Helmut Marko war mit dem Auftaktwochenende nur bedingt glücklich

Formel 1 2013

— 19.03.2013

Marko: "Müssen lernen, dass das Qualifying nicht alles ist"

Red Bulls Motosportkonsulent Helmut Marko spricht Klartext: Was in Melbourne schieflief, warum Webber schneller als Vettel war und wieso er Ferrari 2013 fürchtet



Vor dem Grand Prix von Australien rechneten viele im Fahrerlager von Melbourne mit einer Saison wie 2011: Sebastian Vettel fährt von Sieg zu Sieg und kann sich den WM-Titel vorzeitig abholen. Zu überlegen schien der RB9 nach den Trainings, sogar das Wort "Zweiklassengesellschaft" fiel. Doch im Rennen war die Red-Bull-Dominanz wie weggeblasen. Mark Webber fiel nach einem schlechten Start weit zurück und wurde Sechster, Vettel hatte zunächst Mühe, die beiden Ferrari hinter sich zu halten, ehe ihn am Ende Kimi Räikkönen mit einer besseren Strategie übertrumpfte - Platz drei war das Ergebnis.

Ein Blick auf die persönlichen Bestzeiten beweist: Der Lotus-Pilot war trotz eines Stopps weniger in seiner schnellsten Rennrunde um mehr als eine Sekunde schneller als Vettel, der nur die zehntbeste Zeit erreichte. Fernando Alonso war rund acht Zehntel schneller, Teamkollege Webber um etwas mehr als eine halbe Sekunde.

Red Bull verpokerte sich bei der Balance

Was war beim Weltmeister im Rennen mit 22 Sekunden auf Sieger Räikkönen bloß schiefgelaufen? "Das war eine herbe Enttäuschung", gibt Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'ServusTV' zu. Und wie so oft findet sich des Rätsels Lösung im Pirelli-Gummi: "Wir dachten, weil wir sowohl mit Slicks als auch mit Intermediates und den extremen Regenreifen absolut die Schnellsten waren, dass wir von der Balance her richtig gelegen sind. Das war aber eine Fehleinschätzung, wie eben das Rennen gezeigt hat."

Daher herrscht nun bei Red Bull in puncto Reifen Nachholbedarf, stellt der Österreicher klar: "Wir müssen die Sache mit den Reifen besser verstehen, und wir müssen auch die Schwankungen in der Bandbreite besser in den Griff bekommen. Marks Abstimmung war nur marginal anders, aber alles deutet darauf hin, dass diese Richtung die bessere war." Bei Vettels Auto war die "Gesamtabstimmung" laut Marko "zu hart", wodurch die Reifen nie ins richtige Temperaturfenster kamen und der Weltmeister "in der Folge nicht den Speed wiederholen konnten, den wir an den beiden Trainingstagen hatten."

McLaren-Elektronik zerstörte Webbers Rennen

Doch im Gegensatz zu Vettel kam Webber, der bei seinem Heimrennen nie besser als Vierter wurde, in der Anfangsphase nicht in die Gänge. Schuld war die Einheitselektronik von McLaren, die an diesem Wochenende bereits davor für Ärger gesorgt hatte. Die Probleme mit der ECU "hat zuerst das KERS weggeschalten und in der Folge dann weitere Startfunktionen", erklärt Marko das Malheur des Lokalmatadors. "Dadurch hatte er einen ganz schlechten Start und bis zur 16. oder 18. Runde kein KERS, wodurch natürlich ein Überholen fast unmöglich war."

Später legte Webber allerdings ein deutlich besseres Tempo an den Tag: "Mark ist dann, als KERS wieder da war, einigermaßen wettbewerbsfähige Zeiten gefahren, also deutlich schneller als Vettel." Schon am kommenden Wochenende droht für Red Bull die nächste Herausforderung in Sachen Reifen: der Sepang International Circuit in Malaysia, wo die Tropenhitze die Pneus zum Schmelzen bringen könnte.

Nimmt Red Bull das Qualifying zu wichtig?

Wie die österreichische Truppe mit Sitz in Milton Keynes nun mit dieser großen Aufgabe umgeht? "Das Entscheidende wird sein, dass wir bei der Autoabstimmung eine größere Bandbreite erreichen", fordert Marko und verweist auf Melbourne-Sieger Räikkönen, "der mit beiden Reifentypen absolut schnell war und die Reifen über eine weitaus längere Distanz als jeder andere fahren konnte."

Zudem muss Red Bull die Prioritäten verschieben, denn die Rennen gewinnen seit dem Vorjahr im Vergleich zum Qualifying immer mehr an Bedeutung. "Wir müssen vielleicht noch lernen, dass das Qualifying auf eine Runde nicht das ganze Leben ist und dass man versuchen muss, über die Renndistanz zu kommen", gibt sich der Österreicher durchaus selbstkritisch. "Und da waren wir von den Zeiten Alonsos und Räikkönens meilenweit entfernt".

Ferrari jetzt auch "als Team stark"

Vor allem die Performance des Lotus-Piloten bereitet Red Bulls Motosportkonsulenten Sorgen, schließlich hatte Räikkönen einen Stopp weniger "und konnte trotzdem deutlich schnellere Rundenzeiten fahren als wir, ohne den Reifenverschleiß zu haben, den wir hatten."

Langfristig sieht er aber weiterhin Ferrari als größten Rivalen, zumal Alonsos Teamkollege Felipe Massa gezeigt hat, dass er die starke Form von Ende 2012 über den Winter konservieren konnte. "Massa ist im Gegensatz zum Vorjahr auf dem Niveau von Alonso, und daher wird Ferrari in der Konstrukteurs-WM für uns sicher einer der stärksten Gegner sein", glaubt Marko. "Sie sind als Team stark." Zumal die "Scuderia" besser mit den Reifen zurechtgekommen ist als das eigene Team: "Hier hat es bei Alonso fast optimal funktioniert, bei Massa vor allem beim zweiten Satz dann aber überhaupt nicht, der ist dann auch deutlich zurückgefallen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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