Felipe Massa ist mit seinem neuen Arbeitsgerät rundum zufrieden

Formel 1 2013

— 21.03.2013

Ferrari erklärt sich zum Lotus-Jäger: "In Schlagdistanz"

Alonso und Massa kommen dank eines reifenschonenden F138 selbstbewusst nach Malaysia - Die Konkurrenz hat die Scuderia ganz oben auf der Favoritenliste



Ferrari zählte dank der Plätze zwei und vier zu den Gewinnern des Formel-1-Saisonauftaktes in Melbourne. Bei der Scuderia sind Fahrer und Verantwortliche vorsichtig geworden, wenn es darum geht, Prognosen aus dem Start in das Jahr abzuleiten. Zu oft erlitten sie in der Vergangenheit in diesem Punkt Schiffbruch. "Das war nicht einmal nahe an dem, wo wir stehen wollten", erinnert sich Fernando Alonso mit Schaudern an einen kaum konkurrenzfähigen Boliden 2012. Aktuell sieht es rosiger aus.

Felipe Massa bestätigt: "Alles am Auto ist jetzt besser als im vergangen Jahr und wir zeigen ganz andere Leistung in den Freien Trainings, im Qualifying, im Rennen - jedes Mal, wenn wir auf die Strecke gehen", so ein freudiger Brasilianer, der den F138 "zehnmal besser" nennt als seinen Vorgänger. In diesem Erfolg steckt eine Menge schweißtreibende Arbeit: "Wir haben zu lange gebraucht, um ihn zu verstehen, aber als das gelungen war, war der Weg frei für mehr Konstanz", so Massa weiter.

Alonso bestätigt: "In Australien hat alles funktioniert und wir haben unser Potenzial bewiesen." Ein Grund dafür war der Umgang mit den Reifen auf den Longruns am Rennsonntag: "Als die Pneus in ordentlichem Zustand waren, zeigten wir die vielleicht beste Leistung auf der Strecke", findet Massa und wähnt sich in Schlagdistanz zu Kimi Räikkönen, dessen Lotus für den Schonbehandlung der Gummis über den grünen Klee gelobt wurde: "So vorteilhaft war bei uns der Abbau nicht, aber verglichen mit der Konkurrenz sehr ordentlich."

Rechenspiele: Ferrari schneller als Lotus?

Gemeint ist in erster Linie Red Bull, deren Qualifikationsleistung exzellent war, im Grand Prix jedoch höchstens passabel. Sebastian Vettel räumt im Gespräch mit 'auto motor und sport' die Schlappe gegen die Italiener ein: "Sie waren im Rennen klar schneller als wir. Als Fernando an mir vorbei war, konnte ich ihm nicht folgen", so der Deutsche, der im Umgang mit den Pneus den Trumpf bei Alonso sieht: "Es scheint auch egal zu sein, wie er die neuen Reifensätze angefahren ist. Ich bin anfangs immer ganz vorsichtig herumgeeiert."

Auch Ross Brawn zeigt sich bei 'auto motor und sport' von der Leistung seines ehemaligen Arbeitgebers beeindruckt. "Im Durchschnitt aller Rundenzeiten hatte Ferrari in Melbourne das beste Renntempo", analysiert der Mercedes-Teamchef und hätte der Scuderia sogar den Auftaktsieg zugetraut, es haperte jedoch an der Umsetzung der richtigen Taktik: "Wenn Ferrari ein Zwei-Stopp-Rennen gefahren wäre, hätten sie gewonnen. Wenn man den Schnitt der Rundenzeiten ohne Verkehr nimmt, hatten sie das schnellste Auto im Feld."

Auch Alonso will aus Räikkönen und seinem E21 keine Paarung machen, die derzeit unschlagbar ist. "Ich denke, das Tempo der Lotus war gut, aber nichts, wo wir nicht mithalten könnten", macht er den Tifosi Mut und betont, dass beim Finnen alles glatt lief, was glatt laufen konnte: "Sie hatten ein sauberes Rennen ohne Verkehr, mit guter Strategie. Aber das Tempo war nicht außerhalb unserer Reichweite. Wir könnten hier näher dran sein." Allen voran deshalb, weil Sepang als Strecke eine ganz andere Charakteristik bietet als der Albert Park.

Reifen sind der Schlüssel

Alonso nennt die Bahn in Down Under "merkwürdig und äußert ungewöhnlich". Kurzum: Aus dem Ergebnis Rückschlüsse zu ziehen wäre ein mehr als mutiges Unterfangen, deshalb erwartet Alonso Klarheit bezüglich des Wasserstandes in Malaysia - wenn denn das Wetter mitspielt. "Das ist ein Test unter Realbedingungen", unterstreicht der Vizeweltmeister, der die Messlattte deshalb nicht höher legt als schon vor einer Woche: "Wieder ist das Podium das Ziel", betont er und fordert, die Eindrücke aus den Wintertests zu bestätigen.

Stefano Domenciali hätte sich auch mit einem schlechteren Resultat zurück nach Italien getraut. "Daran bin ich mittlerweile gewöhnt", scherzt der Teamchef im Gespräch mit 'Formula1.com' über Privileg und Bürde, für die Mythosmarke zu arbeiten. "Ich weiß, wie sich das anfühlt." Das dicke Ende könnte noch kommen, weiß Massa und rätselt: "Vielleicht stellt sich die Situation auf dieser Strecke komplett anders da, vielleicht verbraucht unser Auto mehr oder weniger Reifen. Wir wissen es nicht."

Er tappt im Dunkeln. Viele Fragen seien offen geblieben, obwohl der Bolide deutlich einfacher zu fahren sei als im Vorjahr: "Im Qualifying waren wir eine Sekunde langsamer (als die Red Bull, Anm. d. Red.), aber die Streckenbedingungen waren nicht konstant. Es ist kaum zu sagen, wo wir tatsächlich stehen." Für Domenicali spielt das keine große Rolle: "Mein Plan ist simpel. Samstags gibt es keine Punkte, deshalb will ich sonntags welche. Und zwar mehr als Red Bull", so der Italiener, der in der Reifenfrage den Schlüssel sieht.

Taschentücher nicht von Nöten

Dann könnte es für Alonso auch endlich mit dem Grand-Prix-Sieg klappen, auf den er seit Hockenheim 2012 wartet. Ins Kopfkissen weint der Mann aus Oviedo, der in Malaysia sein 200. Rennen in der Königsklasse bestreitet, deshalb nicht. "Wir haben im vergangenen Jahr Wunder vollbracht, indem wir Rennen auf dem Podium beendet haben. In Australien sind wir auch ein gutes gefahren, da gibt es nichts Frustrierendes", beschreibt er sein Seelenleben als aufgeräumt und sorgenfrei.

Anders sähe die Sache aus, wenn er nicht das Beste aus seinen Möglichkeiten machen würde, findet der Doppelweltmeister: "Wenn ich das beste Auto in der Startaufstellung habe, sechsmal auf die Pole-Position fahre und dann Zweiter werde, dann wäre es frustrierend." Ein Seitenhieb gegen Red Bull? Auch Domenicali zieht es vor positiv zu bleiben: "Es lohnt sich nicht, zu klagen. Wenn doch, würde ich jeden Tag in Heulkrämpfe ausbrechen. Wir wollen konstant und zuverlässig sein, mehr Punkte holen als die Konkurrenz."

Fotoquelle: Ferrari

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