Sebastian Vettel war auf schwieriger Strecke der Schnellste

Formel 1 2013

— 23.03.2013

Regen rettet Vettel: Pole-Position in Malaysia

Nicht die Geheimtipps Rosberg (6.) oder Sutil (9.) auf Pole-Position in Sepang, sondern zum zweiten Mal Sebastian Vettel: Im Regen eine Sekunde vor den Ferraris



Fast sah es schon so aus, als könnte es im heutigen Qualifying zum Grand Prix von Malaysia eine Überraschung geben, aber schlussendlich hatte mit Sebastian Vettel (Red Bull) doch wieder einer der großen Favoriten die Nase vorne. Allerdings musste sich der Red-Bull-Pilot diesmal mehr anstrengen als im Vorfeld erwartet, um sich vor den beiden Ferrari-Fahrern durchzusetzen.

Der Weltmeister ergatterte im ersten Segment als 15. und im zweiten als Neunter jeweils den vorletzten Platz, der gerade noch für die nächste Runde reichte - Red Bull wirkte nach der Trainingsbestzeit zu Mittag generell von der Rolle. Aber dann kam sieben Minuten vor Ende des zweiten Qualifyings der große Regen, der das bis dahin gesehene Kräfteverhältnis umdrehte und Vettel für das alles entscheidende Q3 einen Vorteil bescherte.

Hatten bis dahin Force-India-Pilot Adrian Sutil (Q1) und Mercedes-Fahrer Nico Rosberg (Q2) die Bestzeiten auf trockener Strecke markiert, so entschieden sich Vettel sowie Fernando Alonso und Felipe Massa (beide Ferrari) auf nasser Piste in Q3 nach einigen Runden zu einem Wechsel auf frische Intermediates. Für Vettel war das der Schlüssel zur Pole-Position: "Es war seine Entscheidung und es war die richtige", lobt Teamchef Christian Horner.

Perfekt getimter letzter Q3-Run

Vettel timte seinen Run mit frischen Reifen perfekt und brannte im Finish eine Zeit von 1:49.674 Minuten in den feuchten Asphalt, an der sich Alonso um mehr als eine Sekunde die Zähne ausbiss. Zwischen die beiden schob sich dann sogar noch Massa (+0,913), damit schon zum vierten Mal hintereinander bester Ferrari-Pilot im Qualifying. Für Vettel bedeutet dieses Ergebnis im zweiten Qualifying der Saison die zweite Pole-Position.

"In Q3 trocknete die Strecke ab, daher war mir klar, dass es besser sein würde, neue Reifen zu holen", strahlt der 25-Jährige. "Der Abstand überrascht mich, aber es war eine gute Runde unter schwierigen Bedingungen, denn einige Passagen waren nass, andere noch trocken. Ich bin sehr glücklich mit der Balance - da haben wir im Vergleich zum Vorjahr einen großen Schritt nach vorne gemacht. Aber das Rennen ist heutzutage immer ein ganz eigener Fall."

Glücklich natürlich auch Massa, der zugeben muss, dass er bei trockenen Bedingungen gegen Kandidaten wie Lewis Hamilton (4./Mercedes/+2,025) oder Kimi Räikkönen (7./Lotus/+3,296) wahrscheinlich keine Chance gehabt hätte: "Ich weiß nicht, ob wir auch im Trockenen Zweiter und Dritter geworden wären", gesteht er. "Es war ein gutes Qualifying von uns. Wir haben neue Reifen geholt und dann auch eine gute Runde hinbekommen."

Alonso bezüglich des Renntempos unschlüssig

Alonso nimmt indes die teaminterne Niederlage gelassen, macht sich weit mehr Sorgen wegen des bevorstehenden Rennens: "Wir sind uns nicht sicher, wie gut das Auto im Rennen ist, denn die Longruns waren nicht konstant - manchmal waren sie gut, manchmal nicht. In Melbourne war das Renntempo aber okay, insofern sehe ich keinen Grund, nicht optimistisch zu sein." Aber auch Vettel sagt klipp und klar: "Wenn du vorne losfährst, willst du auch da ins Ziel kommen!"

Ein Leidtragender des chaotischen dritten Segments war übrigens Vettels Teamkollege Mark Webber, dem die Strecke in Sepang an und für sich gut liegt. Aber nach Platz vier im Freitagstraining rutschte der Australier heute auf Rang fünf ab - vor allem auch, weil er das Timing nicht perfekt hinbekam und nicht mehr rechtzeitig über die Ziellinie fuhr, um am Ende noch einmal eine schnelle Runde zu drehen. Zuvor hatte er Vettel in Q1 und Q2 hinter sich gelassen.

