Sam Michael in Nöten: Ist bei McLaren bald Land in Sicht?

Formel 1 2013

— 22.03.2013

Michael: "Verständnis des MP4-28 nach jedem Training anders"

McLaren-Sportdirektor Sam Michael erklärt, wieso man von den aktuellen Problemen profitieren könnte, wie nahe man der Lösung ist und ob der MP4-27 ein Thema ist



McLaren kämpft nach der Schlappe von Melbourne in Sepang um den Anschluss. Die Truppe aus Woking brachte als eines von wenigen Teams dieses Jahr keine Weiterentwicklung des Vorjahresautos und versteht den MP4-28 noch nicht. McLaren-Sportdirektor Sam Michael erklärt, wie man die aktuelle Krise bewältigen will, inwiefern der Einsatz des starken Vorjahresautos eine Option ist und wie man nun mit dem enormen Druck, der auf den Schultern der McLaren-Mannschaft lastet, umgeht.

Frage: "Sam, mit welchen Problemen kämpft ihr derzeit?"
Sam Michael: "Ehrlich gesagt schauen wir uns derzeit alle Bereiche an. Wir haben inzwischen ein sehr gutes Verständnis, wo unsere Probleme liegen. Die meisten Dinge sollten wir im McLaren Technology Center lösen. Dennoch geben uns diese Tests auf der Strecke immer mehr Sicherheit. Man kann gewisse Tests durchführen, um mehr Informationen zu erhalten, wie sensibel ein gewisser Bereich des Autos ist. Daran arbeiten wir gerade."

"Derzeit ist es noch zu früh, um es ganz genau festzumachen. Obwohl wir uns relativ sicher sind, woran wir arbeiten müssen. Man muss offen bleiben, denn normalerweise handelt es sich um ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Bereichen - deshalb versuchen wir, offen zu bleiben."

Frage: "Australien war schlimmer als erwartet. Auf welche Dinge könnt ihr euch mit den Simulationen nicht vorbereiten?"
Michael: "In Melbourne waren wir nicht weit entfernt von dem, was wir beim Testen erlebt haben und was uns die Daten gesagt haben. Das Einzige, was man nicht weiß, ist, welche Programme die anderen im Winter durchziehen - man weiß also nicht genau Bescheid, wie es mit den letzten Zehnteln aussieht. Wenn man sich ansieht, wie eng das Feld beisammen liegt, wenn man sich das Tempo unseres Autos ansieht, dann fällt auf, dass wir vor Jahren mit unseren Problemen immer noch auf Startplatz fünf oder sechs gekommen wären. Man würde zwar weit zurückliegen, würde aber immer noch Punkte mitnehmen."

"Das funktioniert heute nicht mehr, weil das Feld so eng beisammen liegt. Daher kann man unmöglich genau wissen, wo man steht, ehe man nach Melbourne kommt. Dass wir ein Problem haben, wussten wir natürlich schon vor Melbourne. Das ist auch der Grund, warum einige Prozesse bereits in die Wege geleitet wurden - für Melbourne, für dieses Rennen und für die Zukunft."

Probleme waren schon vor Melbourne bekannt

Frage: "Aber eure wahre Performance im Vergleich zur Konkurrenz war euch nicht klar?"
Michael: "Wir hatten nach den Wintertests genügend Daten, um zu wissen, dass wir ein Problem haben, dass wir nicht dort sind, wo wir sein wollen und wo wir sein müssen. Melbourne war daher nur eine endgültige Bestätigung unserer Vermutungen, die wir bereits hatten."

Frage: "Warum hat euch die Simulation nicht gleich gesagt, dass etwas nicht stimmt?"
Michael: "Es ist ja bekannt, dass wir diesen Winter unser Design in vielen Bereichen geändert haben. Durch diese Änderungen mussten wir neu überdenken, wie ein Auto funktioniert. Das haben wir gemacht, und wir stehen nach wie vor zu unseren Gründen, denn wir dachten, dass uns das neue Wege eröffnet. Wenn man das macht, dann lässt man sein traditionelles Verständnis teilweise zurück - und zwar in der Hoffnung, dass der Gewinn größer ist. Wir sind diesbezüglich erst am Anfang, wir glauben immer noch an ein schnelles Auto."

Frage: "Bei der Fahrzeugpräsentation wart ihr sehr zuversichtlich."
Michael: "Das ist so eine Sache. Wenn das Auto nicht schnell genug ist, dann liegt das an den Gründen, denen wir jetzt auf den Grund gehen. Man designt nicht absichtlich ein Auto, das nicht gewinnt, schon gar nicht als McLaren-Team. Wir befinden uns nun mitten in unserer Analyse, damit wir verstehen, was wir als nächstes tun müssen."

Profitiert man langfristig von den Problemen?

Frage: "Wie geht ihr weiter vor?"
Michael: "Viele unterschiedliche Dinge. Wir haben eine gute Idee, woran wir arbeiten müssen. Aber wir sollten nicht ins Detail gehen, denn in so einer Situation verändert sich dein Verständnis sehr rasch. Selbst das Verständnis von gestern Abend kann nach dem ersten Training wieder ein anderes sein - das ändert sich rasch, weil man mehr testet. Mit der Zeit wird es dann klarer, wenn wir uns absolut sicher sind, was wir tun müssen, um das Problem mit dem Auto zu lösen."

