Sebastian Vettel musste um den Sieg in Sepang hart kämpfen

Formel 1 2013

— 24.03.2013

Kontroverse Stallduelle: Vettel gewinnt in Malaysia

Sebastian Vettel widersetzt sich einer Teamabsprache und gewinnt vor Mark Webber - Nico Rosberg verpasst Podium trotz Benzinmangel des Stallkollegen



Doppelsieg für Red Bull beim Grand Prix Malaysia, aber trotzdem hängt der Haussegen schief: Nach einem beinharten Duell fühlte sich Mark Webber um den Sieg betrogen, den sich nach 56 spannungsgeladenen Runden letztendlich sein Teamkollege Sebastian Vettel sicherte. Allerdings gibt es zwischen den beiden nach dem Rennen in Sepang dringenden Gesprächsbedarf.

Webber würdigte Vettel auf dem Weg zur Siegerehrung keines Blickes, während Vettel während der Hymne eine versteinerte Miene aufsetzte. Ebenso Lewis Hamilton (Mercedes), der nachdenklich wirkte, weil er genau wusste, dass er seinen ersten Podestplatz im Silberpfeil einer Stallorder zu verdanken hatte. Und der große Verlierer des Tages war Fernando Alonso (Ferrari): Ausfall schon in der zweiten Runde auf regennasser Fahrbahn!

Die Entscheidung fiel in der 46. Runde, als sich Vettel bei Start und Ziel neben Webber setzte, er nur um Zentimeter nicht die Boxenmauer streifte, die Nase in die erste Kurve hinein schon vorne hatte - bis Webber noch einmal kontern konnte. Letztendlich gewann Vettel aber das Duell und brachte 4,2 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Was die Zuschauer zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Bei Red Bull gab es die Order, Motor und Reifen zu schonen und sicher ins Ziel zu fahren!

Webber ging von "eingefrorenen" Positionen aus

"Ich hatte das Rennen unter Kontrolle", erklärt der Australier. "Nach dem letzten Stopp gab mir das Team zu verstehen, dass das Rennen gelaufen wäre. Wir sollten Motorleistung wegnehmen und das Rennen zu Ende fahren. Wir besprechen jedes Mal vor dem Rennen, auf die Reifen Acht zu geben und das Auto ins Ziel zu bringen. Letztendlich traf Seb heute seine eigenen Entscheidungen und erhielt dafür wie üblich Unterstützung. So läuft es halt..."

Dass sich Webber die Geschichte nicht ausgedacht hat, konnte man schon anhand der Funksprüche unmittelbar nach dem sehenswerten Rad-an-Rad-Duell vermuten: "Das ist dumm, Seb, komm schon!", funkte Teamchef Christian Horner, und auch Renningenieur Guillaume Rocquelin ermahnte seinen Schützling: "Das ist dumm, das ist dumm!" Wenig später hörte der fuchsteufelswilde Webber über den Boxenfunk: "Wir haben es ihm gesagt." Ein schwacher Trost...

Schon in der 28. Runde hatte Vettel erstmals einen kontroversen Funkspruch abgesondert, als er vom Team einforderte: "Mark ist zu langsam, schafft ihn mir aus dem Weg!" Zu jenem Zeitpunkt hatte er gut eine Sekunde Rückstand auf den Spitzenreiter, der jedoch prompt das Tempo anzog und den Vorsprung bis zum Boxenstopp drei Runden später auf zwei Sekunden ausbaute. "Sei geduldig! Es ist erst die Hälfte des Rennens rum", wurde versucht, Vettel im Zaum zu halten.

Was nicht gelang: "Wir wollten es zu dem Zeitpunkt nach Hause fahren. Heute war der Wunsch des Fahrers größer als der Teamgeist", übt Horner seltene Kritik an Vettel, der sich seinerseits im Nachhinein nicht besonders wohl fühlt: "Ich habe einen Fehler gemacht und möchte mich entschuldigen. Ich sehe, Mark ist sauer. Er wollte das Auto und die Reifen schonen, ich hätte meinen Platz halten sollen. Ich bin ein großes Risiko eingegangen, um ihn zu überholen."

Horner übt seltene Kritik an Vettel

Doch Red Bull sorgte nicht für die einzige teaminterne Kontroverse, denn Nico Rosberg (Mercedes) musste in der Schlussphase schon sehr kreativ bremsen, um noch irgendwie hinter Hamilton zu bleiben, der Sprit sparen musste. Doch dann kam die Stallorder, ausgesprochen von Teamchef Ross Brawn höchstpersönlich: Positionen halten! "Hätte ich nicht gemacht - und sein Vater sicher auch nicht", sagt Experte Marc Surer.

Dass es internen Klärungsbedarf gibt, zeigte sich nach dem Rennen: Als sich Brawn via Funk bei Rosberg bedankte, konterte dieser nur missmutig ("Daran werde ich mich erinnern!"), und Hamilton war auf dem Podium klar anzusehen, dass er nicht das Gefühl hatte, verdienter Dritter zu sein: "Eigentlich müsste Nico an meiner Stelle stehen, denn er hatte das bessere Tempo. Er ist wirklich ein toller Teamkollege! Ich kann nicht behaupten, dass ich mit dem besten Gefühl hier oben stehe."