Webber verpasst die letzte Runde

"Wir haben alles aus dem Auto herausgeholt, doch als die Strecke am besten war, konnten wir nicht angreifen", seufzt der Routinier. "Ehrlich gesagt dachte ich, dass ich noch etwas mehr Zeit zur Verfügung hätte. Leider war es dann schon zu spät, als ich meine letzte Runde in Angriff nehmen wollte. Es ist frustrierend, aber so etwas kann passieren." Für morgen ist er dennoch guter Dinge: "Von Platz fünf ist immer noch alles möglich."

Nico Rosberg hatte sich nach seiner Bestzeit in Q2 auch mehr ausgerechnet als Platz sechs: "Vor dem Qualifying hatte ich mir nicht mehr erhofft, aber während des Qualifyings war ich mir sicher, dass ich auf die Pole fahre", erklärt der Mercedes-Pilot. Aber: "Dann kam der Regen." Und im Gegensatz zu Polesetter Vettel blieb Rosberg auf dem ersten Satz Intermediates: "Ich bin draußen geblieben, darunter hat der Reifen gelitten."

Hinter Kimi Räikkönen, der schon in Melbourne vom siebten Platz aus gewonnen hat, und Jenson Button (McLaren/+3,501) sicherte sich Adrian Sutil Rang neun. Das ist nach Top-3-Potenzial zu Mittag und Bestzeit in Q1 doch eine Enttäuschung: "Im Trockenen wäre mehr drin gewesen", weiß der Deutsche, eigentlich ein Regenspezialist, der aber in Q3 nicht mithalten konnte: "Im Nassen habe ich mich nicht so wohl gefühlt, aber die Top 10 sind okay."

Di Resta verspekuliert sich in Q2

Zumindest stellte Sutil im Qualifying-Stallduell gegen Paul di Resta, der heute als 15. in Q2 ausschied, verdient auf 1:1. Di Resta brach seinen ersten Run in Q2 ab, ging an die Box - und biss sich vergeblich die Zähne aus, als es während seines zweiten Runs zu regnen begann. Während McLaren-Neuzugang Sergio Perez (10./+4,462) erstmals in dieser Saison in die Top 10 einzog, scheiterten Romain Grosjean (11./Lotus) und Nico Hülkenberg (12./Sauber) am knappsten am Cut.

Hülkenbergs Fehler war, zuerst mit gebrauchten Reifen losgefahren zu sein: "Aus irgendwelchen Gründen ist am Ende von Q1 unser Radar ausgefallen", erklärt der Deutsche. "Von daher hatten wir die Information nicht, dass der Regen kommen sollte. Das ist natürlich bitter. Mit einem neuen Reifensatz hätten wir den Einzug ins Q3 vermutlich geschafft. Es ist eine vergebene Chance, weil wir auf den Intermediates ziemlich konkurrenzfähig waren. Schade."

Bianchi wieder auffällig stark unterwegs

Toro Rosso und Williams bildeten einmal mehr das hintere Mittelfeld - Jean-Eric Vergne und Valtteri Bottas mussten gemeinsam mit den vier Nachzüglern gleich zu Beginn die Segel streichen. Schnellster der "Flop 4" war indes Jules Bianchi (Marussia), der seine direkten Gegner um rund eine Sekunde abhängte und nur eine halbe Sekunde über dem Q2-Cut blieb. Der Franzose fährt schon seit Melbourne auffällig stärker als der Rest der Marussia- und Caterham-Fraktion.

Wer nun Favorit auf den Sieg ist, lässt sich auch aufgrund der instabilen Wetterlage unmöglich vorhersagen. "Es gibt mehrere Autos, die das Rennen gewinnen können. Wieder ganz vorne dabei: Kimi Räikkönen im Lotus", tippt Experte Marc Surer. Der ehemalige Formel-1-Pilot rät übrigens auch den Top 10 dazu, auf harten Pirelli-Reifen zu starten - wegen des Regen-Qualifyings gibt es ja morgen vor dem Start für alle freie Reifenwahl.

"Wenn man lange fahren kann, gibt es bereits Lücken im Feld. Dann kann man sich besser wieder einsortieren", analysiert er. "Man kann aber auch pokern: Wenn ein Safety-Car kommt, hat man gewonnen, dann verliert man mit den weichen Reifen keine Zeit. Ich denke aber nicht, dass hier so früh ein Safety-Car kommt. Es gibt so viele Auslaufzonen. Es gibt viel Platz, man muss also das Safety-Car nicht unbedingt herausschicken - außer im Regen vielleicht."

Fotoquelle: xpbimages.com

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