Frage: "Rechnest du bis China oder Bahrain mit einer Lösung?"
Michael: "Hoffentlich so schnell wie möglich. Es ist schwierig, bei diesen Dingen einen Zeitrahmen festzulegen. Man arbeitet sich durch unterschiedliche Bereiche des Autos, und man wird dabei auf jeden Fall Dinge aufdecken. Ich kann aber nicht sagen, ob das schon bis China oder Bahrain der Fall sein wird. Bei uns arbeiten viele Leute an dieser Sache, eigentlich alle - es ist unser Ziel, das so schnell wie möglich in den Griff zu kriegen. Wir versuchen, die Feinheiten zu verstehen. Gleichzeitig erhält man ein viel tieferes Verständnis, wenn man so ein Problem hat, auch wenn man nie plant, so eine Erfahrung wie wir derzeit mit dem Auto zu machen."

"Man muss jeden Stein umdrehen, um das Problem zu finden - das vergrößert dein Verständnis. Wenn man mit dem Abgrund konfrontiert ist, dann lernt man normalerweise viel mehr, wenn man sich durch diesen Tunnel durchgekämpft hat. Und die Arbeit, die ich in den vergangenen Wochen im McLaren Technology Center gesehen habe, ist ziemlich ermutigend. Wir werden die Probleme in den Griff kriegen. Ich kann aber nicht sagen wann."

Frage: "Wann werdet ihr euch auf 2014 konzentrieren?"
Michael: "Um 2014 kümmert sich eine andere Designgruppe. Sie arbeiten an einem anderen Ort in unserem Designbüro."

Einsatz des Vorjahresautos wäre keine große Hürde

Frage: "Ist es eine Option, das alte Auto einzusetzen?"
Michael: "Jetzt konzentrieren wir uns voll auf den MP4-28A - wir wollen die Probleme so schnell wie möglich aussortieren. Wenn wir wirklich den MP4-27 und damit das Vorjahresauto einsetzen müssen, dann gibt es immer noch ein paar technische Probleme, die wir in den Griff kriegen müssten. Das Reglement hat sich beim Frontflügel geändert, es gibt ein paar unbedeutende Details, was die Tests auf der Strecke angehen. Das wäre aber kein großes Problem, und klarerweise muss man dafür sorgen, dass es genügend Ersatzteile gibt. Unser Konzentration gilt aber dem aktuellen Auto. Wir legen derzeit alle Energien in den MP4-28A, denn wir glauben immer noch, dass er mehr Potenzial hat als der MP4-27."

Frage: "Gibt es einen Notfallplan?"
Michael: "Derzeit konzentrieren wir uns zur Gänze auf den MP4-28."

Frage: "Kommt eine B-Version in Frage?"
Michael: "Wir werden den MP4-28 weiterentwickeln. Das hängt jetzt davon ab, was man unter einer B-Version versteht. Früher sprach man davon, wenn man ein neues Getriebe oder so einsetzt. Derzeit planen wir so etwas nicht - wir entwickeln das aktuelle Auto."

Frage: "Wie groß ist der Druck, Ergebnisse einzufahren?"
Michael: "Ich denke, intern ist der Druck, den sich alle selbst machen, ziemlich groß. Er ist immer da, dieser Druck zu gewinnen. Ich würde mir größere Sorgen machen, wenn es niemanden kümmern würde und uns niemand von außen das Leben schwer machen würde, denn dann gäbe es auch keine Erwartungshaltung. Es wird einem nur deshalb das Leben schwer gemacht, weil von McLaren Siege erwartet werden. Das erwarten die Leute auch intern, und das ist der Grund, warum wir all das hier machen. Der Druck ist immer da, also ist es unser Ziel, die Dinge so rasch wie möglich in den Griff zu bekommen."

Frage: "Mit geringerem Bodenabstand zu fahren, ist keine Lösung?"
Michael: "Das Gute an der Erfahrung in Melbourne ist, dass wir das Auto jetzt besser verstehen. Daher haben wir die Hoffnung, dass wir selbst ohne Weiterentwicklung - und wir haben das Auto für Malaysia weiterentwickelt - hier mehr aus dem Auto herausholen können als am Rennwochenende in Melbourne. Dort war alles frisch."

"Beim Setup des Autos hat man immer unterschiedliche Optionen, auf die man sich konzentrieren kann - sie sind sehr streckenabhängig. Derzeit erforschen wir ebenfalls viele unterschiedliche Optionen - ganz egal, wie konkurrenzfähig wir sind. Das jetzt auf ein Problem mit dem MP4-28 zurückzuführen - dafür ist es noch zu früh. Natürlich ist es möglich, wie bei jedem anderen Auto, aber es handelt sich um einen normalen Bereich, den wir uns ansehen."

"Wenn man realistischer ist, dann kann man mehr aus dem Auto herausholen. Wenn man mit einem Auto zu viel will, das Auto dazu aber nicht in der Lage ist, dann wird man am Ende noch weniger haben. Deshalb werden wir es in Malaysia besser nutzen, indem wir ganz klar sind und emotionslos anerkennen, wo das Auto derzeit steht. So werden wir bessere Arbeit leisten."

Fotoquelle: xpb.cc

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