin an Bord gefahren. Deshalb wussten wir vor dem Rennen, dass das Auto mit zwei Stopps ohne große Probleme durchkommen wird", sagt Allison. So war es auch. Später als alle anderen Konkurrenten an der Spitze wechselte Räikkönen erst in Runde neun von superweichen auf die mittelharten Pirelli-Pneus und konnte anschließend mit den Reifen haushalten, ohne das Tempo zu reduzieren.

Angesichts dieser Leistung applaudierte Niki Lauda: "Der Held des Tages war Kimi, auch mit seiner Fahrweise und der Kombination mit zwei Stopps", sagt der Österreicher bei 'RTL'. "So überlegen zu gewinnen, war unglaublich. Die Lotus-Brüder haben den richtigen Mann geholt. Er hat im vergangenen Jahr gewonnen, er hat das erste Rennen gewonnen. Besser kann man das gar nicht zusammenwürfeln", freut sich Lauda.

Auch die Konkurrenz musste die Leistung des Finnen neidlos anerkennen: "Kimi ist sehr gut gefahren, es war beeindruckend. Seine Zeiten färbten sich zwei Runden vor dem Ende violett ein. Sie haben gut gearbeitet", sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Force India hat es probiert, aber für Sutil hat es nicht ganz geklappt. Sie hätten es schaffen können. Es war sehr merkwürdig." Dass die Wahl der richtigen Strategie in Melbourne auf des Messers Schneide stand, bestätigt auch Allison: "Es benötigt nicht viel, damit die Reifen statt zwei Stopps, zu denen Kimi in der Lage war, nur drei Stopps wie bei Romain zulassen. Die Balance zu finden ist sehr schwierig."

Reifen fordern die Teams heraus

"Sie hat bei Kimi so gut funktioniert, wie wir angenommen hatten. Wir wussten aber nicht, ob andere Teams nicht auch mit zwei Stopps durchkommen würden", so der Lotus-Ingenieur. Während Ferrari und Red Bull keine Zwei-Stopp-Strategie gelang, kam Jenson Button damit durch - zumindest wenn man der Interpretation seines Teamchefs folgt: "Wenn man darüber nachdenkt, dann war Jensons Rennen eigentlich ein Zwei-Stopp-Rennen. Am Vormittag hatte sein weicher Reifen starkes Graining. Deshalb wussten wir, dass er früh an die Box musste und dann war es praktisch ein Zweistopp-Rennen", sagt Whitmarsh über Button, der bereits nach vier Runden zum ersten Mal die Reifen wechselte.

Wie erwartet herrscht auch dem ersten Rennen bei den Teams noch einiges Rätselraten über die Reifen: "Einige Fahrer fuhren zu Beginn mit den Option-Reifen und holten viel Leben aus ihnen heraus. Später hat dann Sutil diese Reifen aufgezogen und sie lösten sich buchstäblich auf. Zu unterschiedlichen Zeiten hatten die Leute ein gutes Tempo und später wurde der gleiche Fahrer, mit dem gleichen Auto und dem gleichen Abtrieb langsamer", sagt Whitmarsh. "Das ist eine Herausforderung. Ich muss zugeben, dass wir es noch nicht komplett verstehen."

Allison hat beobachtet: "Die Reifen bauen stärker ab. Das ist das, was alle erwartet hatten. Es dauert nur wenige Runden, bis das Tempo aus dem Qualifying bedeutungslos ist." Und auch für Ferrari sind die Pirelli-Pneus des Jahrgangs 2013 noch eine Herausforderung: "Wir wussten, dass es das Anliegen von Pirelli war, die Autos öfter in die Box zu holen. So gesehen wurde die Vorgabe erreicht", sagt Teamchef Stefano Domenicali. "Jetzt liegt es an uns, das Beste aus den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu machen, um auf der Strecke die Oberhand zu gewinnen."

Lauda bejubelt den "Typen" Räikkönen

Mit dem Sieg beim Saisonauftakt haben Räikkönen und Lotus zwar ein psychologisch wichtiges Ausrufezeichen gesetzt. Repräsentativ für den weiteren Verlauf der Saison ist der Erfolg im Albert Park jedoch nicht: "Hier in Melbourne war die Reihenfolge so, jedes nächste Rennen kann wieder alles anders werden", meint Lauda. Auf die Frage, ob Räikkönen nach dem Sieg ein WM-Kandidat sei, antwortet der Österreicher: "Das kannst du mich nach dem ersten Rennen nicht fragen. Das ist sinnlos, weil der Maßstab aller Dinge Kuala Lumpur ist. Alles, was man dort erwartet: Es wird heiß sein, ein irrsinnig schwieriger Kurs. Da wird man wissen, was los ist."

Allison sieht sein Team jedoch auch für die kommenden Rennen gut aufgestellt: "Es gibt Anzeichen dafür, dass das Auto auf einer großen Bandbreite von Strecken gut funktionieren wird. Das Auto ist gut, das haben beide Fahrer gleich gesagt. Sie hatten ein gutes Gefühl im Auto. Aber das garantiert gar nichts.Wir können daher nicht erwarten, dass wir überall einen Stopp weniger als die anderen machen und die richtige Pace haben", so der Brite. Allerdings sei der Sieg in Australien für das Team ein großer Motivationsschub. "Ich kann garantieren, dass das Team alles tun wird, um diese Leistung zu bestätigen und den Schwung mitzunehmen."

Dagegen hätte auch Lauda nichts einzuwenden: "Ich freue mich für den Kimi. Der ist ein Urgestein. Er ist ein super Typ. Der kümmert sich um nichts. Ob man ihn versteht oder nicht, ist ihm egal. Der steht da oben emotionslos. Heute Abend wird er sich einen runterkippen. Der lebt, der lebt richtig, obwohl er so ein kühler Typ ist", freut sich der 64-Jährige über den "Iceman", für den der Finne einer der wenigen Typen in der Formel 1 ist.

"Der verzieht keine Miene, freut sich natürlich. Der ist einfach einer von der alten Garde. Der ist eigensinnig. Er war schon weg im Rallye-Auto, da ist nicht viel herausgekommen. Dann hat er sich entschieden, zurückzukommen mit dem Lotus, wo keiner gedacht hat, dass irgendetwas geht", so Lauda. "Der ist so, wie er ist, ich habe ihn gern."

Fotoquelle: Lotus

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