Hamilton unerwarteter Gast an der McLaren-Box

Hamilton hatte schon zuvor für eine der kurioseren Szenen des Rennens gesorgt, als er beim ersten Boxenstopp aus alter Gewohnheit der McLaren-Crew einen Besuch abstattete und von seinen früheren Mechanikern durchgewinkt wurde: "Ich habe es wie Jenson gemacht, dem das vor ein paar Jahren genauso passiert ist! Ich bin so viele Jahre zu McLaren zum Boxenstopp gefahren. Ich weiß nicht genau, warum mir das passiert ist. Entschuldigung an mein Team!"

Mercedes war jedoch im Rennen erstaunlich konkurrenzfähig und konnte der Red-Bull-Doppelspitze über weite Strecken gut folgen. Teilweise lag Hamilton sogar an zweiter Stelle, während Rosberg die schnellsten Zeiten fuhr. Erst im Finish mussten die beiden abreißen lassen und sich mit den Positionen drei und vier zufrieden geben - aber trotz Hamiltons Benzinmangel mit 13 Sekunden Vorsprung auf Ferrari-Pilot Felipe Massa.

Der hätte sich aus der ersten Startreihe kommend sicher mehr erhofft als Platz fünf, auch wenn er im Finish mit frischen Reifen noch Sergio Perez (McLaren) und beide Lotus stehen ließ. Viel härter traf Ferrari aber das frühe Aus von WM-Hoffnung Alonso: Der Spanier war nach dem Start Zweiter, schubste jedoch Vettel in der zweiten Kurve von hinten an - und knackste dadurch den eigenen Frontflügel an. Dieser löste sich zu Beginn der zweiten Runde, was das Aus für Alonso bedeutete. Warum er nicht an die Box kam, um den Flügel zu wechseln, weiß niemand.

Gestartet wurde heute übrigens auf Intermediates - eine halbe Stunde vor dem Umspringen der Startampel hatte es in Sepang zu regnen begonnen. Von Anfang an zeichnete sich das Teamduell zwischen Red Bull und Mercedes an der Spitze ab, während auf den Rängen dahinter anfangs Nico Hülkenberg (Sauber) für Furore sorgen konnte. Adrian Sutil, der sich große Chancen ausgerechnet hatte, wurde heute hingegen ein Opfer einer Force-India-Pannenserie.

Intermediates: Start auf nasser Fahrbahn

Beim Wechsel von Intermediates auf Trockenreifen harkte es bei Sutil rechts hinten. Bitter aus Teamsicht: Paul di Resta, der dahinter auf seinen Service wartete, verlor auf diese Weise ebenfalls viel Zeit. Es folgten später im Rennen zwei weitere Boxenstopp-Pannen - und schlussendlich musste der indisch-britische Rennstall beide Autos aus dem Rennen nehmen. Der vierte nicht gewertete Fahrer des Grand Prix von Malaysia war heute Pastor Maldonado (Williams).

Kimi Räikkönen (Lotus) hatte keine Chance auf eine Wiederholung seines Auftaktsieges, fiel zu Beginn sogar vom zehnten auf den 13. Platz zurück, war dann zweimal neben der Strecke, wurde lange hinter Hülkenberg aufgehalten und hatte im Finish keine Chance, als Massa mit frischen Reifen von hinten drückte. Unterm Strich ergab das Platz sieben, 12,9 Sekunden hinter Teamkollege Romain Grosjean. Neuer WM-Führender ist somit Vettel mit 40 Punkten.

Button Opfer der McLaren-Pannencrew

Ein Geheimtipp hätte Jenson Button (McLaren) sein können, der durch einen späten dritten Boxenstopp kurzzeitig sogar in Führung lag und möglicherweise versucht hätte, mit nur drei Reifenwechseln durchzukommen. Doch das "Problem" erledigte wieder einmal die fehlerhafte McLaren-Boxencrew für ihn: Button fuhr mit losem rechten Vorderrad weg, musste in der Boxengasse stehen bleiben - und gab das Rennen später ganz auf.

So sammelte Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) einen WM-Punkt, 1,4 Sekunden vor Valtteri Bottas (Williams) und 14,7 Sekunden hinter Perez, der sich einen extrem späten Boxenstopp erlauben konnte. Der immer stärker aufzeigende Rookie Jules Bianchi gewann als 13. den "kleinen Grand Prix" zwischen seinem Team Marussia und Caterham - und zwar eine halbe Minute vor Charles Pic und sogar mit Rundenvorsprung auf Stallgefährte Max Chilton.

Besonders die teaminternen Kontroversen bei Red Bull und Mercedes werden in den drei Wochen bis zum nächsten Grand Prix in China sicher für Gesprächsstoff sorgen - hätte Vettel heute nämlich nach den Red-Bull-Regeln gespielt, würde jetzt nicht er, sondern Webber die Fahrer-WM anführen. Bei den Konstrukteuren liegt nach zwei von 19 Rennen Red Bull mit 66 Punkten vor Lotus (40), Ferrari (ebenfalls 40) und Mercedes (37).

Fotoquelle: xpbimages.com

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